So gelingt der Start in die Gartensaison

mlzExperten-Tipps

Der Frühling ist da und der Garten erwacht aus dem Winterschlaf. Landschaftsgärtner Sven Fehlauer erklärt, was bei Baumschnitt, Pflanzung und Rasenpflege zu beachten ist.

Heek

, 29.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zum Frühlingsstart hat Landschaftsgärtner Sven Fehlauer von der Heeker Firma Traumgärten Schwietering alle Hände voll zu tun. Für alle, die selbst zur Schere greifen wollen, hat der Experte wertvolle Tipps parat.

Bäume

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um den Obstbäumen einen Schnitt zu verpassen. „Man sollte die Wassertriebe rausschneiden und gut auslichten“, erklärt Sven Fehlauer. Dabei solle man nicht zu zögerlich vorgehen. „Wenn man zweifelt, kann der Ast raus“. Zu radikal soll es aber auch nicht sein. „Nicht ringsum mit der Motorsäge“, so der Experte. Stattdessen sei jeder Ast einzeln zu begutachten. Dabei rät Fehlauer zum Ableiten: Das heißt, dass ungünstig wachsende Äste direkt über einem flacheren Seitentrieb abgeschnitten werden. „Wenn ein Apfelbaum geschnitten ist, sollte man einen Hut durch die Krone werfen können“, verrät er die Faustregel.

Auch zum Pflanzen von Bäumen ist der Zeitpunkt günstig. „Bis Mitte April kann man wurzelnackt pflanzen“, so Fehlauer. Danach sei Ballenware oder Topfware zu empfehlen. Dabei sollte schon beim Pflanzen ordentlich gewässert werden. „Ideal ist es, die Wurzel in einem Speisfass voll Wasser zu durchtränken, bis es nicht mehr blubbert.“

Beete

In den Beeten steht der Frühjahrsputz an. Das Unkraut kann entfernt und die Stauden zurückgeschnitten werden. „Alles Vertrocknete kann ab“, so Fehlauer. Durchaus großzügig darf der Lavendel geschnitten werden, damit er sich verjüngen kann. „Man sollte etwa ein Drittel zurückschneiden und kann ruhig etwas ins alte Holz schneiden“, so Fehlauer.

Auch Rosen brauchen jetzt einen Schnitt. „Direkt oberhalb des dritten Auges“, verrät der Fachmann. Außerdem sollten die Rosen ausgelichtet werden. „Und alles was abgefroren ist, kommt weg.“

Die horstbildenden Stauden könnten nun geteilt werden, um Platz und neue Ableger zu schaffen, so Fehlauer. Auch neue Stauden könnten nun problemlos gepflanzt werden, obwohl noch Frost möglich ist. „Jetzt ist die richtige Zeit. Die paar Nachtfröste machen der Topf- und Ballenware nichts aus.“

Der Gärtner rät zu Düngegaben mit Kompost oder organischem Langzeitdünger für die Beete. Von Blaukorn rät er dagegen ab. „Die Salze sind gefährlich.“ Denn es kann den Pflanzen das Wasser entziehen.

Im Rosenbeet steht nun der Frühjahrsschnitt an.

Im Rosenbeet steht nun der Frühjahrsschnitt an. © Falko Bastos

Hecken

Größere Schnitte an der Hecke sind zwischen März und September vom Naturschutzgesetz untersagt, um brütende Vögel nicht zu stören. Ein Formschnitt ist dagegen jederzeit möglich. Großer Beliebtheit erfreuen sich großlaubige Hecken wie Kirschlorbeer und Glanzmispel. Bei diesen empfiehlt Sven Fehlauer den Griff zur Rosenschere: „Durch den Schnitt mit der elektrischen Heckenschere werden die Blätter verletzt, das sieht dann unschön aus.“ Das sei letztlich aber eine Geschmacksfrage, denn der Pflanze mache auch der Rundum-Schnitt mit der elektrischen Heckenschere nichts aus.

Sträucher

Zu den beliebtesten Sträuchern in deutschen Gärten zählen Hortensien. Hier ist die Unterscheidung zwischen Bauernhortensien und Rispenhortensien wichtig. „Die Bauernhortensie sollte jetzt nicht geschnitten werden, weil sich die Knospe schon im Herbst bildet“. Die Rispenhortensie dagegen dürfe ruhig auf den Stock gesetzt werden. Auch beim Flieder kommt es auf die Gattung an. Während der gemeine Flieder schon bald zur Blüte ansetzt, verträgt der Schmetterlings-Flieder nun einen kräftigen Rückschnitt.

Die Bauernhortensie bildet ihre Knospen schon im Herbst und sollte daher im Frühjahr nicht geschnitten werden.

Die Bauernhortensie bildet ihre Knospen schon im Herbst und sollte daher im Frühjahr nicht geschnitten werden. © Falko Bastos

Rasen

Auch der Rasen kann nun wieder in Form gebracht werden. Wer einen englischen Rasen wünscht, dem empfiehlt Fehlauer folgende Reihenfolge: Vorab von Hand auf eine Höhe schneiden, im April vertikutieren, Moos und Verfilztes abharken, mit dem Rasenmäher den Rest absaugen, düngen und ordentlich wässern.

Vor allem Letzteres werde oft vernachlässigt. „Die Faustformel sagt: 25 Liter Wasser pro Quadratmeter pro Woche“, so der Landschaftsgärtner. „Der Rasen muss durchdringend nass sein.“ Auch sei es ratsam, die Messer des Rasenmähers nach der Winterpause nachzuschärfen. Der häufigste Fehler bei der Rasenpflege: „Viele schneiden viel zu kurz.“ Eine Schnitthöhe von drei bis vier Zentimentern sei ideal, im Schatten auch bis zu fünf.

Schädlinge

Besonders Buchsbaum-Freunde hatten in den vergangenen Jahren nicht viel zu lachen. Zünsler und ein aggressiver Pilz rafften viele Pflanzen dahin. Beidem sei kaum beizukommen, sagt Sven Fehlauer. „Wenn der Pilz einmal drin ist, braucht man es gar nicht mehr versuchen.“ Zu erkennen sei er leicht. Denn: „Da fallen die Blätter sofort ab.“ Der Experte rät zur Ersatzpflanzung mit optisch ähnlichen Alternativen, etwa dem Ilex.

Auch der Eichenprozessionsspinner werde wohl wieder ein Thema. „Da muss der Fachmann ran, denn das kann sonst in der Notaufnahme enden.“ Außerdem rechnet Fehlauer in diesem Jahr mit einem Ansturm der Engerlinge. Die Raupen von Mai- und Junikäfern hätten es vor allem auf Wurzeln abgesehen. „Man sieht nichts, bis der Hibiskus umfällt.“

Kein Problem dagegen sind die derzeit häufig zu beobachtenden Feuerwanzen. „Die wärmen sich nur in der Sonne auf und schaden den Pflanzen nicht“, so Sven Fehlauer.

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