Stroenfeldsee: Badeguerilla contra Baustoffindustrie

Sandbagger kommen

Die Kulisse ist so idyllisch wie trügerisch: Wer bei schönstem Sommerwetter am Südufer des Stroenfeldsees steht, wähnt sich an einem von Mutter Natur geschaffenen Badesee. Doch der See ist nach wie vor Rohstofflieferant für die Baustoffindustrie. Es ist verboten, hier zu baden. Denn der See hat seine Tücken.

HEEK

, 01.08.2014, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
An dem See tummeln sich häufig Badegäste, die sich der Gefahren offenbar nicht bewusst sind.

An dem See tummeln sich häufig Badegäste, die sich der Gefahren offenbar nicht bewusst sind.

Kauers Arbeitgeber ist Nutznießer des Sandabbaus, der hier seit 25 Jahren betrieben wird: Aus dem abgebauten Feinsand fertigt sie Kalksandsteine für den Baustoffhandel. Der See ist quasi ein Nebenprodukt, denn er entsteht durch aufsteigendes Grundwasser im Zuge des Sandabbaus. Im Juli hat der Kreis Borken die Genehmigung für die Erweiterung des Sees in Richtung B70 erteilt, womit die Abgrabungslizenz um weitere zehn Jahre verlängert wurde. „Das ist sehr belastend“, meint Kauer mit Blick auf den wilden Badetourismus, der vor allem am Südufer des Sees stattfindet. Dabei ist es nicht nur verboten, hier zu baden, sondern auch „sehr gefährlich“, wie Kauer meint. „So ein Baggersee hat Strömungen“, erklärt er. „Er fällt teilweise sehr steil ab, das Wasser ist mal warm, mal sehr kalt.“ Kauer erinnert sich noch gut daran, dass hier vor etwa zwei Jahren ein junger Mann beim Baden ums Leben kam. „Da ist dann oft Alkohol im Spiel“, sagt er.

Aktuell beschäftigen Kauer vor allem die Abgrabungs-Abschnitte 12 und 13 an der äußersten Nordwestspitze des Sees. Dieser Bereich wurde vorgezogen, bevor im Südosten des Sees weiter in Richtung B70 abgegraben wird. Das habe mit den Dieselpreisen zu tun, erklärt Kauer, denn von der Seespitze aus ist der Weg bis zu den Sandlagerstätten nahe des Kirchenteichs zur B70 hin am längsten. „In einigen Jahren würde sich das eventuell nicht mehr lohnen.“ Umriss und Tiefenprofil des Sees müssten genau geplant werden. „Das wird vom Kreis genauestens kontrolliert.“ Auch Renaturierung und Ausgleichsmaßnahmen - etwa für eine Wallhecke, die im Weg war - verursachten außerdem „enorme Kosten“. Kauer: „Das Sandrausnehmen ist eigentlich der letzte Punkt.“

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