Die „Campus-Affäre“ schlägt weiter hohe Wellen. © Till Goerke
„Filz- und Vetternwirtschaft“

Ton wird schärfer: Ungeheuerlicher Vorwurf in der „Campus-Affäre“

Die „Campus-Affäre“ schlägt weiter hohe Wellen. Der Ton wird schärfer. Jetzt „attackierte“ ein Dinkelbündnis-Mitglied den Bürgermeister. Mit einem ungeheuerlichen Vorwurf.

Die „Campus-Affäre“ schlägt weiter hohe Wellen. Jüngst lieferten sich Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff und Berthold Wigger (Dinkelbündnis) in der Angelegenheit öffentlich ein scharfes Wortgefecht.

Mittwochabend (3. März), 18 Uhr. Der Heeker Haupt- und Finanzausschuss tagt. Auf der Tagesordnung stehen auch zwei Punkte, die im Vorfeld für viele Diskussionen gesorgt haben – der geplante Machercampus auf dem ehemaligen Hülsta-Areal und die Beratertätigkeit von Trion.

Befangenheit räumt Trion ein

Hinter dem Projekt stehen die Dinkelbündnismitglieder Prof. Dr. Berthold Wigger, Bernhard Holtkamp und Sebastian Franzbach. Sie haben den Heeker Unternehmer Ludger Gausling entgeltlich mit Blick auf den von ihm geplanten Campus beraten.

Direkt zu Beginn der Sitzung holte Berthold Wigger beim Tagesordnungspunkt Trion zu einem Rundumschlag gegen CDU, SPD, Bürgermeister sowie Presse aus.

Kurz das Jackett zurechtgerückt, dann erhob sich Berthold Wigger um kurz nach 18 Uhr. Wigger zog es vor, im Stehen zu sprechen – als einziger der Ausschussmitglieder. Und noch vor seinem Rundumschlag stellte er sich dem Plenum vor. Ebenfalls als einziger.

Dann begann sein gut 40-minütiger Vortrag. Der Professor „dozierte“ über die Entstehung von Trion, die Verbindung zum Unternehmer Ludger Gausling und machte deutlich, dass er bei der Tätigkeit von Trion kein Fehlverhalten erkennen könne.

Offen stellte Wigger klar, dass Trion dem Unternehmer im Dezember 2020 ein Angebot gemacht habe, Konzept, Marke und Logo für den Campus zu entwickeln. Einsicht oder Zugeständnisse, dass diese Beratertätigkeit als Ratsmitglied „Geschmäckle“ hat? Fehlanzeige.

Wigger „attackiert“ Bürgermeister

Stattdessen „attackierte“ Wigger Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff scharf. Der Grund? Weilinghoff hatte im Vorfeld der Sitzung gegenüber unserer Redaktion gesagt, er wolle den Korruptionsgedanken aus der Welt schaffen. Das Wort Korruption missfiel Wigger offensichtlich.

Deshalb fragte er den Bürgermeister zynisch, ob dieser überhaupt nachdenke, bevor er sprechen würde. „Vorsicht!“, folgte prompt die Antwort Weilinghoffs. Und der Bürgermeister stellte klar: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Sie sitzen hier auf der Anklagebank, nicht ich. Auch wenn Sie das vielleicht gerne hätten.“

Auch schoss Wigger gegen die Spitze von CDU und SPD. Diese wurden, das bestätigten diese in der Sitzung, am 11. Februar von Trion über jenes Projekt informiert. Daraus leitete Wigger ab, dass jemand der Münsterland Zeitung Informationen zugesteckt haben könnte. Dass jedoch seit ein paar Tagen die Internetseite von Trion online ist, auf der alles nachzulesen ist, ließ er außen vor.

Dabei hatte genau darauf noch kürzlich Bernhard Holtkamp im Gespräch mit der Münsterland Zeitung hingewiesen und damit Transparenz dokumentieren wollen.

Der Ton wird noch rauer

Im weiteren Verlauf wurde Wiggers Ton noch rauer. Er hob im sarkastischen Tonfall hervor, dass er sich wundere, dass die Gemeinde Wirtschaft im Keim ersticken wolle. Eine Anspielung auf den Campus, der, so er realisiert wird, mal Start-up-Unternehmen Raum geben soll. Dabei haben sowohl der Bürgermeister als auch SPD- und CDU-Fraktion die Idee des Campus bereits für gut befunden.

Nicht für gut befunden haben sie jedoch die bezahlte Beratertätigkeit von Trion mit Blick auf den Campus vor dem Hintergrund, dass Wigger und Holtkamp Ratsmitglieder sind. Dementsprechend stellt der CDU-Fraktionsvorsitzende Walter Niemeyer in der Sitzung klar: „Für alle Ratsmitglieder ist das eine Schande, was Sie gemacht haben!“ Und: „So etwas hat es in Heek noch nicht gegeben.“

Und auch der SPD-Fraktionsvorsitzende, Hermann-Josef Schepers, machte deutlich: „Ich erlebe Ihr Verhalten hier als Flucht nach vorne.“ Mit Blick auf die erst kürzlich online gestellte Internetseite von Trion sagte er: „Sie als Marketing-Experten hätten das doch besser machen können.“ Stichwort: Transparenz.

Wiggers Verhalten sorgt für Verwunderung

Dass Wiggers Verhalten im Ausschuss für Verwunderung sorgte, belegt auch eine Aussage des Bürgermeisters: „Es verwundert mich alles. Und offensichtlich ist manchmal Angriff die beste Verteidigung.“

Dass sie befangen sind, räumten Wigger und Holtkamp übrigens während der Sitzung ein. Als der Tagesordnungspunkt Campus im öffentlichen Teil an der Reihe war, verließen sie den Saal.

Das musste Sebastian Franzbach noch vor der Sitzung. Er war als Zuschauer gekommen, hatte sich aber nicht angemeldet. Das wäre wegen Corona nötig gewesen. Darum verwies Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff Franzbach des Saales.

Trion noch mal Thema im Rat?

Abgehakt ist das Thema Trion und Campus übrigens noch lange nicht. Zu viele Fragen blieben auch mit Blick auf die rechtlichen Grundlagen offen. Das Thema soll auch noch mal in den Rat gehen.

Rein inhaltlich gab es zum Campus in der öffentlichen Sitzung wenig Fundiertes. Eigentlich sollte, so der Bürgermeister, Unternehmer Ludger Gausling in die Sitzung kommen, und sein Projekt genauer vorstellen. Angesichts der Campus-Affäre sei davon aber kurzfristig abgesehen worden.

Einstieg in den Beratungsprozess geplant

Und wie sah es im nicht-öffentlichen Teil aus? Nachfrage beim Bürgermeister am Donnerstagmittag. „Das Thema wurde noch ausführlich und konstruktiv diskutiert.“ Beschlüsse seien noch keine gefasst worden. Noch sei man ganz am Anfang. Viele Fragen seien noch offen.

„Wir wollen jetzt in den Beratungsprozess einsteigen“, so Weilinghoff. Der sich zugleich erfreut zeigte, dass das Thema trotz all der Störfeuer nicht zu den Akten gelegt wurde. Und um die Sache weiter voran zu bringen, soll – so der Plan – Unternehmer Ludger Gausling demnächst das Projekt nochmal ausführlich im Ausschuss vorstellen.

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