Eva Lindermeir (l.) und Gisa Sendfeld freuen sich, dass sie ihre Mut-mach-Werkstatt realisieren konnten. © Markus Gehring
Projekt-Start

Trost finden in der Nienborger Mut-mach-Werkstatt

Es ist ein besonderer Ort, den Gisa Sendfeld als Lebensmittelpunkt gewählt hat: Eingerahmt von der Burg wird sie hier mitten in der Historie wohnen und in ihrer Mut-mach-Werkstatt arbeiten.

Die Handwerker haben die ehemalige Schreinerei Mers in Nienborg verlassen, Ordnungs- und Gesundheitsamt haben ihr Okay gegeben, sodass Gisa (Gisela) Sendfeld die Türen zur Mut-mach-Werkstatt auch ganz offiziell am 27. Juni ab 10 Uhr öffnen kann. Damit geht für sie, die über Jahre Trauerarbeit in ganz verschiedenen Facetten geleistet hat, auch ein Traum in Erfüllung.

Gemeinsam mit Eva Lindermeir, die für die Verwaltungsarbeit zuständig ist, möchte sie vom Standort an der Hauptstraße 43 aus der Trauer von Menschen, die Abschied nehmen mussten, ganzheitlich Raum geben. Dazu gehört auch, dass zur Mut-mach-Werkstatt auch ein Beerdigungsinstitut „anders bestatten“ gehören wird. Entsprechende Kooperationen mit Bestattern sind bereits auf den Weg gebracht.

Gemeinnütziges Projekt

In das Projekt, dem inzwischen auch die Gemeinnützigkeit zuerkannt wurde und das das Land NRW über ein Gründungsstipendium 12 Monate lang mit 1000 Euro monatlich unterstützt, kann Gisa Sendfeld all ihre bisherigen Kompetenzen einbringen. Sie ist ausgebildete Sozialpädagogin, war Palliativfachkraft, Sterbe- und Trauerbegleiterin, Notfallseelsorgerin, Trauerrednerin. Coronabedingt ein halbes Jahr später als mal geplant, kann sie ihr Konzept in die Realität umsetzen.

Die alte Nutzung als Schreinerei ist an einigen Stellen noch sichtbar.
Die alte Nutzung als Schreinerei ist an einigen Stellen noch sichtbar. © Markus Gehring © Markus Gehring

Was aber heißt das genau: Mut-mach-Werkstatt und anders bestatten? Da möchte die 57-Jährige mit einem Missverständnis aufräumen: „Trauer ist keine Krankheit und auch nicht das Problem, sondern die Lösung.“ Damit sie auch die von Trauer betroffenen Menschen von der Richtigkeit dieser These überzeugen kann, bietet sie ganz verschiedene Wege an.

Sie alle machen gemeinsame Sache: Das Team der Mut-mach-Werkstatt.
Sie alle machen gemeinsame Sache: Das Team der Mit-mach-Werkstatt.

Das führt vom klassischen Erstgespräch, über individuelle Abschieds- und Bestattungsrituale eben auch hin zu handwerklichem Tun in der Werkstatt. Von Töpfern bis Basteln, alles ist möglich. Gerade Kindern gebe es, wenn sie zum Beispiel eine Urne oder den Sarg bemalen können, Kraft. Das hat Gisa Sendfeld häufig erfahren. Von der Passion in die Aktion. So heißt das Prinzip, das auch in anderen Krisensituationen hilfreich sein kann.

Kreatives Tun gegen die Erstarrung

Es geht aber in der Werkstatt, die sich optisch eher als Wohlfühloase zeigt, nicht nur ums Werkeln. Meditatives Musizieren wie mit Klangschalen und Trommeln, allein oder mit anderen, Workshops, bei denen die vielfältigen Formen des Trostes erlebt werden können – Gisa Sendfelds Agenda ist voll. Ein großes Anliegen, das in der Mut-mach-Werkstatt im Fokus stehen soll, ist die Prävention.

Bereits zum zweiten Mal war es eine Klasse der Pflegeschule des St. Antonius-Hospitals, die von Gisela Sendfeld und ihrem Team professionelle Unterstützung bekam, von der sie im Rahmen ihrer pflegerischen Arbeit profitieren kann. Aber auch Schüler aller Schulformen sieht sie als Adressaten, um sich mit dem Thema Tod und Sterben intensiver zu beschäftigen und so vielleicht die Scheu und Angst davor zu verlieren.

Die Mut-mach-Werkstatt lädt am Sonntag, 27. Juni, ein zum Tag der Offenen Tür. Danach auch regelmäßig dienstags. Überhaupt stehen die Angebote allen offen.
Die Mut-mach-Werkstatt lädt am Sonntag, 27. Juni, ein zum Tag der Offenen Tür. Danach auch regelmäßig dienstags. Überhaupt stehen die Angebote allen offen. © Markus Gehring © Markus Gehring

Nicht besser, aber anders

Wichtig ist es ihr, dass man mit dem Slogan „anders bestatten“ nicht behaupten möchte, besser zu sein als andere Beerdigungsinstitute, aber vielleicht einfach offener, freier für alternative und unkonventionelle Formen rund um die Bestattung. „Man muss einfach mal querdenken“, nennt sie ihr Prinzip.

Wohlfühlen ist eine wichtige Voraussetzung bei der Trauerarbeit. Daran ist bei der Möblierung der Mut-mach-Werkstatt für die jungen wie für die älteren Besucher überall gedacht.
Wohlfühlen ist eine wichtige Voraussetzung bei der Trauerarbeit. Daran ist bei der Möblierung der Mut-mach-Werkstatt für die jungen wie für die älteren Besucher überall gedacht. © Markus Gehring © Markus Gehring

Bereits jetzt setzt sie sich mit dem Thema Sozialbestattungen auseinander, überlegt, wie diesen ein unkomplizierter, aber würdiger Rahmen gegeben werden könnte. Überhaupt ist Gisa Sendfeld noch längst nicht am Ende ihrer Pläne, hat noch so viele Ideen zum Thema im Köcher. Trotz eines breiten Netzwerkes und eines Teams an Ehrenamtlichen an ihrer Seite hofft sie daher auf weitere, auch finanzielle Unterstützung, um noch viel mehr umsetzen zu können.

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