Viel leerer Raum: Die Posaunenklasse der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf unter Professor Matthias Gromer (3.v.r.) probt das Orchestervorspiel mit viel Abstand. © Andreas Bäumer
Zu Hause in Nienborg

Trotz Corona: Landesmusikakademie bietet Klausur und Fortbildungen

Derzeit ist es in der Landesmusikademie wegen Corona stiller als sonst. Doch die Musiker, die dort proben, genießen die Abgeschlossenheit. Auch viele ins Land hineinreichende Projekte gehen weiter.

Es ist ein Dienstagmorgen Mitte September. Im Musikzentrum der Landemusikakademie am Steinweg ist es still und auch im Burgareal begegnet man nur vereinzelt Musikern. An den Sträßchen zwischen Langem Haus und der Kirche St. Peter und Paul sind immer wieder Hinweise auf Gästehäuser zu finden – ein dörflicher Campus. „Wir haben vier Gebäude zum Schlafen, drei Gebäude zum Arbeiten und eines zum Essen“, listet die Direktorin Antje Valentin auf.

Vier Gebäude zum Schlafen, drei zum Arbeiten, eins zum Essen: Im Nienborger Burgareal hat die Landesakademie einen hübschen Campus eingerichtet – hier Gästehaus 7. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

„Normalerweise wären um diese Zeit im Jahr wöchentlich Gruppen mit 120 bis 180 Schülern hier. Solche Gruppen bleiben dann zwei bis drei Tage“, erklärt sie. Doch in Zeiten von Corona ist vieles anders.

Normalerweise proben die Schüler hier zum Anfang des Schuljahres in Klausur – für Musicals, Orchester- oder Chorstücke. Corona bremse das, weil die Schulen solch ein Zusammensein scheuen und dies trotz des funktionierenden Hygienekonzepts der Akademie. Auch die Aufführungen finden nicht statt.

Gerade weil solche Auftritte für die Schüler ein großer Ansporn zum Üben und Musizieren sind, bedauert Valentin diesen Wegfall sehr: „Es ist superwichtig für junge Leute, Ziele zu haben.“

Direktorin Antje Valentin an der Außenbühne am Musikzentrum der Landesmusikakademie. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Andererseits sind in dieser Woche zwei Gruppen hier, die von den freien Plätzen profitieren. „Sonst müssen Gruppen hier schon zwei Jahre im Voraus Termine machen“, sagt Valentin.

Für Profimusiker und Laienensembles

Der Cello-Dozent Jorin Jordan gibt eine Kurswoche mit Einzelstunden für zwei Cellistinnen und zwei Cellisten. Die Fünf genießen sichtlich den lauschigen Platz im Garten der Mensa. Jordan sagt zufrieden über die Akademie: “Hier ist unglaublich viel Platz. Das Essen ist gut.“ Auf besondere Bitten reagierten die Angestellten der Akademie meist positiv. Jordan hat hier bereits zuvor Kurse gegeben und bedauert, dass sie in diesem Jahr kein Konzert aufführen werden. Auch seinen Schülern fehlen die Auftritte.

Bei der Mittagspause: Der Cello-Kurs von Jorin Jorden. Johannes spielt Niedersächsischen Jugenorchester, Mathis und Malaika studieren Musik und Nicole ist freischaffende Cellistin (v.r.). © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Derzeit findet in der Akademie weniger als ein Konzert pro Monat statt, sonst sind es monatlich gut 3 Konzerte. Durchschnittlich 4000 Konzertgäste hat die Akademie jährlich und wirkt unter anderem so in die Region hinein. Auch die Bibliothek der Akademie nutzen die Westmünsterländer und derzeit findet auch der Musikverein Nienborg hier sein Corona-Refugium.

Die genannten Konzerte finden im Rahmen von Kursen statt oder wenn eines der Landesjugendensembles hier proben. Die Akademie ist unter anderem als Heimstatt dieser Ensembles angelegt worden, also beispielsweise für das Landjugendorchester und das Jugendjazzorchester.

Die zweite Gruppe, die Mitte September hier eine Woche verbringt, ist die 16-köpfige Posaunenklasse der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf mit ihrem Professor Matthias Gromer und dem Dozenten für Bassposaune Jonas Burow. Im Konzertsaal des Musikzentrums ist für sie genug Platz, um mit Abstand für Orchestervorspiele zu proben.

Gromer ist das erste Mal hier und hat den Tipp von einem seiner Studenten bekommen, der das Haus aus einem C-Lehrgang kannte. Diese Lehrgänge, fortgeschrittene Kurse für Laienmusiker, sind ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit der Landesmusikakademie.

Hier angesiedelte Referenten bereiten sie vor, Dozenten werden nach dem VHS-Prinzip hinzugebucht. Derzeit läuft beispielsweise ein solcher Kurs für Ausbilder im Blasorchester in Monschau. Auf dem Lehrplan steht Musiktheorie, Musikpädagogik und Instrumentalunterricht.

Schwerpunkt frühkindliche musikalische Bildung

Landesmusikakademien gibt es in fast jedem Bundesland. Sie sind Orte für Klausurproben und Konzerte. Hier werden Kurse geplant, die dann im jeweiligen Bundesland stattfinden und vieles mehr. Eine besondere Spezialität für die Landesmusikakademie NRW ist seit 2012 die frühkindliche musikalische Bildung. Hierzu werden Kurse für Erzieherinnen konzipiert und dann in Kitas durchgeführt. Mehr als 1000 Erzieherinnen haben bisher davon profitiert.

www.landesmusikakademie-nrw.de

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