Umstrittener Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Van Oerschen Wald

Herbert Moritz vom Naturschutzbund hat zuletzt im van Oerschen Wald in Heek den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln beobachtet. Das ist zum Schutz von Kulturpflanzen durchaus gebräuchlich - und umstritten.

HEEK

, 23.09.2014, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im von Oerschen Wald ist Pflanzenschutzmittel versprüht worden.

Im von Oerschen Wald ist Pflanzenschutzmittel versprüht worden.

Diese Szene beobachtete Herbert Moritz vom Naturschutzbund (Nabu) vor Kurzem im van Oerschen Wald in Heek. „Es ist eine große Schweinerei, dass in öffentlichen Wäldern Glyphosat gesprüht wird“, regt sich der Umweltschützer auf. Schließlich seien Pilz- oder Beerensammler, Kindergartengruppen und Spaziergänger mit Hunden in dem Wald unterwegs. Die Möglichkeit, dass jemand das frisch gesprühte Pflanzenschutzmittel aufnimmt, könne nicht ausgeschlossen werden, sagt Moritz. Nicht einmal Schilder seien zur Warnung aufgestellt worden, ärgert er sich und ergänzt: „Besorgniserregend sind Hinweise auf eine hormonelle Wirkung. Auch Krebs, Zelltod, Fruchtbarkeitsstörungen sowie Schädigung von Erbgut, Immun- und Nervensystem sowie Leber zählen zu den Folgen.“

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt hingegen zu möglichen Risiken auf seiner Homepage: „Zusätzlich zu den bereits in die erste Wirkstoffprüfung eingeflossenen Dokumenten wurden mehr als 1000 neue Studien geprüft und ausgewertet. Diese liefern keine Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat bei den Versuchstieren.“ Rechtlich ist gegen den Einsatz des Mittels „Roundup“, das Moritz bei dem Arbeiter im Oerschen Wald ausgemacht hatte, nichts auszusetzen. Der Hauptwirkstoff Glyphosat ist zugelassen, auch für die Arbeit im Wald. In der Landwirtschaft wird das Mittel schon länger verwendet. Dr. Mathias Niesar, Leiter des Waldschutzmanagements beim Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen bestätigt zudem, dass das Mittel zum Schutz von Kulturpflanzen durchaus auch im Wald gebräuchlich ist. Die Risiken für Menschen, die damit in Berührung kommen, schätzt auch er als gering ein: „Im Normalfall ist Glyphosat unbedenklich. Es ist wichtig, dass derjenige, der es appliziert, einen Sachkundenachweis hat und das richtige Mittel dafür nutzt.“

Denn die Beistoffe, die in verschiedenen Pflanzenschutzmitteln gemischt werden, können durchaus um einiges giftiger sein als das Glyphosat selbst. Zum Beispiel werden sogenannte Tallowamine als Netzmittel eingesetzt, damit das Mittel besser an den Pflanzen anhaftet. Deshalb fordert Niesar, nur in Deutschland zugelassene Mittel zu verwenden. „Aber ganz unabhängig davon, könnte man Brombeersträucher auch im Winter behandeln. Dann würde es keinen Konflikt mit Sammlern geben.“ Naturschützer, allen voran der „Bund“, sehen den Einsatz des Pflanzenschutzmittels deutlich kritischer. Sie fordern, das Mittel zu verbieten, und verweisen auf Studien, nach denen Glyphosat sogar im menschlichen Urin europäischer Großstädter oder in verarbeiteten Backwaren nachzuweisen ist. Das BfR wiederum erklärt, dass die im Urin gemessenen Werte weit unterhalb des bedenklichen Bereichs liegen. Den Streit zwischen Befürwortern und Kritikern wird wohl auch die EU-Entscheidung zur Weiternutzung nicht beenden.

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