Unbekanntes Flugobjekt wirft weiter Fragen auf

mlzVermeintlicher Absturz

Der Großeinsatz wegen eines möglichen Flieger-Absturzes in Averbeck blieb ohne Ergebnis. Die Augenzeugen, die den Alarm ausgelöst hatten, treffe aber keine Schuld, so die Polizei.

Heek

, 18.02.2019, 19:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Jörg Latussek am Sonntagvormittag auf seinen Melder blickte, war er in höchster Alarmbereitschaft. Das Stichwort „Flugzeug klein“ stand auf seinem Piepser, als der Alarm einging. „Da guckt man schon zweimal auf den Melder“, so Latussek vom Löschzug Heek. Denn bei diesem Stichwort müsse man mit einem Absturz rechnen. Besonders oft erscheint es nicht auf dem Display. „Wir hatten vor ein paar Jahren mal eine Notlandung“, erinnert sich Latussek.

Mehrere Zeugen hatten sich gegen 11.15 Uhr bei der Polizei gemeldet. Sie sollen beobachtet haben, wie ein Kleinflugzeug oder Paraglider schnell Richtung Boden gestürzt sei. Anschließend sei er nicht mehr sichtbar gewesen. Zuvor soll der Flieger um Windkraftanlagen in Averbeck in Höhe der Legdener Straße gekreist sein. Ein Absturz war nicht auszuschließen.

Unbekanntes Flugobjekt wirft weiter Fragen auf

Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. © Klaus Wiedau

Entsprechend groß angelegt war der Einsatz von Feuerwehr und Polizei, die das gesamte Gebiet durchkämmte. Allein 100 Einsatzkräfte vom Löschzug Heek und den Kollegen aus Schöppingen waren von der Feuerwehr vor Ort. „Wir haben Einsatzabschnitte gebildet und diese systematisch durchsucht“, berichtet Latussek. Dabei durchsuchten sie auch die Wälder im Umkreis.

Kein Anhaltspunkt für einen Absturz

Auch die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Zwei Hubschrauber kreisten weiträumig über der vermeintlichen Absturzstelle, die Kollegen am Boden fuhren Wirtschaftswege und Straßen ab. Doch fündig wurden sie nicht. So brachen die Einsatzkräfte die Suche am Nachmittag ergebnislos ab.

„Es gibt keinen Anhaltspunkt für einen Absturz“, verkündete Polizei-Pressesprecher Thorsten Ohm am Montag. Zusätzlich zur Suchaktion vor Ort hatte die Polizei die Flugplätze und Flugsportvereine in der Region kontaktiert. Doch vermisst wurde niemand. Auch der betroffene Flieger meldete sich trotz eines Aufrufs nicht bei der Polizei. „Für weitere Ermittlungen gibt es demnach keine Ansätze mehr“, so Ohm.

Selbst die Frage, ob es sich um ein Kleinflugzeug oder einen Gleitschirm handelte, ließ sich nicht klären. Die Polizei schrieb in ihrer Pressemeldung daher von einem „unbekannten Flugobjekt“. Ein Ufo über Heek. Karl Slezak vom Deutschen Hängegleitverband hält eine unmotorisierten Gleitflieger für beinahe ausgeschlossen. „Vor Ort gibt es kein Gelände für einen Gleitschirm-Start. Außerdem ist die Thermik zu dieser Jahreszeit noch nicht ideal.“ Er vermutet daher eher einen Motorgleitschirm, der zu den Ultraleichtflugzeugen zählt. Ohnehin seien dem Verband europaweit keine Unfälle von Gleitfliegern mit Windkraftanlagen bekannt.

Der Steuerzahler kommt für den Einsatz auf

Klaus Wehrmann, der in Metelen eine Flugbetrieb für Ultraleicht-Flugzeuge leitet, sagt wiederum: „So tief fliegen wir gar nicht. Alles unter 500 bis 600 Metern Flughöhe ist zu riskant.“

Offen bleibt auch die Frage, warum mehrere Zeugen den vermeintlichen Absturz meldeten. Polizei-Sprecher Ohm hält es für möglich, dass die Augenzeugen ein Flugmanöver eines Paragliders fälschlicherweise als Absturz interpretiert haben könnten. Eine Schuld treffe die Anrufer aber nicht. Für den teuren Großeinsatz kommt der Steuerzahler auf.

„Es gibt vorsätzlichen Missbrauch beim Notruf. Davon kann hier aber keine Rede sein“, betont Ohm. „Wer den Eindruck hat, er beobachtet eine gefährliche Situation, der macht nichts falsch den Notruf zu wählen.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt