Unfallopfer bei über 60 Grad im Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen

mlzSchwerer Unfall

Mittwochmorgen, 11 Uhr. Das Thermometer zeigt 34 Grad. Auf der Rheiner Straße in Heek hat sich gerade ein schwerer Unfall ereignet. Ein schweißtreibender Einsatz nicht nur für die Wehr.

Heek

, 24.07.2019, 12:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Großaufgebot an Rettungskräften und Polizei im Außenbereich von Heek. Im rechten Straßengraben ortsauswärts, direkt neben einem Maisfeld, liegt ein Kleinwagen. In ihm befindet sich eine schwer verletzte Frau. Eingeklemmt.

Erste Hilfe am Unfallort

Erstversorgt und betreut wird sie von einer Notärztin und Ersthelfern der Heeker Feuerwehr. Erste medizinische Einschätzung: keine akute Lebensgefahr. Da aber innere Verletzungen nicht auszuschließen sind, wird der Rettungshubschrauber angefordert.

Die Kameraden schwitzen

Währenddessen warten die Feuerwehrleute (rund 30) vor den Einsatzwagen auf ihren Einsatz – und schwitzen. „Das ist schon unsere Sommeruniform“, sagt ein Feuerwehrmann und zeigt auf die eines Kameraden: „Das ist die feuerfeste und deswegen noch dicker.“

Kaum vorstellbar, welche Körpertemperatur da erreicht wird. Manche Wehrleute versuchen, sich mit einem Schluck Wasser Erleichterung zu verschaffen.

Wenn die Rettungsschere ansetzt

Derweil wird die Notärztin von einem Ersthelfer bei der Betreuung des Unfallopfers abgelöst, dann beginnen die Spezialisten der Feuerwehr mit ihrer Arbeit. Ein schreckliches Knacken, wenn die Rettungsschere sich durch das Metall frisst, Stück für Stück sich einen Rettungsweg freilegt.

Unfallopfer bei über 60 Grad im Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen

Die Feuerwehrleute entfernten das Dach des Autos, um das Unfallopfer zu bergen. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Für Verletzte ein zusätzlicher Stress, bestätigt die Notärztin. Umso wichtiger sei, sagt sie, dass man sich kümmert, redet: „Es geht letztlich um so etwas wie Händchen halten.“ Das alles läuft für Rettungskräfte nach einem festgelegten „Programm“ ab.

Hitze bringt auch starke Männer an ihre Grenzen

An diesem Tag aber kommt eine besondere Herausforderung hinzu: Nach einer halben Stunde am Unfallort ist die Temperatur wieder um zwei Grad gestiegen. Auch Einsatzkräfte kommen da körperlich an ihre Grenzen.

Unfallopfer bei über 60 Grad im Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen

Keine Klimaanlage: Im Cockpit des in der Mittagshitze stehenden Hubschraubers zeigt das Thermometer 69 Grad. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Ein Feuerwehrmann benötigt sogar selbst medizinische Hilfe. Mit Humor sucht man Ablenkung und scherzt: „Nein, eine Dusche haben wir in unseren Wagen nicht, die ist bei uns innen eingebaut.“

Ohne Autodach fällt die Rettung leichter

Besonders gefordert sind die, die noch immer mit dem „Freischneiden“ des Fahrzeuges und der Bergung der Verletzten beschäftigt sind. Schließlich ist das Dach abgetrennt, der erforderliche Zugang, um die Frau mithilfe einer Trage sicher aus dem Fahrzeug zu transportieren. Im Rettungswagen wird sie weiter medizinisch versorgt und dann zum inzwischen eingetroffenen Rettungshubschrauber am Anfang der Unfallstelle gebracht.

Hubschrauber hat keine Klimaanlage

Und hier schlägt die Hitze besonders heftig zu. Im Heli gibt es keine Klimaanlage, heißt es. Und wenn er, wie in Heek, einige Zeit in glühender Hitze geparkt werden muss, werden im Innern schon mal 69 Grad gemessen. Und was bedeutet das für die Patienten? „Denen ist dann auch warm...“, sagt einer. Einziger Trost für Patienten und Besatzung, dass die Flugzeit nach Enschede nur einige Minuten dauert.

Weitere Probleme mit der Hitze

Für die an der Unfallstelle verbliebenen Einsatzleute von Wehr und Polizei ist die Hitze an diesem Tag aber noch länger ein Thema. Die durch den Unfall im trockenen Gras verstreuten Glassplitter können bei derart starker Sonneneinstrahlung wie Brenngläser wirken. Um einen Brand zu vermeiden, wurde daher zuerst erwogen, die Böschung durch Wasser abzukühlen. Die Versorgung der Verletzten aber hatte Vorrang.

Unfallopfer bei über 60 Grad im Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen

Alles bereit, um das Unfallopfer zu bergen. © Christiane Hildebrand Stubbe

Die Räumung der Unfallstelle zieht sich dann noch rund eine Stunde hin. Für die Feuerwehrleute gab es die Fortsetzung dann im Gerätehaus, wo überprüft wurde, ob alle Werkzeuge und Materialien wieder an Ort und Stelle sind, oder ersetzt werden müssen. Das Ganze dann bei 38 Grad.

Die Polizei hat das Unfallauto sofort beschlagnahmt und forscht aufgrund der Spurenlage jetzt nach der Ursache des Alleinunfalls.

Wie die Polizei berichtet, handelt es sich bei der Fahrerin des Unfall-Pkw um ein 28-jährige Heekerin. Ausgangs einer Linkskurve kam sie nach rechts von der Fahrbahn ab und landete im Straßengraben. Der Rettungsdienst brachte die schwer verletzte Frau ins Enscheder Krankenhaus, wo sie stationär aufgenommen wurde.
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