Viel mehr als nur Kinder aufpassen

Tagespflege

„Kindertagespflege, das ist nicht nur das Aufpassen. Das ist Bildung, Erziehung und Förderung. Was früher einmal als Nachbarschaftshilfe angefangen hat, ist heutzutage gleichzusetzen mit dem Förderauftrag von einem Kindergarten“, treten Anne Hoff und Jutta Büning vom Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) Ahaus/Vreden alten Vorurteilen unmissverständlich entgegen.

HEEK/LEGDEN

von von Susanne Menzel

, 25.10.2015, 18:50 Uhr / Lesedauer: 3 min
Viel mehr als nur Kinder aufpassen

Unverkennbar: Taschen mit dem Aufdruck „Tagesmutter/-vater on Tour“ überreichte der SKF jetzt an die 34 Tagespflegeeltern, mit denen er momentan in Heek, Nienborg, Legden, Asbeck, Schöppingen und Eggerode zusammenarbeitet.

Die Fachberaterinnen sind im Auftrag des Kreises Borken Ansprechpartnerinnen für Tagespflegemütter und -väter, aber auch Kontaktpersonen für die Eltern, die eine zuverlässige Bezugsperson für ihren Nachwuchs suchen.

Mehrstufige Qualifizierung

Am Mittwochabend hatte der SKF die 34 Tagespflegepersonen, die in Heek, Nienborg, Legden, Asbeck, Schöppingen und Eggerode momentan 95 Mädchen und Jungen betreuen, zu einem Dankeschön- und Kennlern-Abend eingeladen. „Wir wollen das Engagement der Tagesmütter und -väter einmal mit einem besonderen Event würdigen“, so Anne Hoff. Die Männer und Frauen, die dieser Einladung gefolgt waren, zeichnet ein ganz besonderes Engagement aus. Um als Tagespflegeeltern eine offizielle Pflegeerlaubnis für Kinder im Alter zwischen drei Monaten und 13 Jahren ausgestellt zu bekommen, müssen sie eine mehrstufige Qualifizierung absolviert haben.

Anne Hoff: „In einem Vorgespräch machen wir uns zunächst ein Bild davon, ob sich die Bewerber überhaupt für diese Maßnahme eignen. Daran schließt sich eine 16-stündige Einführungsphase an, in der nicht nur die Aufgaben, sondern auch der rechtliche Rahmen und alles Regelwerk drum herum erläutert wird.“ Die halbjährige Ausbildung über cirka 160 Stunden in Folge wird übrigens vom Jugendamt bezuschusst.

Immer wieder Fortbildungen im Angebot

„Natürlich sind hinterher immer wieder Fortbildungen im Angebot. Auch in der Kindertagespflege lernt man nicht aus“, unterstreicht Jutta Büning. Sie und ihre SKF-Kolleginnen betreuen die Tagesmütter- und Väter nicht nur bei der Vorbereitung, sie helfen auch beim Abschließen eines Betreuungsvertrages, klären über versicherungstechnische Details auf, führen Gespräche mit den Eltern, helfen bei Fragen oder in Konflikten vermittelnd weiter. „Die Kindertagespflege parallel zur Betreuung im Kindergarten ist in den letzten Jahren stark angestiegen“, weiß Anne Hoff. „Besonders die Randzeiten, wenn der Kindergarten noch nicht geöffnet oder schon geschlossen hat, sind für berufstätige Eltern interessant.“

Nicht mehr als fünf Kinder gleichzeitig

Ein kleines Zahlenwerk spricht da für sich: 23 der 34 Tagespflegeeltern betreuen als Selbstständige in ihrem Haushalt 67 Kinder. Von ihnen bleiben 59 auch über Mittag. Die übrigen Tagespflegepersonen kümmern sich in Randzeiten um ihre Schützlinge. Und zwar dann im Haushalt der Eltern. Zwischen einem und sieben Kindern können die Tagesmütter und -väter aufnehmen – maximal sollten aber nicht mehr als fünf Jungen und Mädchen gleichzeitig im Haushalt sein. Während momentan die meisten Kinder zwischen montags und freitags betreut werden, haben acht Eltern auch an den Wochenenden für ihren Nachwuchs Bedarf. Zwei Säuglinge, 39 Kinder zwischen einem und drei Jahren sowie 18 Kids im Alter von drei bis sechs Jahren und 39 zwischen sechs und 13 Jahren sind für die Kindertagespflege angemeldet.

Warum die Eltern ihre Sprösslinge nicht stattdessen in einem Kindergarten anmelden, darauf gibt Anne Hoff eine klare Antwort: „Besonders für die kleinen Kinder, die Babys, ist bis zum Alter von drei Jahren eine feste Bezugsperson pädagogisch ein Idealfall.“ Die Kleingruppen in der Kindertagespflege machten es auch möglich, individuell auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Und nicht zuletzt regelten die Eltern mit der Tagespflegemutter oder dem Tagespflegevater auch die Betreuungszeiten. Die seien wesentlich flexibler zu handhaben als in manchem Kindergarten.

Durch Zufall Tagesvater geworden

„Durch Zufall“ ist Rainer Berger, einer von zwei Tagesvätern, zu seinem neuen Beruf gekommen. „Ich bin eigentlich selbstständig. Auf einem Fest hatte mich dann mal eine Bekannte, alleinerziehende Mutter, gefragt, ob ich in dem Fall, dass sie wieder Arbeit findet, auf ihr Kind aufpassen könnte“, erzählt der 59-jährige Heeker. „Kurz darauf war es tatsächlich so, dass sie einen Job bekommen hatte. Und ich stand im Wort.“ Da es sich bei seinem Tagespflegekind um ein zweieinhalbjähriges Mädchen handelte, „wollte ich alles ganz offiziell machen, um nicht irgendwelchem Gerede ausgesetzt zu sein. Ich habe mich beim Jugendamt gemeldet, eine Ausbildung und später eine Weiterbildung gemacht – und immer mehr Freude an der Betreuung gefunden.“

Inzwischen zählen zwei Schulkinder zu seinen Schützlingen. „Da deren Mütter alleinerziehend sind, bilde ich als Mann einen gewissen Gegenpol. Ich bin mitunter so etwas wie Vaterersatz für die Kinder. Ich selbst verstehe mich in diesem Familienverband als Ergänzung.“

"Wie eine große Familie"

Ein wenig anders waren die Einstiegsgründe bei Anna Hein. Die 25-jährige Heekerin, selbst Mutter einer sechsjährigen Tochter, „hatte damals keinen leichten Start mit Kind. Ich weiß wie es ist, wenn man unbedingt eine liebevolle und flexible Betreuungsperson benötigt, um beruflich wieder einsteigen zu können.“ Deshalb hat sich die gelernte Küchenfachverkäuferin umorientiert, bietet nun seit fünf Jahren Kindertagespflege an. Zwei Kinder, vier und sechs Jahre alt, hat sie momentan aufgenommen. „Es macht Spaß, mit ihnen zusammen zu sein“, sagt sie. „Man hat Leben im Haus. Und auch meine Tochter profitiert als Einzelkind davon. Wir sind zusammen wie eine große Familie.“

 

  • Eltern, die über eine Betreuung ihrer Kinder in der Tagespflege nachdenken oder diejenigen, die sich als Tagesmutter/-vater ausbilden lassen möchten, finden beim beim SKF folgende Fachberaterinnen als Ansprechpartner: Jutta Büning (Heek/Nienborg), Tel. (02561) 95 23 25; Diane Langel (Legden/Asbeck), Tel. (02561) 95 23 26; Anne Hoff (Schöppingen/Eggerode), Tel. (02561) 95 23 26.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Spielplatzverwüstung im Stiegenpark

Schlinge für die Täter zieht sich zu: Kriminalpolizei ermittelt in Heek auf Hochtouren