Der neue Geselle Mohamad Mehibi muss direkt mit anpacken. Der 24-Jährige ist aus Afghanistan geflüchtet und hat in Nienborg ein neues Zuhause und eine Arbeitsstelle gefunden. © Astrid Witte
Ausbildung im Handwerk

Von Afghanistan nach Nienborg – Mohamad Mehibi ist angekommen

Mohamad Mehibi hat es geschafft. Nach einem langen und harten Weg ist er endlich am Ziel angekommen: Er hat seine Ausbildung abgeschlossen und ein neues Zuhause in Nienborg gefunden.

Auf der Baustelle von Ausbilder Theo Mensing trifft man auf ein strahlendes Gesicht: Mohamad Mehibi. Der 24-jährige hat auch allen Grund zum Strahlen. Gerade hat er seine Ausbildung zum Maler und Lackierer erfolgreich abgeschlossen. „Ich bin überglücklich die Ausbildung geschafft zu haben“, freut er sich.

Doch der Weg dahin war lang und hart. Mohamad stammt aus Afghanistan. Er besuchte dort die Schule bis zur siebten Klasse und arbeitete dann für zwei Jahre als Friseur. „Eine Ausbildung gibt es in Afghanistan nicht und das praktische Arbeiten macht mir Spaß“, sagt er. Vor seiner eigentlichen Flucht nach Europa lebte er drei Jahre im Iran, bevor es weiter nach Mitteleuropa ging. Während der „Flüchtlingskrise“ im Jahr 2015 kam er dann nach Deutschland.

Der Weg war lang und hart

18 Tage lang war er mit dem Bus und größtenteils zu Fuß unterwegs. „Der Weg war lang und hart, die Füße haben weh getan“, erzählt Mohamad. Auf seiner Flucht durchquerte er zahlreiche Länder wie die Türkei, Griechenland, Serbien, Ungarn und Österreich, bis er schließlich nach Deutschland kam. Dort angekommen, verbrachte er zunächst fünf Tage in Erkrath, bis es in eine Flüchtlingsunterkunft nach Düsseldorf ging.

Nach gut zwei Wochen ist er mit zehn weiteren jungen Migranten nach Nienborg gekommen. „Wir sind mit einem Flüchtlingstransport nach Nienborg gekommen. Ich war froh, aus der Flüchtlingsunterkunft weg zu sein“, sagt Mohamad noch immer erleichtert.

Der Neustart war alles andere als leicht. „Ich bin allein und mit fremden Menschen aus meiner Heimat geflohen“, blickt er traurig zurück. Seine Familie musste er zurücklassen. In Nienborg wohnte er erst mit zehn weiteren Flüchtlingen in einem alten Haus. Nun lebt er mit drei Flüchtlingen in einer Art Wohngemeinschaft. Seine Duldung musste immer wieder verlängert werden. „Man lebt immer mit der Angst, abgeschoben zu werden“, sagt er im gebrochenem Deutsch.

Einstiegsqualifizierungsjahr absolviert

Über einen Betreuer bekam er ein Praktikum bei dem seit 1973 selbstständigen Maler- und Lackiermeister Theo Mensing. Nach dem Einstiegsqualifizierungsjahr übernahm Theo Mensing den jungen Afghanen unter Vertrag. „Ich bin sozial eingestellt und habe Spaß an der Arbeit mit Jugendlichen.

Ausbilder Theo Mensing mit seinem Gesellen Mohamad Mehibi. Der Nienborger ist froh, dass sein ehemaliger Auszubildender jetzt die Gesellenprüfung mit Erfolg abgelegt hat und ist dankbar über viel Unterstützung.
Ausbilder Theo Mensing mit seinem Gesellen Mohamad Mehibi. Der Nienborger ist froh, dass sein ehemaliger Auszubildender jetzt die Gesellenprüfung mit Erfolg abgelegt hat und ist dankbar über viel Unterstützung. © Astrid Witte © Astrid Witte

Schon als Ausbildermeister am Jugend- und Familienbildungswerk in Stadtlohn habe ich mich viel mit Benachteiligten beschäftigt. Ich bin mit Mohamad sehr gut zufrieden, es macht richtig Spaß mit ihm“, so Theo Mensing.

Größte Herausforderung war die deutsche Sprache

Die größte Herausforderung während der Ausbildung war die deutsche Sprache. Einen Dolmetscher für Persisch – Fehlanzeige. In nur sechs Monaten lernte Mohamad Deutsch. „Die Ausbildung war sehr schwer. Ich habe nur gelernt. Besonders die Theorie wie wirtschaftliche Grundkenntnisse war für mich sehr schwer zu lernen“, sagt Mohamad rückblickend.

Auch in der Berufsschule konnte er sich nicht so viel beteiligen, da er unter 22 Deutschen sprachlich unterging. Die ehemalige Lehrerin Anneliese Schmitz half ihm, die deutsche Sprache und das theoretische Wissen zu lernen. „Ich war jeden Tag bei ihr. Von 8 bis 17 Uhr habe ich gearbeitet und danach bin ich zu ihr. Manchmal haben wir bis 22 Uhr gelernt“, erzählt der 24-Jährige.

Kümmern sich viel um Flüchtlinge, die in Nienborg leben, und haben auch großen Anteil an Mohamad Mehibis Erfolg: Anneliese Schmitz (l.) und Ulla Silva.
Kümmern sich viel um Flüchtlinge, die in Nienborg leben, und haben auch großen Anteil an Mohamad Mehibis Erfolg: Anneliese Schmitz (l.) und Ulla Silva. © Astrid Witte © Astrid Witte

Der ganze Raum habe voll mit meinen Lernzetteln gehangen – natürlich nach Farben sortiert. „Anneliese war wie eine Mama für mich. Sie hilft mir viel“, schwelgt Mohamad in Erinnerungen.

Unterstützung habe er viel bekommen, blickt er zurück. Von der Kreishandwerkerschaft gab es Unterstützung mit berufs- und fachbezogenen Deutschunterricht, für die Behördengänge bekam er Hilfe und viele Ehrenamtliche und Freunde unterstützten ihn. Am Ende schloss Mohamad souverän mit der Note 3,5 ab.

Sorge um die Familie in Afghanistan – Kontakt schwierig

Mohamads Mutter in Afghanistan ist überwältigt. Die ganze Familie freue sich, erzählt der Malergeselle. Doch der Kontakt zur Familie sei nicht immer möglich. „Seit zwei Monaten habe ich kein Kontakt mehr zu meiner Familie, da die Internetverbindung in meiner Heimat durch einen Angriff ausgefallen ist“, sagt er. Diese Ungewissheit belastet Mohamad.

Trotzdem blickt der junge Afghane positiv in die Zukunft. Schon in der kommenden Woche bekommt er seinen deutschen Pass. „Mein Wunsch ist es, eine eigene Wohnung in Nienborg zu bekommen und meine Familie einmal in Afghanistan zu besuchen“, sagt Mohamad. Jetzt startet er aber erst einmal als Geselle bei Theo Mensing durch.

„Das Corona-Geschäft lief gut und wir haben viel zu tun“, freut sich Theo Mensing. Mohamad fühlt sich in Nienborg zu Hause. Auch anderen Flüchtlingen rät er zu einer Ausbildung. „Auch wenn es als Ausländer nicht einfach ist und man intensiv lernen muss, lohnt sich eine Ausbildung zu 100 Prozent“, so Mohamad.

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