Wassermühle in Nienborg: Alte Geschichte und neue Herausforderungen

mlzNienborger Wassermühle

Fast 700 Jahre Geschichte stecken in der Wassermühle in Nienborg. Während die Dinkel im Hintergrund plätschert erzählt Dorothee Brüggemann von alten Geschichten und neuen Herausforderungen.

Heek

, 06.08.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Raunen knarrender Holzräder, der ruhige Fluss der Dinkel und der Geruch von altem Holz. Ein Schritt über die Türschwelle der Nienborger Wassermühle versetzt Besucher unmittelbar zurück in vergangene Jahrhunderte. Alte Geschichte, Kaffee, Kuchen und persönliche Einblicke sind Teil einer spannenden Führung mit Eigentümerin Dorothee Brüggemann.

Umgeben von großen, alten Weiden steht die Wassermühle im Zentrum von Nienborg. Dorothee Brüggemann wirft von außen einen Blick auf das alte Fachwerkgebäude. „Noch bis 1980 hat mein Onkel Alfons Nienhaus hier Vollzeit Getreide gemahlen“, erinnert sie sich. „Davon hat er gelebt“. Als er die Mühle stilllegte, fanden 600 Jahre ununterbrochener Mahlbetrieb in Nienborg ihr Ende.

Historische Handarbeit

Doch im Inneren sieht es noch immer aus wie früher. Etwas staubig stehen dort hölzerne Waschmaschinen, Waagen und Werkzeuge. Vieles hat der letzte Müller hier zurück gelassen. „Das ist alte Geschichte“, findet Dorothee Brüggemann. „Und es ist auch ein wichtiger Teil der Nienborger Geschichte.“

Jetzt lesen

Bis zum Schluss mussten die schweren Schütten vor der Mühle händisch hochgezogen werden, damit das Wasser zur Turbine fließen und das Mahlwerk angetrieben werden konnte. Der Müller trug das Korn auf dem Rücken zum Korntrichter in der ersten Etage.

Die Wassermühle ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Die Wassermühle ist ein beliebtes Ausflugsziel. © Christin Lesker

„Hier kam das Korn hinein und der Müller stellte die Mehlstärke ein.“ Durch einen Holzschacht rieselte das Mehl unten in einen Sack und wurde von den Bürgern auf Karren mitgenommen. Heute läuft die Mühle nur noch einmal im Jahr am Pfingstmontag.

Bei einer Führung durch die Kornwassermühle in Nienborg gibt es einen Sektempfang, Kaffee und selbst gemachten Kuchen im Heimat Stübchen. Alles zusammen kostet pro Person 10 Euro.

Frischer Kuchen in der alten Mühle

Das Plätschern der Dinkel dringt bis ins Mühlen Innere und Dorothee Brüggemann zeigt den Weg zum Heimat Stübchen im zweiten Stock. Aus einem Holzschrank des 15. Jahrhunderts holt die gebürtige Nienborgerin Geschirr für Kaffee und selbst gebackenen Kuchen.

Eigentümerin Dorothee Brüggemann hängt an der Wassermühle.

Eigentümerin Dorothee Brüggemann hängt an der Wassermühle. © Christin Lesker

Es ist Zeit ein bisschen zu Quatschen und den historischen Flair im Heimatstübchen zu genießen. Dorothee Brüggemann und ihr Mann Bernhard sind schon seit 1990 Eigentümer der Mühle, die ihren nachweislichen Ursprung schon früh im 14. Jahrhundert hat. Weil das Gebäude aber zunächst noch verpachtet war, ging es für die Brüggemanns erst 2009 richtig los.

Jetzt lesen

„Wir sind da mit der Zeit hineingewachsen“, erklärt Dorothee Brüggemann. Lange Jahre machte sie die Führungen gemeinsam mit Herrmann Lütke Wissing vom Heimatverein. „Er hat sich seit 1985 immer für die Mühle eingesetzt. Er lebt für Nienborg“, berichtet sie begeistert von ihrem Kollegen und Ehrenvorsitzenden des Nienborger Heimatvereins. Aktuell finden wegen Corona leider keine Führungen statt.

Arbeit und Ärger

Seit Herrmann Lütke Wissing altersbedingt aufgehört hat, macht Dorothee Brüggemann die Führungen alleine. Eigentümerin der Mühle zu sein ist aber nicht immer einfach. Die Mühle muss geputzt werden, manchmal gibt es Sturm- oder Hochwasserschäden. „Wir bemühen uns immer die Mühle in Schuss zu halten“, erklärt sie.

In der Wassermühle gibt es viele alte Dinge zu entdecken.

In der Wassermühle gibt es viele alte Dinge zu entdecken. © Christin Lesker

Auch gibt es Auseinandersetzungen mit dem Angelverein über das undichte Wehr. „Wichtig ist immer Hand in Hand mit der Gemeinde und den Vereinen zu arbeiten“, findet die Nienborgerin. In Zusammenarbeit wird so auch bald die Holzbrücke vor der Mühle neu gebaut.

Die Marode Brücke an der Wassermühle soll noch im August saniert werden.

Die marode Brücke an der Wassermühle soll noch im August saniert werden. © Christin Lesker

Wenn die Corona Krise überstanden ist, möchte Dorothee Brüggemann wieder mit ihren Führungen starten. Dann sind Nachbarschaften, Schulen oder Clubs herzlich willkommen. „Der Umgang mit den Menschen macht mir Spaß“, erzählt sie und lächelt dabei. Sie mag das Geräusch der Mühle und den Anblick, wenn sie abends von Scheinwerfern angestrahlt wird. „Wenn ich gesund bleibe, möchte ich noch lange weiter machen“, so Dorothee Brüggemann.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt