Welche Reiseziele Andreas Lösbrock jetzt noch empfehlen kann

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Andreas Lösbrock hat sein Reisebüro in Heek seit März geschlossen. Von Steinfurt aus hat er seitdem auch Reisen von Heeker Kunden storniert. Kann er aktuell noch Reiseziele empfehlen?

Heek

, 06.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

2020 sollte das Jahr sein, in dem Andreas Lösbrock sein Reisebüro Extratour in Heek an der Bahnhofstraße kontinuierlich ausbaut. Im Dezember 2018 hatte er es eröffnet, zunächst war er dreimal die Woche nachmittags da, seit November 2019 war das Büro jeden Nachmittag offen. Dann kam im März mit dem Corona-Lockdown das abrupte Ende.

Seit Ende März hat er die Tür in Heek an der Bahnhofstraße abgeschlossen, die Kunden von seinem Geschäft in Steinfurt aus betreut. Der Lockdown traf den gebürtigen Nienborger doppelt hart. Auf der eigentlich geplanten Heeker Gewerbeschau wollte er sein Reisebüro präsentieren. Es lief an, durchstarten war eigentlich angesagt. Und dann Stornieren oder Umbuchen.

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Jetzt im Sommer konnte Andreas Lösbrock ein paar Buchungen tätigen. Für Reisen in Länder, für die keine Reisewarnung bestand. Nach Mallorca zum Beispiel, bis die Warnung kam. Und auf die Reisewarnungen hat der Reisebüro-Inhaber einen differenzierten Blick und wünschte sich einiges anders.

„Der große Genickbruch ist, dass die Bundesregierung pauschal vor einem Land warnt“, sagt Lösbrock. „Meine komplette Überzeugung ist, dass die Chance, sich zu infizieren, auf Mallorca an der Playa de Palma nicht größer ist als im Kreis Steinfurt oder im Kreis Borken.“ Vorausgesetzt, jeder hält sich an die Regeln. So, wie er es auch im Sommer bei einem Kurzaufenthalt auf Kreta oder in Österreich zum Wandern gemacht hat.

Beim Wandern gehe es nicht gerade um Menschenmassen

Auf Kreta hatte er sogar ein „besonderes Urlaubserlebnis“: Leere Strände und Sehenswürdigkeiten. In den gut vorbereiteten Hotels war alles auf Corona-Regeln eingerichtet, nicht anders als hier vor Ort, so seine Erfahrung. Dass ganz Tirol jetzt zum Beispiel als Risikogebiet gilt, sieht er aus Urlaubersicht auch kritisch: Beim Wandern gehe es ja nun nicht gerade um Menschenmassen.

Er wünscht sich einen differenzierten Blick auf die Reiserückkehrer, mit denen das Virus seit dem Sommer zurückgekommen sei: Seiner Ansicht nach eher weniger durch die Pauschaltouristen als durch die Reisenden, die ihre Familien besucht haben in den Risikogebieten. „Keiner weiß, wie hoch der Anteil ist unter den Pauschalreisenden.“ Und die Quarantäneregeln: „Damit muss man anders umgehen“, findet er.

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Ein weiteres Beispiel, das ihn verärgert. „Wir hatten einige Buchungen für die Kanaren. Dann kam die Reisewarnung, und wir haben nicht eine einzige behalten“. Das Problem, was er damit hat: Auf Lanzarote und la Palma seien die Fallzahlen geringer gewesen als auf Gran Canaria, aber die ganzen Kanaren wurden Risikogebiet. „Da wird zu wenig differenziert.“

Welche Reiseziele Andreas Lösbrock jetzt noch empfehlen kann

Nun stehen die Herbstferien vor der Tür. „Die Leute wollen durchaus reisen, aber es gibt kaum Ziele.“ Was geht denn aktuell überhaupt an Flugreisen? „Nach Griechenland kann man reisen, nach Italien, Portugal, Madeira und Malta“, zählt Andreas Lösbrock auf. Stand jetzt. Was Ende Oktober wieder starten soll sind Flüge nach Kuba. Stand jetzt gebe es keine Quarantänevorschriften.

Die Türkei geht auch als Reiseziel, nur da muss vor Abreise in der Türkei der Test vor Ort gemacht werden. Die bei einem positiven Test fällige Quarantänezeit müsste dann dort angehängt werden, das schreckt natürlich ab. Auch mit Blick auf den Arbeitsplatz. Was Andreas Lösbrock aber feststellen kann: „Die Preise sind schon günstiger als in den vergangenen Jahren.“

Flusskreuzfahrten sind ein Nischengeschäft

Flusskreuzfahrten sind auch eine Art zu reisen, die vermehrt gebucht wurde. Auch innerhalb Deutschlands, auf dem Main oder Rhein. „Es ist mehr geworden. Aber trotzdem ist es ein Nischengeschäft“, sagt der Reisebüro-Inhaber. „Im Moment freut man sich , wenn man was verkaufen kann“, stellt er fest.

Das Geschäft läuft sehr mau, die Corona-Pandemie trifft die Branche hart. „Im Moment haben wir kaum Frequenz, auch aus Heek nicht“, sagt Andreas Lösbrock. Er hoffe, dass er das Ladenlokal an der Bahnhofstraße in Heek halten könne. Wie in Steinfurt auch, ist der Vermieter in Heek dem Reisebüro in der schwierigen Zeit entgegengekommen.

„Die Unterstützung ist schon sehr stark“

Und er will auch nicht nur über die Bundesregierung und ihre Entscheidungen in Corona-Zeiten meckern: Das Instrument der Kurzarbeit hilft, „die Unterstützung ist schon sehr stark“. Er hat drei Mitarbeiter in der Kurzarbeit-Regelung, „das hilft.“ Eine 450-Euro-Mitarbeiterin hingegen geht diesbezüglich leer aus.

Andreas Lösbrock sieht seine Branche „noch eine ganze Zeit angewiesen auf Überbrückungshilfen“. Es gab „null Einnahmen. Und alles, was wir verdient haben, mussten wir zurückzahlen“, blickt er auf die Stornierungswelle. Alle Reisen sind jetzt bis März rückabgewickelt. Er selbst lebe von Erspartem, „wie viele Reisebüor-Inhaber auch“, erzählt Andreas Lösbrock. Es seien auch schon Büros geschlossen worden.

Kostendeckend arbeiten ist das Ziel

Auch wann aktuell wieder deutlich weniger zu tun ist, hofft er auf bessere Zeiten. Auch in Heek: „Ich möchte gern wieder aufmachen. Es ist nur sichtig, dass man die Kosten decken kann.“

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