"Weltmeister wird Spanien"

Bischof em. Martin Lammers

„Endlich geht es los“, freut sich Bischof em. Martin Lammers über den Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. In dem Land, wo er seit 52 Jahren zu Hause ist. Dem Trubel ist er entflohen und weilt während des Großereignisses auf Heimaturlaub in Nienborg.

HEEK

12.06.2014, 18:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bischof em. Martin Lammers mit dem Spielplan der Fußball-WM

Bischof em. Martin Lammers mit dem Spielplan der Fußball-WM

Die Menschen im Land des fünfmaligen Weltmeisters lieben „fuetbol“. „Die Kinder spielen mit allem, was rollt. Das kann auch schonmal ein Ball aus Lumpen sein“, schildert der Ordensmann die Fußballbegeisterung der brasilianischen Kinder. 45 Jahre war Martin Lammers als Priester, Prälat und Bischof im Amazonasgebiet tätig. Anfang dieses Jahres kehrte er in die Heimatprovinz der Franziskaner, ins Franziskus-Kloster nach Canindé, zurück. „Viele Jahre habe ich befohlen, nun bin ich zum Gehorsam zurückgekehrt“, berichtet er von seiner neuen Tätigkeit, die er getreu seinem ewigen Gelübde und seiner Ordensregel als Franziskaner mit viel Freude ausübt.

Täglich feiert er in der geschmackvollen Basilika die Messe, predigt und nimmt im Beichtstuhl Nummer 7 von insgesamt 20 Beichtstühlen den Gläubigen die Beichte ab. „Nach fünf Jahren hat es dort Anfang des Jahres zum ersten Mal wieder geregnet“, sagt er. Es stimme es ihn froh, dass sich die Menschen auf eine gute Ernte von Mais und Bohnen freuen können. Jährlich bis zu eine Million Menschen pilgern nach Canindé, nach Assisi das weltweit zweitgrößte Franziskanische Heiligtum. Viele Gläubige kommen aus Fortaleza, der Hauptstadt des Bundesstaates Ceará, und lassen ihre neuen Autos und andere Dinge segnen.

In der 120 Kilometer entfernten Stadt trifft das deutsche Team im zweiten WM-Vorrundenspiel auf Ghana. Martin Lammers begrüßt es, dass die Jugend Brasiliens auf die Straße geht und auf die Schattenseiten der WM, auf Korruption, Misswirtschaft und die Milliarden-Ausgaben aufmerksam macht. Es herrsche eine große Unzufriedenheit über soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit: „Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist enorm. Trotz wachsender Wirtschaft bleiben die Fortschritte vielfach hinter den Erwartungen zurück“, führt Martin Lammers als ein negatives Beispiel das Krankenhaus in Canindé an, das mit drei Millionen Euro verschuldet ist und kurz vor der Schließung stand.

Zwei Tage nach dem Endspiel, wenn der Rummel vorbei ist, kehrt er nach Canindé zurück. Bis dahin drückt er der deutschen und der brasilianischen Mannschaft fest die Daumen.

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