Weltpremiere mit Bigband-Sound

Musikalisches Projekt

Freiheit und Freundschaft im Zeichen des Jazz zu vermitteln – ein ganz schön hoher Anspruch, den die jungen Musiker erfüllen sollten. Das National Youth Jazz Orchestra aus Großbritannien und sein deutsches Pendant, das Bujazzo, sind aber prädestiniert für diese Aufgabe: Das gemeinsame Interesse am Jazz macht es leicht, Kontakte zu knüpfen, zumal die Chemie zwischen den jungen Menschen zu stimmen scheint.

HEEK

von Von Martin Borck

, 12.09.2014, 17:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das "Bujazzo" und  die Bigband NYJO beim gemeinsamen Konzert.

Das "Bujazzo" und die Bigband NYJO beim gemeinsamen Konzert.

Nicht von ungefähr stand der „St. Louis Blues“ am Anfang des Programms. Einer der Meilensteine des Jazz, komponiert von W. C. Handy vor 100 Jahren, als in Europa der Erste Weltkrieg begann. Die Symbolik lag auf der Hand. Eine Wucht – nicht nur wegen des immensen Schalldrucks, den die 40 Musiker erzeugten. Das NYJO – etwas stärker besetzt und mit Horn, Flöte, Perkussion breiter instrumentalisiert – nutzte sein klangliches Potenzial aus. Fast impressionistische Anklänge bei „Hush“, ein wunderbar organisiertes Chaos bei „Rushhour“. Rhythmen, gegen den Strich gebürstet, überraschende Akzentuierungen – einfach klasse.

Das Bujazzo frönte zunächst mehr dem klassischen Bigband-Bläsersound, swingte aber umso mehr. Und die deutschen Jazzer hatten etwas, das die Briten nicht haben: ein Vokalquintett. Das brachte durch seine großartige Stimmführung zusätzlich Farbe in den Sound. „My Romance“ sangen die Fünf a capella, was ihre hohe Gesangskunst besonders transparent machte. Gesang und Bigband-Sound verschmolzen bei „Body and Soul“ und „Smack Dab in the Middle“ zu einer reizvollen Melange. Im Finale lieferten sich bei „Jumpin‘ at the Woodside“ die vier Tenorsaxofonisten eine klassische „Battle“, bei der vor allem Bujazzo-Mann Marc Duffey durch hohe Improvisationskunst auffiel. Die solistischen Kreativität war ein plastisches Beispiel für die Kraft der Freiheit, die mit dem deutsch-britischen Projekt ja ebenfalls zelebriert werden sollte. Insofern: Auftrag voll erfüllt.

Zum Jubiläum 25 Jahre Landesmusikakademie spielen am morgigen Sonntag von 11 bis 17 Uhr über 500 Musiker auf elf Bühnen auf dem Nienborger Burggelände und im Musikzentrum Konzerte von Klassik über Rock und Weltmusik bis Jazz. Dazu gibt es ein buntes Kinderprogramm und Verpflegung durch die örtlichen Vereine.

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