Wenn Toiletten in der Dinkelgemeinde als Mülleimer missbraucht werden

mlzWeltwassertag

Der Weltwassertag erinnert symbolisch daran, wie wichtig sauberes Trinkwasser ist. Dazu gehört auch, keinen Müll in der Toilette zu entsorgen. In Heek ist das offenkundig nicht jedem klar.

Heek

, 28.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 27 Jahren gibt es den Weltwassertag, der die Menschen symbolisch daran erinnern soll, wie wichtig sauberes Trinkwasser ist. Der Tag (22. März) liegt zwar schon eine gute Woche zurück, doch die Botschaft dahinter ist jeden Tag wichtig. Und dazu gehört es auch, die Toiletten nicht als Abfalleimer zu missbrauchen. Etwas, dass in der Dinkelgemeinde offenkundig nicht selbstverständlich ist.

306.806 Kubikmeter wurden 2019 in das Trinkwassernetz der Gemeinde Heek abgegeben. Die Wassergewinnung und Aufbereitung in Heek findet in Kooperation und unter Federführung der Stadtwerke Ahaus statt. Im Klärwerk in Wichum wird das Wasser gereinigt und letztlich den drei Wassergewinnungsgebieten der Gemeinde wieder zugeleitet.

2,5 Mio Kubikmeter „Rohwasser“ werden pro Jahr gewonnen

Aus diesen werden jährlich etwa 2,5 Millionen Kubikmeter „Rohwasser“ gewonnen, in zwei Wasserwerken aufbereitet und gespeichert. Ein Kreislauf, dessen Ablauf von jedem Einzelnen in der Gemeinde beeinflusst wird. Negativ oder positiv. Denn das, was als Frischwasser in den Haushalten ankommt, geht im Umkehrschluss als Schmutzwasser über das Kanalnetz zum Klärwerk in Wichum.

Jetzt lesen

Dabei ist es wichtig, dass dort auch nur das ankommt, was zulässig ist. Altmedikamente, Windeln, Küchentücher und Essensreste gehören da nicht zu. Vor allem mit Blick auf die geglaubte Klopapier-Knappheit in Corona-Zeiten hat jüngst die Verbraucherzentrale Alarm geschlagen. So soll es schon vorgekommen sein, dass Küchentücher statt Klopapier für das Geschäft verwendet wurden.

Verstopfte Pumpwerke sind in Heek keine Seltenheit

„Diese Haushaltspapiere können aufgrund ihrer großen und festen Beschaffenheit die Toiletten verstopfen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Verbraucherzentrale. Oder aber Rohre und Pumpwerke. Letztes ist in Heek übrigens keine Seltenheit.

Jetzt lesen

Zum besseren Verständnis: Gut ein Dutzend Pumpwerke sind in der Dinkelgemeinde in Betrieb. Und regelmäßig müssen diese von Mitarbeitern der Gemeinde abgeschaltet und vom Müll gereinigt werden. „Netzgespinste“ ist das Fachwort. Eine klebrige und ekelige Mischung aus Einzelfasern. „Im Schnitt sind mittlerweile monatliche Revisionen an den größeren Pumpwerken notwendig“, berichtet Thorsten Meyer von der Gemeindeverwaltung auf Anfrage.

Die Reinigung wird über die Schmutzwassergebühr finanziert

Eine Arbeit, die nicht nur ekelig, sondern auch vollkommen überflüssig ist. Und in den vergangenen Jahren in immer regelmäßigeren Abständen nötig geworden ist. Was viele nicht wissen: Die Kosten des rund 90 Kilometer langen Kanalnetzes und der Schädlingsbekämpfung werden auch über die so genannte Schmutzwassergebühr finanziert.

So sehen Netzgespinste aus, die die Pumpwerke in Heek verstopfen. Eine ekelige, klebrige Masse.

So sehen Netzgespinste aus, die die Pumpwerke in Heek verstopfen. Eine ekelige, klebrige Masse. © Gemeinde Heek

Dabei entspricht die Menge des verbrauchten Schmutzwassers der des Frischwassers. Aktuell beträgt die Gebühr in der Gemeinde je Kubikmeter 2,79 Euro. So wie in 2019 auch. Nicht auszuschließen, dass diese Gebühr angehoben wird, wenn sich die Situation nicht bessert. Dann würde es jeder Heeker im Portmonnaie spüren.

Die Deutsche Umwelthilfe schlägt Alarm

Derweil schlägt auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Alarm. Aufhänger auch hier der Weltwassertag. Besonders Altmedikamente und Nitrat seien Gift für das Grundwasser und die Aufbereitung von Trinkwasser.

Sauberes Trinkwasser ist lebensnotwendig.

Sauberes Trinkwasser ist lebensnotwendig. © picture alliance / dpa

„Es besteht dringender Handlungsbedarf, um den Eintrag schädlicher Substanzen in Gewässer zu reduzieren. Deutschland gewinnt zwei Drittel seines Trinkwassers aus Grundwasser. Um unsere Gesundheit und die Artenvielfalt zu schützen, brauchen wir dringend ein verpflichtendes einheitliches Medikamenten-Sammelsystem in Apotheken“, stellt Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH klar.

Es gibt klare Regeln für die Müllentsorgung

Doch wie das mit den Altmedikamenten im Konkreten nachweisbar? Gab es dazu mal Messungen in der Dinkelgemeinde? „Diese Messungen gehören nicht zum Standardrepertoire im abwassertechnischen Labor, haben jedoch schon vereinzelt stattgefunden“, so Thorsten Meyer. Allerdings sei es schwierig zwischen eingenommen und ausgeschiedenen und gezielt in der Toilette entsorgen Medikamenten zu unterscheiden.

Dem ungeachtet sollten folgende Verhaltensregeln beim Entsorgen von Müll beachtetet werden – ganz im Sinne des Weltwassertages:

  • Abfall gehört nie in die Toilette.
  • Speisereste gehören in den Biomüll.
  • Feuchttücher und Windeln kommen in den Restmüll.
  • Altmedikamente können beim Schadstoffmobil abgegeben werden.
  • Auch viele Apotheken nehmen abgelaufene Medikamente zurück. Eine Pflicht dazu besteht aber nicht.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt