Wie Schulhündin „Funny“ den Unterricht an der Kreuzschule in Heek revolutioniert

mlzPilotprojekt

Funny ist ein vierjähriger Jagdterrier. Und seit einigen Wochen geht die Hündin einer neuen, wichtigen Aufgabe nach. Denn sie ist fester Bestandteil des Unterrichtes an der Kreuzschule.

Heek

, 05.12.2019, 18:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Neugierig läuft Jagdterrier Funny durch das Klassenzimmer. Die vierjährige Hündin schnüffelt mal hier, mal da. Immer wieder sucht sie den Kontakt zu den 22 Schülern der Klasse 7c von Lehrerin Nina Wilkes. Gerne bleibt Funny auch mal länger stehen, um sie ausgiebig streicheln zu lassen. Bellen? Fehlanzeige. Funny ist als Jagdhund sehr gut erzogen und seit einigen Monaten als Schulhund in der Sekundarschule im Einsatz.

Was vielleicht auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, hat einen tief greifenden pädagogischen Sinn. Denn ein Schulhund wird aktiv in die Gestaltung des Unterrichtes eingebunden. Funny ist dabei der Hund von Lehrerin Nina Wilkes. Einer von insgesamt neun Hunden, die die Lehrerin ihr Eigen nennt. „Funny ist von seiner Art und seinem Wesen aber am besten für diesen Job geeignet“, sagt sie.

Schulhund Funny hat einen positiven Einfluss auf die Schüler

Und die Wirkung, die Funny bei den Schülern hat, ist vielfältig. So werden beispielsweise introvertierte Kinder im Umgang mit dem Hund dazu ermuntert, das Gespräch mit andern Schülern zu suchen. Einfach, weil der Umgang mit Funny in der Gruppe die Kommunikation der Schüler untereinander fördert.

„Wenn ein Kind Stress hat, warum auch immer, merkt Funny das. Dann geht sie hin, legt den Kopf auf das Bein und spendet so Trost und beruhigt zugleich“, erklärt Nina Wilkes. Während einer Klassenarbeit entspanne Jagdterrier Funny zudem die Situation.

„Hund und Schüler haben sich total gut aneinander gewöhnt.“
Nina Wilkes

Hund und Schüler kennen die Spielregeln

Wichtig: Die Schüler sind jeweils nur für den Moment der Aufmerksamkeit des Hundes vom Unterrichtsgeschehen abgelenkt. Ansonsten sind sie konzentriert bei der Sache. Das wird auch beim Unterrichtsbesuch am Donnerstagmittag deutlich. „Hund und Schüler haben sich total gut aneinander gewöhnt“, so Nina Wilkes. Alle kennen die Spielregeln. Und wenn Funny mal ein bisschen Ruhe benötigt, bleibt sie auch mal einen Tag zu Hause.

Wie Schulhündin „Funny“ den Unterricht an der Kreuzschule in Heek revolutioniert

Schulhund Funny und die Schüler der Kreuzschule haben sich gut aneinandergewöhnt. © Nina Wilkes

Startschuss für Funnys „Mission“ war nach den diesjährigen Sommerferien. Doch bis es soweit war, galt es einige Hürden zu nehmen. Nicht nur Nina Wilkes und die Schulleitung, sondern auch für die Schüler selbst. Denn die Idee eines Schulhaustieres existierte schon länger in den Köpfen. Doch ganz so einfach wollte man es den Schülern seitens der Schule dann nicht machen.

Die Schüler setzten Erlerntes direkt um

Schulleiterin Martina John erklärt: „Die Schüler haben mir zahlreiche Briefe geschrieben, in denen sie argumentativ erläutert haben, warum gerade ein Schulhund eine tolle Sache wäre.“

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Der pädagogische Clou an der Sache: Einige Wochen zuvor leitete Martina John vertretungsweise den Deutschunterricht in der Klasse von Nina Wilkes. Das Thema lautete seinerzeit „argumentieren“. Und: „Die Schüler haben in den Briefen stark argumentiert“, so die Schulleiterin. Damit war die Entscheidung pro Schulhund und das Pilotprojekt gefallen.

Viele Vorschriften müssen bei einem Schulhund eingehalten werden

Das Ministerium für Schule und Weiterbildung in NRW listet in einer Handreichung jene Dinge auf, die aus rechtlicher Sicht erfüllt sein müssen, damit ein Schulhund zum Einsatz kommen darf. Dazu gehört als allererstes eine spezielle Ausbildung für Hund und Halter. Im Falle von Funny ist es die Jagdausbildung, die den Terrier zum Schuleinsatz befähigt.

Wie Schulhündin „Funny“ den Unterricht an der Kreuzschule in Heek revolutioniert

Wird es Hündin Funny mal zu viel oder ist sie müde, dann zieht sie sich auf ihr Kissen im Klassenzimmer zurück. Das Kissen wandern stets von Klasse zu Klasse, ist also immer da, wo Nina Wilkes gerade unterrichtet. © Nina Wilkes

„Ich selbst muss einen Sachkundenachweis liefern und besuche regelmäßig Seminare zu dem Thema“, erklärt Nina Wilkes. Obendrauf kommen ein Gesundheitszeugnis des Tierarztes für den Hund, Impfungen, eine Hunde-Haftpflichtversicherung und ein absolutes Bell-Verbot. Die Genehmigung selbst erteilt letztlich die Schulleitung.

Funny soll für alle Schüler zu Verfügung stehen

„Wir waren von der Idee von Anfang an begeistert. Wenn man jetzt sieht, wie es funktioniert, dann geht einem schon das Herz auf“, so Schulleiterin Martina John. In den Genuss von Funnys Aufmerksamkeit kommen derzeit jene Klassen, in denen Nina Wilkes unterrichtet. „Wir möchten das aber noch ausdehnen. Zum Beispiel in der Pause allen Kindern im Schulgarten die Möglichkeit geben, sich mit Funny zu beschäftigen.“

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Dass sich Funny außer in den Pausen, in denen viel „Verkehr“ auf den Fluren herrscht, ohne Leine frei bewegen darf, gewährleistet, dass die Hündin dorthin geht, wo sie „gebraucht“ wird. „Es ist total schön, wenn sie ankommt und man sie streicheln kann“, sagt Schüler Simon aus der 7c. Sein Kumpel Finn-Leo ergänzt: „Wir wünschen uns, dass Funny immer hier bleibt.“

Ob dem tatsächlich so kommt, wird sich noch zeigen. Das Pilotprojekt werde zu gegebener Zeit noch evaluiert, so Nina Wilkes. Doch die Anzeichen, dass es tatsächlich eine langfristige Geschichte wird, stehen aktuell mehr als gut.

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