Die Gemeinde Ascheberg will das bestehende Gewerbegebiet Ondrup durch ein Gewerbe- und Industriegebiet erweitern. © Gemeinde Ascheberg
Industriegebiet in Herbern

Anwohner starten Internetseite zu geplantem Industriegebiet in Herbern

Das geplante uneingeschränkte Industriegebiet hat die Anwohner in Herbern dazu veranlasst, eine eigenen Internetseite rund um das Thema ins Leben zu rufen. Möglichst viele Bürger sollen sich beteiligen.

Einige Anwohner, die mit dem neu entstehenden, uneingeschränkten Industriegebiet Ondrup in Herbern nicht einverstanden sind, haben eine Internetseite (h33.seite.info) ins Leben gerufen, über die sie die Herberner Bürger über die neuesten Geschehnisse rund um das Industriegebiet auf dem Laufenden halten wollen. Und den Bürgern fortlaufend alle nötigen Informationen bieten wollen, um ihre Sorgen, Kritik und Anregungen während der im April startenden Offenlegungsphase an die Gemeinde Ascheberg formulieren zu können.

Denn Anwohner wie Andreas und Irene Prudon, Ina Harenbrock und Philipp Röhnert sehen ihre Interessen als Anwohner durch die Gemeinde Ascheberg übergangen. Die Gemeinde habe sowohl gegen das gesetzlich vorgeschriebene Konfliktbewältigungsgebot (Anliegen der Anwohner bei Entscheidung über Industriegebiet) und auch gegen das Gebot der Rücksichtnahme verstoßen, so Harenbrock. Denn weder der Immissionsschutz noch ein Verkehrsgutachten seien Teil des Bebauungsplanes für das sogenannte Gebiet H33.

Anwohnern fehlt Zugehen der Gemeinde auf sie

In der Begründung hatte die Gemeinde argumentiert, dass man Abstände zur Wohnnutzung einhalte. So habe man etwa den Pflanzgebotsstreifen von 5 auf 10 Meter verbreitert. „Anlagen mit wesentlichem Störpotenzial sind ggf. unter Berücksichtigung von Abschirmungs- und Vermeidungsmaßnahmen zu verorten. Die Einhaltung rechtlicher Schutzkriterien ist in der Bau-/Anlagengenehmigung nachzuweisen.“

Und weiter: „In dem Bereich mit dem größten Abstand zu sensiblen Nutzungen wurden auch industrielle Nutzungen zugelassen, die u.a. Betriebe ermöglichen, deren Anlagen nach dem §4 BImSchG zu beurteilen sind.“ – das umfasst unter anderem Abfallbeseitigungsanlagen. Entscheidungen, zu denen die Gemeinde nach Ansicht einiger Anwohner zu wenig das Gespräch zu eben diesen gesucht habe. „Wenn ich weiß, das könnte Probleme geben, muss ich das diskutieren und lösen. Es ist nicht okay, das auf andere Behörden umzulagern“, sagt Ina Harenbrock. Denn die Gemeinde hatte beschlossen, dass das Einhalten von Immissionsschutzrichtlinien Sache der einzelnen Baugenehmigungen der zu entstehenden Betriebe sein solle. Somit würden wichtige Entscheidungen von der Gemeinde an Kreis und Bezirksregierung abgetreten, so Harenbrock.

Verkehr kann nicht durch einzelne Baugenehmigungen geregelt werden

Neben dem möglichen Lärm sorgt die Anwohner durch das nicht vorhandene Verkehrsgutachten vor allem der derzeit nicht abschätzbare Lkw-Verkehr, der dann rund um die Uhr in das Industriegebiet fahren könne, so Harenberg. Und der Verkehr könne schließlich nicht in einzelnen Baugenehmigungsverfahren geregelt, sondern müsse konzeptionell für das gesamte Gebiet erörtert werden. Die Gemeinde hatte auf ein derartiges Gutachten verzichtet und begründete dies wie folgt: „Zusätzliche Fahrzeugverkehre verteilen sich auf das umgebende Verkehrsnetz, sodass keine punktuell erheblichen Belastungswirkungen zu erwarten sind.“

Neben der Internetseite h33.seite.info plant Harenbrock eventuell auch Flugblätter, mit denen sie insbesondere die Anwohner an der Ranken-, Mersch- und Lindenstraße über das Thema aufklären will. Damit wolle sie jede Person dazu aufrufen, sich noch einmal zu dem Industriegebiet zu äußern. „Denn das scheitert in der Regel daran, dass man als Bürger die Fristen nicht so im Hinterkopf hat und das es manchmal schwierig ist, die Informationen im Bürgerinformationssystem zu finden.

Wir wollen plakativ die Fristen und die Möglichkeiten nennen“, so Harenbrock, die auf die Thematik auch nach unserer Berichterstattung vermehrt angesprochen worden sei. „Meine Hoffnung ist, dass sich mehr Leute mit ihren eigenen Bedenken dazu äußern, denn zu jeder Eingabe muss die Gemeinde auch Stellung beziehen.“ Und diese Eingaben müssten weder baurechtlich noch formaljuristisch einwandfrei sein.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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