Mit ausreichendem Abstand spielten die beiden Vollblutmusiker viele Lieder ihres Weihnachtsrepertoires vor den beiden Seniorenheimen. © Claudia Hurek
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Arbeitslose Berufsmusiker machen Senioren in Herbern große Freude

Was aus der (Corona-) Not heraus geboren wurde, kommt bei den Menschen so richtig gut an. Die Berufsmusiker Tim Berger und Jürgen Sartorius erfreuten nun die Bewohner von zwei Seniorenheimen

Tim Berger und Jürgen Sartorius, die wegen Corona aktuell keine Einnahmen haben, spielten am Mittwochnachmittag als das „Duo Christmas“ aus Spaß an der Freude vor dem Malteserstift St Benedikt und dem Altenheim St. Lambertus Weihnachtslieder für die Bewohner.

Die Idee, die beiden nach Herbern zu holen, hatte Stephan Heitbaum vom Verein Freie Wähler Ascheberg e.V. Schnell hatte er die Mitglieder des Vereins von seinem Gedanken überzeugt, den älteren Bürgern etwas Schönes in der Weihnachtszeit zu gönnen.

Musiker unterstützt, Senioren erfreut

Die beiden Musiker kennt Heitbaum seit längerem; Jürgen Sartorius ist mit der 2night Partyband bereits zweimal auf dem Frühlingsfest in Herbern aufgetreten. „So haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, so Stephan Heitbaum. „Wir haben den älteren Menschen eine Freude bereitet und gleichzeitig zwei Berufsmusiker in diesem gruseligen Jahr unterstützt.“

„Es ist wirklich gruselig und wir beide haben schon Existenzängste“, sagt Jürgen Sartorius. Mit Tim Berger, Musikerkollege und gleichzeitig bester Freund, tritt der Entertainer, Promoter und Musiker seit sechs Jahren gemeinsam auf. Entweder als „Gaudibuam“, stilecht in Krachledernen oder im Seemannsoutfit als kleinster Shanty Chor der Welt. „Wir haben uns auf der Cranger Kirmes in Herne kennengelernt und sind seitdem befreundet“, erzählt der gelernte Bäcker Tim Berger. „Da sind wir auf die Idee gekommen, ein gemeinsames Projekt zu starten.“

Mit viel Freude genossen die Bewohner des Malteserstiftes St. Benedikt Herbern an der offenen Tür das Open-Air-Konzert.
Mit viel Freude genossen die Bewohner des Malteserstiftes St. Benedikt Herbern an der offenen Tür das Open-Air-Konzert. © Claudia Hurek © Claudia Hurek

Nun zur Weihnachtszeit singen die beiden, wo und wann immer es möglich ist. So wie am Mittwochnachmittag auf den Vorplätzen der Seniorenheime in Ascheberg und Herbern.

In beiden Heimen warteten die Bewohner schon ungeduldig vor den geöffneten Fenstern der gemeinschaftlich genutzten Aufenthaltsräume. Für ihren Auftritt haben sich die Musiker in „weihnachtliche Schale“ geworfen und einen herkömmlichen Bollerwagen in einen Weihnachtswagen mit Kugeln, Tannengirlande und Beleuchtung verwandelt.

Der weihnachtliche Bollerwagen macht mit seiner Dekoration richtig was her.
Der weihnachtliche Bollerwagen macht mit seiner Dekoration richtig was her. © Claudia Hurek © Claudia Hurek

„Auf dem Wagen ist die Technik, die wir für unsere Auftritte benötigen“, sagt Sartorius, der nach seiner Ausbildung zum Vermessungstechniker schnell festgestellt hat, dass statt für trockene Zahlen und Fakten sein Herz doch eher für die Musik schlägt. Neben traditionellen Weihnachtsliedern wie Kling Glöckchen, Oh du fröhliche oder auch Oh Tannenbaum durfte die Weihnachtsbäckerei von Rolf Zuckowski oder Jingle Bells nicht fehlen.

Den älteren Herrschaften war die Freude über das gut einstündige Konzert deutlich anzusehen. „Wir haben eine Bewohnerin, die eigentlich nur in ihrem Stuhl sitzt“, so Nicole Fischer, Hausleiterin des Malteserstiftes St. Benedikt. „Selbst die ist aufgestanden und hat mit dem Popo gewackelt.“

Mitglieder haben Geld gespendet

Ebenso gut kam die Veranstaltung im Altenheim St. Lambertus in Ascheberg an. Alle Bewohner belohnten die einzelnen Lieder mit viel Applaus. „Da haben wir doch mit unserer Aktion alles richtig gemacht“, sagt Stephan Heitbaum. „Unsere Mitglieder haben Geld gespendet, um diese Aktion möglich zu machen.“

Für die beiden Berufsmusiker stehen noch einige Auftritte in diesem Jahr an. Selbstverständlich alle nach den Corona-Vorschriften. Die spielen in Gärten, vor Seniorenheimen oder in Garageneinfahrten. „Wir müssen ganz klar sagen, dass der Verdienst, den wir hier erzielen, deutlich geringer ist als der in ‚normalen‘ Zeiten“, sagt Jürgen Sartorius. „Unseren Lebensunterhalt können wir davon nicht bestreiten. Eigentlich ruht momentan alles. Einzahlungen in Lebensversicherungen oder in die Altersvorsorge sind nicht möglich und ruhen. Kreditraten sind gestundet.“

Wer immer die beiden unterstützen und einen ganz persönlichen Auftritt (dieser findet ausschließlich im Freien statt) buchen möchte, kann sich unter mail@juergensartorius.de oder Tel. (02305) 9003569 an das Duo Christmas (auch auf Facebook oder Instagram) wenden. Über die Kontaktdaten ist ebenfalls eine CD mit den 24 schönsten Weihnachtsliedern erhältlich.

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Redaktion Werne
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