Ausgefallene Jacobi-Kirmes: „Da hat mir ein bisschen das Herz geblutet“

mlzJacobi-Kirmes Ascheberg

Vergangenes Wochenende hätte eigentlich die Jacobi-Kirmes stattgefunden. Das Coronavirus kam dazwischen. Wir haben mit Aschebergern gesprochen, wie sie das Wochenende (fast) ohne Kirmes erlebt haben.

Ascheberg, Herbern

, 28.07.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Ascheberger war es wohl, wenn auch nicht überraschend, eine der traurigsten Nachrichten des Jahres: Wegen der Corona-Pandemie konnte die Jacobi-Kirmes, die eigentlich am vergangenen Wochenende die Ascheberger Innenstadt unter Beschlag genommen hätte, nicht stattfinden.

Das hat die eingefleischten Kirmesgänger aber nicht davon abgehalten, ihre Kirmes trotzdem auf die ein oder andere Weise stattfinden zu lassen. „Ein Sommer in Ascheberg ohne Kirmes?“, fragte die Kolpingsfamilie, die normalerweise den Weinstand auf der Jacobi-Kirmes betreibt. Das sei unvorstellbar. Deshalb hatte sie gemeinsam mit der Gemeinde schon vor Wochen die Aktion „Kirmes DAHeim“ auf den Weg gebracht.

Die Kirmestüten der Kolpingsfamilie waren schnell ausverkauft

Die Kirmestüten, die die Kolpingsfamilie mit Lebkuchenherzen samt Kirmes-Logo, Popcorn, gebrannten Mandeln und Wein anboten, um den Aschebergern zumindest für Zuhause ein wenig Kirmesflair anzubieten, waren schon nach wenigen Wochen ausverkauft.

Doch auch drumherum wurde die Kirmes alternativ gefeiert. Etwa, um den sogenannten Zehnkampf (darunter Dosen werfen, Pfeile werfen, Enten angeln und Schießen), zu dem sich die Ascheberger Kegelclubs normalerweise am Kirmessonntag treffen, privat aufleben zu lassen.

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Für andere war die Kirmestüte ein kleines Trostpflaster, aber auch eine traurige Erinnerung an die ausgefallene Kirmes. „Erst ist mir gar nicht aufgefallen, dass eigentlich Kirmes gewesen wäre“, sagt Julia Kimmina, als sie am Wochenende mit dem Auto durchs Dorf fuhr, wo zu dieser Zeit eigentlich Fahrgeschäfte, Bierstände und Menschenmengen die Straßen gefüllt hätten.

Doch als am Samstag die Kirmestüten von der Kolpingsfamilie ausgeteilt wurden, sah das schon wieder ganz anders aus: „Als wir dann die Tüten ausgepackt haben mit Weinflasche, Glas, gebrannten Mandeln und Popcorn und die Kinder ihr Spielzeug hatten, da hat mir dann schon das Herz geblutet“, sagt Kimmina.

„Backfisch von Fisch Wenning gehört einfach dazu“

Am Kirmesmontag (27. Juli) hat sie dann gemeinsam mit ihrer Familie noch Backfisch von Fisch Wenning geholt. „Das gehört einfach dazu“, sagt die Aschebergerin. Und weil ihre Kirmestüten-Bestellungen unter den ersten 100 waren, gab es von der Kolpingsfamilie noch Fahrchips für den Autoscooter und für die Kinder für das Kinderkarussell oben drauf.

Schwager Bernd Kimmina hat das Wochenende genutzt, um sich mit seinen Nachbarn in deren Weinlaube zusammenzusetzen - „in kleiner Runde“, sagt der Ascheberger. „Es war gemütlich mit den Nachbarn, aber die Kirmes hat auf jeden Fall gefehlt.“ Dass die noch einmal ausfalle, das müssen nicht öfter sein, sagt Kimmina und muss ein bisschen lachen.

Jan Boeldicke - hier mit Tochter Fiene - kommt für die Jacobi-Kirmes eigentlich regelmäßig zurück in seine Heimat Ascheberg. Um dieses Event plant Boeldicke auch seinen Urlaub.

Jan Boeldicke - hier mit Tochter Fiene - kommt für die Jacobi-Kirmes eigentlich regelmäßig zurück in seine Heimat Ascheberg. Um dieses Event plant Boeldicke auch seinen Urlaub. © Jan Boeldicke

Für viele ist die Jacobi-Kirmes das Jahresereignis. Auch, wenn sie schon längst nicht mehr in Ascheberg wohnen und dafür extra wieder zurück in die Heimat kommen. So ist das auch der Fall bei Jan Boeldicke, der heute in der Grafschaft Bentheim nördlich von Ascheberg an der niederländischen Grenze wohnt.

„Die Kirmes hat einen hohen Stellenwert“, sagt der gebürtige Ascheberger. „Der Urlaub wird drum rum geplant. Samstags und Sonntag sind fest eingeplant. Samstags wird zuerst die Kirmes mit den Kindern und eigenen Eltern besucht und später am Abend dann Freunde getroffen. Sonntags geht es wie üblich mit dem Kegelklub um die Kirmesolympiade.“ Stattdessen habe er Zeit mit der Familie gebracht und einen Ausflug nach Lingen an der Ems unternommen.

Im letzten Jahr habe er sich sehr gefreut, als ehemaliges Mitglied der Feuerwehr den Montag mit den Kameraden verbringen zu dürfen. „Das die Kirmes nicht stattfinden wird, war relativ früh klar, sodass die Enttäuschung gering war, die Vorfreude für das nächste Jahr aber gesteigert hat.“

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