Beerdigungen in Zeiten der Corona-Krise: „Man muss jetzt mit der Situation umgehen“

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Michael Goßheger ist Bestatter in Herbern. Auch sein Job wird von der Corona-Krise beeinflusst. Nämlich dann, wenn es darum geht, einen Verstorbenen beizusetzen.

Herbern

, 24.03.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt derzeit wohl kaum einen Lebensbereich, der durch das sich ausbreitende Coronavirus in Deutschland nicht beeinträchtigt wird. Gastronomien müssen seit Montag geschlossen bleiben und dürfen ihre Speisen nur noch außer Haus anbieten. Nicht-lebensnotwendiger Handel darf seit vergangener Woche nicht mehr in den Verkaufsstellen betrieben werden. Versammlungen von mehr als zwei Personen, die nicht zu einem Haushalt gehören, sind seit Montag, 23. März, verboten.

Auch vor dem Bestatten von Toten hat das Virus keinen Halt gemacht: Drei Bestattungen hatte Bestatter Michael Goßheger aus Herbern, seitdem vergangene Woche angeordnet wurde, dass Beerdigungen nur noch im kleinsten Familienkreis von bis zu 20 Personen und mit entsprechendem Sicherheitsabstand zueinander stattfinden können.

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„Eine war etwas größer geplant, mit 200 bis 300 Gästen. Die musste dann reduziert werden auf 20 Personen“, sagt der Bestatter. Eine weitere sei sowieso im Kreise der Familie geplant gewesen. Die dritte, die habe man ebenfalls reduzieren müssen. „Das ist für die Leute unangenehm“, sagt Goßheger. Andere Trauergäste verzichteten aber auch von sich aus auf den Besuch der Beerdigung.

Wenn die Angehörigen zum Telefon greifen, um mit Goßheger über die anstehende Beerdigung zu sprechen, dann seien sie meist schon gut über die aktuelle Lage informiert. Darüber, dass die Besprechung mit dem Bestatter nur im kleinsten Kreis stattfinden kann. Über den Sicherheitsabstand und die Personenanzahl, aber auch darüber, dass die Beerdigungen möglichst nur im Freien stattfinden sollen. Auf die Trauer- oder Friedhofshalle soll laut dem Bistum Münster nur unter widrigem Wetter zurückgegriffen werden.

Zehn Tage bleiben, bis der Verstorbene beerdigt sein muss

Zehn Tage haben die Angehörigen Zeit, um ihr verstorbenes Familienmitglied beizusetzen, wenn es sich um eine Erdbestattung handelt. Sechs Wochen sind es bei einer Feuerbestattung. Nachträgliche Änderungen in der Bestattungsart habe es durch die Corona-Krise aber nicht gegeben.

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„Bei unserer Arbeit hat sich nichts verändert, nur dass die Bestattungen jetzt halt draußen stattfinden“, sagt Goßheger. Er arbeitet in dem Bestattungsunternehmen gemeinsam mit seinem Sohn Florian. Dazu kommen noch zwei Aushilfskräfte. „Die Situation ist nicht schön, weil man ja nicht so aufbahren kann, wie man das normalerweise macht. Alles ist reduziert“, sagt Goßheger. Auch das Händeschütteln falle natürlich weg.

„Wir müssen jetzt mit der Situation umgehen“, sagt Goßheger. „Es bleibt uns ja nichts anderes übrig.“

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