„Am Samstag war es sehr mau“: Benediktus-Kirmes hält nicht mal mehr die Öffnungszeiten ein

mlzKirmes in Herbern

Die Kirmes-Eröffnung fand ohne Besucher statt. Viele kamen auch am Samstag nicht. Die Schausteller halten noch immer an ihr fest, für einzelne Besucher ist sie eine „peinliche Veranstaltung“.

Herbern

, 14.07.2019, 15:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war alles bestens vorbereitet. Der verführerische Duft von Mandeln, Zuckerwatte, Pizza und gebratenen Champignons zog über die Talstraße. Die Piratenbar auf dem Amtsplatz hatte aufgrund der Wettervorhersage überdachte Sitzplätze für die durstigen Besucher vorbereitet. Ein riesiger Sandhügel wartete auf buddelfreudige Kinder. Nur leider fehlten die Besucher.

Als der stellvertretende Bürgermeister Bernhard Pettendrup am Freitag (12. Juli) pünktlich um 17 Uhr die Herberner Benediktus-Kirmes eröffnete, tat er dies ausschließlich im Beisein von einigen Ratsvertretern von SPD, CDU und UWG sowie Mitarbeitern aus der Verwaltung. Für Fachbereichsleiter Thomas Stohldreier war es die erste Kirmes-Eröffnung in Herbern. „Ich bin schon ziemlich gespannt, wie das hier so wird.“

„Am Samstag war es sehr mau“: Benediktus-Kirmes hält nicht mal mehr die Öffnungszeiten ein

Der stellvertretende Bürgermeister Bernhard Pettendrup eröffnete die Kirmes am Freitag im Beisein von Ratsmitgliedern und Verwaltungsmitarbeitern. © Claudia Hurek

Die freudige Erwartung der Schausteller, die am Freitag noch zu spüren war, verwandelte sich am Sonntag (14. Juli) in Resignation – verbunden mit der Frage, was hier falsch läuft. Und trotzdem wollen die Schausteller, die noch da sind, irgendwie an der Kirmes festhalten.

Das sagen die Schausteller:

„Es ist doch alles hier, was ein kleiner Ort wie Herbern braucht“, sagt die Dame vom Pizzawagen. „Ich habe mir gedacht, ich versuche das einfach mal“, sagt Adolf Christian Hortz. Seit zwei Jahren kommt er mit seinem „Entenangeln“ nach Herbern und ist „ganz zufrieden“. „Die Kirmes gehört doch hier mit zum Kulturgut und sollte unbedingt erhalten bleiben.“

Woran liegt es also, dass die Herberner scheinbar kein Interesse mehr an ihrer Kirmes haben? Hatten sich doch bei einer Umfrage während des Kartoffelfestes im Jahr 2013 rund 65 Prozent von mehr als 700 Befragten für den Erhalt der Kirmes ausgesprochen.

„Freuen uns schon auf die Kirmes in Davensberg“

Besucherin Sara Schwienhorst aus Ascheberg sagt an diesem Wochenende: „Mir fehlt der Backfisch. Für den bin ich sonst nach Herbern gefahren und dann sind wir natürlich auch über die Kirmes gebummelt. Jetzt komme ich tatsächlich nur, weil meine beiden Töchter gerne kommen wollten.“

Neben dem bei vielen Kindern und Jugendlichen beliebten Autoscooter luden ein Kinder- sowie ein 3D-Fahrgeschäft ein. Ihre Zielsicherheit konnten die Besucher beim Luftballonschießen oder beim nagelneuen Wurfspiel mit Plüschratten unter Beweis stellen.

„Am Samstag war es sehr mau“: Benediktus-Kirmes hält nicht mal mehr die Öffnungszeiten ein

Das 3D-Fahrgeschäft. © Claudia Hurek

Celina Derleh (21), Kirmesfrau in der vierten Generation, betreibt diese Neuheit gemeinsam mit ihrem Ehemann. Hier muss versucht werden, mit kleinen Plüschratten die an der Rückwand befestigten Fallen auszulösen.

Ihr Fazit am Sonntagmittag lautet: „Der Freitag war relativ gut besucht, am Samstag war es sehr mau. Ich bin gespannt, wie es heute wird und dann freuen wir uns schon auf die Kirmes in Davensberg.“

„Peinliche Veranstaltung endlich abschaffen“

Freitagabend hatten bereits um 22 Uhr alle Geschäfte „ihre Schotten dicht“. Allein an der Piratenbar war noch ein bisschen was los. Auch am Samstag herrschte Besuchermangel.

Eine Besucherin, die namentlich nicht genannt werden möchte, war der Meinung, „dass man diese peinliche Veranstaltung doch endlich abschaffen sollte“. Aber für wen ist es peinlich? Für die Schausteller, die da sind, oder für die Besucher, die nicht da sind?

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Am Sonntag eröffneten viele der Schausteller ihre Geschäfte, statt wie offiziell angekündigt um 11 Uhr, erst gegen 13 Uhr. Wie bereits im vergangenen Jahr werden viele von ihnen gegen 18 Uhr mit dem Abbauen anfangen. Für wen sollen sie ihre Buden auch bis 24 Uhr geöffnet lassen?

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