Bürgermeister Bert Risthaus: „Mit unserem Nofallsystem haben wir Vorsorge getroffen“

mlzBedrohung von Amtsträgern

Ein Waffenschein für den Bürgermeister: Die Idee aus Kamp-Lintfort sorgte für Diskussionen. Dr. Bert Risthaus, Bürgermeister von Ascheberg, sieht sich nicht bedroht. Dennoch gibt es ein Notfallsystem.

Ascheberg, Herbern

, 20.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um sich besser vor Hetze und Rechtsextremismus zu schützen, hatte Christoph Landscheidt, Bürgermeister von Kamp-Lintfort, einen Waffenschein beantragt. Mittlerweile hat er den Antrag zurückgezogen. Eine Debatte zur Sicherheit von Kommunalpolitikern löste der Antrag dennoch aus.

„Es ist eine ganz traurige Entwicklung, wenn ein Amtskollege glaubt, dass ein Waffenschein die Lösung sein könnte. Ich habe zum Glück noch nie ansatzweise über so etwas nachdenken müssen“, erklärt Dr. Bert Risthaus (48).

Persönliche Beleidigungen im Beschwerdebrief

Der Bürgermeister von Ascheberg wurde nach eigenen Angaben noch nie bedroht oder gar körperlich angegriffen. „Ich wurde in der Vergangenheit äußerst selten persönlich beleidigt. Und wenn doch, dann passierte das nie von Angesicht zu Angesicht, sondern zum Beispiel in einem Beschwerdebrief“, erzählt Risthaus. Er sei sehr dankbar, dass er in einer sehr freundlichen und friedlichen Gemeinde lebe und arbeite.

Allerdings verzeichnet die Gemeindeverwaltung immer mal wieder verbale Bedrohungen und Beleidigungen. Diese kämen vor allem im Jobcenter und im Sozialamt vor. Aber auch Hausmeister in Schulen seien schon beleidigt oder bedroht worden, so Risthaus. Das gelte auch für den Bereich der Flüchtlingshilfe.

Notfallsystem in der Gemeindeverwaltung

Dies führte in der Vergangenheit bereits zu Hausverboten oder zu Strafanzeigen. „Ich möchte da nicht dramatisieren, aber auch nichts unter den Tisch kehren. Wenn es zu solchen Vorkommnissen gegenüber Verwaltungsmitarbeitern kommt, dann müssen wir darüber sprechen“, erklärt der Bürgermeister nachdrücklich.

Um sich vor brenzligen Situationen zu schützen, gäbe es im Jobcenter und im Sozialamt ein Notfallsystem. Jeder Mitarbeiter verfügt laut Risthaus über einen Alarmknopf.

„Der Respekt nimmt ab“

„Wir haben Vorsorge getroffen. Deshalb mache ich mir keine Sorgen. Mit der Situation jetzt bin ich zufrieden. Wir müssen aber auch daran arbeiten, dass es so bleibt und nicht eskaliert“, sagt der Bürgermeister und weiter: „Leider sehen wir, dass der Respekt abnimmt - zum Beispiel gegenüber Hausmeistern an Schulen oder in unseren Flüchtlingsheimen.“

Den Wunsch des Bürgermeisters aus Kamp-Lintfort nach einem Waffenschein könne er nachvollziehen, so Risthaus: „Wenn die Bedrohung gegen das eigene Leben oder das der Familie geht, dann kann ich verstehen, dass man alle Mittel zu Rate zieht. Es ist eine so dramatische Situation, die niemand gut aushalten kann. Aber ob ein Waffenschein das richtige Mittel ist, weiß ich nicht.“

Es sei aber auch klar, dass der Staat nicht jeden Bürgermeister und Kommunalpolitiker schützen kann.

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