Bert Risthaus über seine schwerste Zeit im Amt: „Das hätte ich mir mein Leben lang nicht verziehen“

mlzBürgermeister Ascheberg

Bert Risthaus ist in sein letztes Jahr als Aschebergs Bürgermeister gestartet. Er ist zufrieden. Doch es gab auch Zeiten, die stark an seinen Nerven zerrten - und an seiner Gesundheit.

Ascheberg

, 21.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Wandel steht in der Ascheberger Politik an. Nach elf Jahren macht Dr. Bert Risthaus Schluss. Er will nicht zur Kommunalwahl 2020 antreten. Im Rückblick verrät Risthaus, dass zwei Jahre seiner Amtszeit besonders schwierig waren.

„Das zerrte an meinen Nerven und war wirklich heftig“, sagt Risthaus, wenn er an 2015 und 2016 zurückdenkt. Jahre, in denen unvorhersehbare Aufgaben auf die Gemeinde zukamen.

Gemeinde Ascheberg kam 2015 und 2016 an ihre Grenzen

Ein Investor sprang für ein groß angekündigtes Glasfaserprojekt ab, die Nachfrage nach Kita-Plätzen stieg, ein Gasbohr-Projekt von Hamm-Gas wurde abgelehnt und die Unterbringung vieler Flüchtlinge prägten Ascheberg 2015 und 2016. Die Gemeinde kam an ihre Grenzen - und ging zum Teil darüber hinaus.

Im Oktober 2015 stellte die Gemeinde Ascheberg eine Überlastungsanzeige an die Bezirksregierung Ascheberg wegen der Zuweisung von vor Ort nicht mehr unterzubringenden Flüchtlingen.

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„Als die Leute in immer mehr Bussen kamen, dachten wir, wir können nicht mehr“, sagt Risthaus. In der Spitze nahm die Gemeinde Ascheberg 450 Flüchtlinge auf. „Und dann kam Ende 2016 noch der absolute Tiefpunkt hinzu“, so Risthaus.

Mit viel Einsatz kämpfte man jahrelang für eine Profilschule in Ascheberg, die 2011 mit fünf Klassen an den Start ging. Im Dezember 2016 folgte dann aber der Beschluss, die Profilschule bis 2022 aufzulösen. Die harten Jahre zehrten aber nicht nur an der Gemeinde, sondern auch an Risthaus selbst.

Stress führte zu gesundheitlichen Problemen bei Risthaus

Der Stress führte zu gesundheitlichen Problemen: Ein Hörsturz machte Risthaus lange zu schaffen. „Aber ans Aufgeben habe ich nie gedacht“, sagt Risthaus. „Ich hätte mir mein Leben lang nicht verziehen, wenn ich als Kapitän von Bord gegangen wäre.“ Also blieb er - und führte sein Schiff wieder in ruhige Gewässer.

„Wir haben in dieser Zeit gezeigt, wie stark der Öffentliche Dienst und das Ehrenamt sind“, so Risthaus. „Wir sind schneller und stärker als einige Unternehmen und haben das Beste aus dieser Extremsituation gemacht.“

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Mittlerweile hat sich die als „Flüchtlingskrise“ betitelte Situation beruhigt, Ascheberg ist die Gemeinde, die am schnellsten mit flächendeckendem Glasfaser ausgestattet war und hat weitere Kitas gebaut.

„Ich gehe jetzt nicht so mittendrin, mein Nachfolger wird gut darauf aufbauen können“, sagt Risthaus. Und auch wirtschaftlich steht die Gemeinde Ascheberg gut dar - so gut wie nie zuvor sogar, wie der Haushaltsüberschuss 2020 zeigt.

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