„Ja dann ist das so“ – Corona-Hotline lässt Herberner Arbeitgeber auf verlorenem Posten

mlzGroßhochzeit in Hamm

Das Kitakind einer Mitarbeiterin von Heinz Hirsch aus Herbern ist in Quarantäne, die Mutter selbst soll arbeiten gehen. Weder Gesundheitsamt noch Corona-Hotline helfen Arbeitgeber und Mutter.

Herbern, Ascheberg

, 22.09.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heinz Hirsch versteht die Welt nicht mehr. „Wie kann es sein, dass wir darauf als Bürger achten sollen und hier muss jetzt eine Entscheidung her und die Frau kann überall hin und könnte so viele Menschen anstecken?“

Wovon der Arbeitgeber und Prokurist der gleichnamigen Firma aus Herbern spricht, ist der Fall einer seiner Mitarbeiterinnen, die in Hamm wohnt: Am Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr bekam die Frau einen Anruf der Kindertageseinrichtung ihres Sohnes in Hamm, dass eine der Erzieherinnen positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Wie die Pressestelle der Stadt Hamm mitteilte, steht die Erzieherin im Zusammenhang mit der Großhochzeit, bei der sich am ersten Septemberwochenende in Hamm bisher 86 Personen nachweislich mit Corona infiziert haben.

50 unbeantwortete Anrufe beim Gesundheitsamt

Was darauf für die Mitarbeiterin von Heinz Hirsch folgte, gleicht einer Odyssee: Nach 50 unbeantworteten Anrufen am Montag verteilt über sechs Stunden, weil sie keine ordnungsbehördliche Anordnung zur Quarantäne erhalten hatte, meldete sich das Gesundheitsamt am Montagnachmittag bei der Mutter zurück. „Das Gesundheitsamt hat mir die Auskunft gegeben, dass mein Kind in Quarantäne bleiben muss.“ Ihre beiden anderen schulpflichtigen Kinder müssen ebenfalls Zuhause bleiben. Und: Dass die Elternteile, eines mit den Schulkindern, das andere mit dem Kitakind, nun getrennt voneinander in einem Haushalt leben sollten.

Daraufhin habe sich ihr Mann bereit erklärt, die Kinder zu Hause zu betreuen. Und sie selbst? „Ich habe mich mit meinem Chef in Verbindung gesetzt, der mich dann gefragt hat, ob ich mich ein paar Tage krank schreiben lassen kann.“ Hirsch: „Wir müssen ja immer in der ersten Situation von dem Schlimmsten ausgehen und ich habe ja auch eine Fürsorgepflicht für die anderen Mitarbeiter.“

Doch der Anruf beim Hausarzt ist ernüchternd: Die Sprechstundenhilfe habe ihr lediglich gesagt, dass der Arzt sie nicht krankschreiben könne, sie auch nicht testen wolle und sie weiter arbeiten gehen solle, bis das Testergebnis ihres Kindergartenkindes da ist. Das ist allerdings noch gar nicht getestet worden. Vom Gesundheitsamt habe die Familie die Anweisung erhalten, auf den Anruf zu warten, dass ein Mitarbeiter zu der Familie nach Hause kommt, um das Kindergartenkind zu testen.

Arbeitgeber und Mitarbeiterin hängen in der Luft

Daraufhin machte sich ihr Arbeitgeber Heinz Hirsch bei der landesweiten Corona-Hotline schlau, wie er nun weiter mit der Situation umgehen kann. Da hatte es dann geheißen, dass man auch nicht mehr machen könne, als das Gesundheitsamt der Mitarbeiterin bereits erklärt hatte. „Ein Vorgesetzter wollte dann mit mir nicht die Gesetzeslage diskutieren“, so Hirsch. Bei der Landeshotline sagte Hirsch dann Folgendes: „Wenn sich herausstellt, dass meine Mitarbeiterin positiv ist, dann kann ich den Betrieb schließen“, sagt Hirsch. Die Antwort des Hotline: „Ja dann ist das so“, zitiert Hirsch.

Dass er und seine Mitarbeiterin so in der Luft hängen gelassen werden, ärgert den Arbeitgeber: „Die ganze Situation ist einfach nicht ordentlich durchdacht. Es wird gesagt, dass wir uns gegenseitig schützen sollen, und hier lässt uns ein Paragraph ganz schön im Stich. Das Gesundheitsamt handelt strikt nach Anweisungen, die man gar nicht versteht“, so Hirsch. Und wer sei letztendlich rechtlich verantwortlich, wenn sich durch diesen Fall einer seiner Mitarbeiter infiziere? Home Office ist für Hirschs Mitarbeiterin derweil keine Lösung, da das Herberner Unternehmen als Zulieferer für Baumarktketten arbeitet und auch einen eigenen Onlinehandel und Shop betreibt.

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