Eine Frau wird gegen Corona geimpft. Geimpfte könnten schon bald von der Testpflicht befreit werden. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Corona-Impfung in Herbern

Corona-Impfstart Ascheberg: Nachfrage deutlich höher als Impf-Angebot

Die Hausarztpraxen von Dr. Bernhard Lohmann und Frank Matthies sind zwei in der Gemeinde, die nun mit den Corona-Impfungen der Menschen starten. Dabei gibt es eine Reihenfolge.

35.000 Arztpraxen in Deutschland haben sich bereit erklärt, sich an den Coronaschutzimpfungen der Bürger zu beteiligen und so das Impftempo in Deutschland voranzutreiben. Auch wenn die Impfmenge pro Praxis mit rund 20 Dosen erst einmal überschaubar ist, wie der Deutsche Hausärzteverband kritisiert. „Das ist etwas, worüber wir nicht ganz glücklich sind“, erklärte Verbandschef Ulrich Weigelt am Dienstag gegenüber dem rbb.

Pilotpraxen, die seit März impfen, hätten in der Routine 60, 70 – auch um 100 – Patienten in der Woche gut impfen können, sagte er. Er erwarte aber, dass die Hausarztpraxen zeitnah deutlich mehr Impfdosen bekommen. So viel, dass die Impfzentren aus Sicht des Hausärzteverbandes irgendwann überflüssig werden könnten.

Auftakt mit 60 Impfdosen pro Woche in Herberner Praxis

In Herbern geht das Impfen in diesen Tagen los. Am Mittwochmittag (7. April) hat etwa die gemeinschaftliche Hausarztpraxis von Dr. Bernhard Lohmann in Herbern die ersten rund 60 Impfdosen von Biontech-Pfizer über die Apotheken bezogen. Am Mittwoch und am Donnerstag dann sollen so schnell wie möglich alle bettlägerigen Personen gegen das Coronavirus geimpft werden. Danach will die Arztpraxis zum einen bezogen auf das Alter weiterimpfen, aber auch bezogen auf die Krankheitsgeschichte eines jeden Patienten. „Ein 45-jähriger Lungenkranker wird vor einem gesunden 71-Jährigen geimpft“, so Lohmann.

Die nächste Charge Impfstoff wurde der Praxis auch schon für den kommenden Dienstag angekündigt. Wöchentlich soll die Praxis mit neuen Dosen beliefert werden. Dies müsse aber nicht immer zwingend Biontech-, sondern könne auch Astrazeneca-Impfstoff sein, worauf die Praxis keinen Einfluss habe. Wäre mehr Impfstoff vorrätig, sei die Praxis sogar in der Lage, sofort eine Impfstraße im zugehörigen Nebengebäude der Praxis aufzubauen, erklärt der Arzt. „Wir könnten schon 50 bis 100 Patienten am Tag impfen. Aber den Impfstoff haben wir nicht.“

Bund kündigte 70 Millionen Dosen im zweiten Quartal an

Bereits im Februar hatten die ersten Patienten nach Impfdosen in der Praxis gefragt, so Lohmann. Mit der Terminvergabe habe man dann Ende März begonnen. „Da richten wir uns immer nach den Impfungen“, so der Allgemeinmediziner. Wer Interesse an der Coronaimpfung hat, denn bittet Bernhard Lohmann, sich in der Praxis für einen Termin zu melden (Tel. 02599/697). Neupatienten würden ebenso berücksichtigt wie Bestandspatienten.

Auch in der Praxis von Frank Matthies, Facharzt für Innere Medizin und hausärztliche Versorgung in Ascheberg, wurden die ersten Impfungen am Mittwoch verabreicht. Die Praxis impft der Impfverordnung zufolge zunächst die Über-80-Jährigen, darauf folgen die Über-70-Jährigen und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen (Gruppe 2). „Es ist extrem schwierig zu bemessen, wer es nötiger hat“, sagt Matthies. 48 Impfdosen hat die Praxis in dieser Woche geliefert bekommen, die bis einschließlich Freitag verimpft werden sollen. Auch die nächste Lieferung für kommende Woche ist bereits angekündigt. Anders als in der Praxis von Dr. Lohmann führt die Praxis von Dr. Erfmann und Matthies eine Liste über die Impfinteressenten und vergibt keine Termine.

Denn die Praxen könnten zwar bis zu 50 Dosen bestellen, aber dass die dann auch geliefert würden, sei nicht garantiert. Um also zu verhindern, dass Termine wegen geringerer Lieferungen abgesagt werden müssen, werden die Patienten von der Impfliste jeweils kurzfristig bei Impfstoffverfügbarkeit angerufen. In dieser und der kommenden Woche seien Biontech-Pfizer-Dosen angekündigt worden, so Matthies. Doch auch Astrazeneca sei künftig denkbar. Moderna, so Matthies Einschätzung, spiele wohl eine eher geringere Rolle. Und andere Präparate wie das von Johnson&Johnson aus den USA seien noch nicht ausreichend verfügbar.

500 Patienten haben sich bereits in Ascheberger Praxis gemeldet

Circa 500 Patienten hätten sich bereits wegen einer Impfung in der Praxis gemeldet, so Matthies. Während einige sich mit einem Anruf begnügten, versuchten es andere mehrmals. Doch das bringe nichts, so Matthies. Vielmehr stünden die 4 Leitungen in der Praxis derzeit kaum still. Eine Bitte daher von Matties, auch wenn er den Wunsch nach einer Impfung verstehe: „Die Jüngeren ohne relevanten Vorerkrankungen würden uns die Arbeit erleichtern, wenn sie mit der Anmeldung noch warten. Wir gehen sowieso nach Priorität vor.“

Am Dienstagabend um 19 Uhr habe Matthies die letzte Arzthelferin nach Hause geschickt und die letzten beiden Impfberechtigten auf der Liste der Praxis selber telefonisch kontaktiert. „Die meisten waren relativ spontan, ein paar haben wir vergeblich angerufen.“ Andere wiederum seien bereits geimpft worden. Von 23 Angerufenen hatten am Mittwoch 18 einer Impfung zugestimmt. Über-80-Jährige, die noch nicht in einem Impfzentrum geimpft wurden und die von der Praxis nicht erreicht wurden, können sich in der Praxis gern für die Impfliste melden.

Vorrangig Bestands-Patienten

Hier werden vorrangig die Bestandspatienten geimpft sowie neu Zugezogene, die bisher keinen Hausarzt haben. Andere Interessenten bittet Matthies, sich zunächst an den eigenen Hausarzt zu wenden. Dr. Lohmann und Matthies hoffen, dass die Zweitimpfungen auch rechtzeitig geliefert werden, so wie es angekündigt worden sei.

Im zweiten Quartal sollen bundesweit insgesamt 70 Millionen Dosen zur Verfügung stehen. Allein im April werden mehr als 15 Millionen Dosen hierzulande erwartet. Und damit mehr, als im gesamten ersten Quartal gespritzt wurden, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erläuterte.

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Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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