In Herbern ist vergangenes Wochenende Anti-Impf-Propaganda mit kruden Verschwörungstheorien aufgetaucht. © (A) Hurek/Montage
Corona-Pandemie in Herbern

Corona-Leugner: Großflächige Anti-Impf-Propaganda in Herbern aufgetaucht

Eine große Menge an Anti-Impf-Flugblättern hat diese Woche Herbern in Aufruhr versetzt. Unbekannte hatten mit Verschwörungstheorien gegen die Corona-Impfung gewettert.

Als viele Herberner vergangenes Wochenende zu ihren Briefkästen gingen, um die Post ins Haus zu holen, haben sie wohl alles erwartet: die Zeitung, Post von Freunden oder Rechnungen. Aber viele hatten noch einen Einwurf mehr im Briefkasten: Unbekannte haben offenbar in der Nacht von Freitag (15. Januar) auf Samstag Anti-Impf-Propaganda in die Briefkästen zahlreicher Herberner eingeworfen. Bei wie vielen Herbernern dieses Schreiben gelandet ist, darüber lässt sich nur spekulieren.

Ein Herberner schrieb unserer Redaktion nach Rücksprache mit Bekannten, dass es offenbar „großflächig im Ort verteilt“ wurde. Auf einem bunten und einem weißen Blatt Papier nutzt der Impfleugner in kryptischer Weise ausgedachte Zitate wie „Der Gen-Impfstoff wird sicher, wirksam und gut erprobt“, um dann davor zu warnen, dass ein gentechnischer Eingriff die Erbsubstanz dauerhaft verändere, ebenso wie die eigene Identität. Eine Schlussfolgerung, die auch in den sozialen Netzwerken in Herbern für Häme sorgt. „Was soll denn bitteschön ein ‚Gen‘-Impfstoff sein?“, schreibt dort ein Nutzer. Andere tauschen sich darüber aus, wer dieses „Infoschreiben“ noch alles bekommen hat.

Kontrolle durch unbekannte Mächte, Wahrheitssuche

Auf der zweiten Seite dieses Schreibens wird es noch abstruser: Erst geht es um Angst als Mittel zur Kontrolle der Menschen, dann um die Frage, ob wir uns schon im Krieg befänden, es aber nicht merkten. Dann ruft der Schreiber dazu auf, im „schönen Herbern“ die eigene Wahrheit „in uns selbst“ zu erkennen.

Aussagen, die an die kruden Verschwörungstheorien der QAnon-Bewegung aus den USA erinnern, die mit Anhängern wie Attila Hildmann oder Xavier Naidoo aber schon längst in Deutschland angekommen ist. QAnon glaubte neben vielen anderen Verschwörungstheorien auch an den sogenannten „deep state“ [„tiefen Staat“, Anm. d. Red.], geheime Mächte innerhalb des Staates, die insgeheim die wahre Staatsgewalt selbst, auch über die Regierung, ausübten.

Auch Thomas Peek aus Herbern, der dieses zweiseitige „Infoschreiben“ bekommen hat, ist sauer. „Als Gebrauchsanweisungen der ‚Corona Impf-Manipulation‘ in Szene gesetzt, wird den Lesern der Eindruck vermittelt, dass sie die Versuchsobjekte des neuen Impfstoffes seien würden. Zudem wären mögliche Nebenwirkungen noch nicht erforscht worden. Fakten hierzu werden jedoch nicht geliefert. Stattdessen sollen ‚Warnhinweise‘ mit unbelegten Behauptungen die Leser vor den Impfungen verunsichern.“ Ein Absender werde nicht genannt.

„Mit gefährlichen Desinformationen ausgestattete Flugblätter“

„Die mit gefährlichen Desinformationen ausgestatteten Flugblätter der Corona-Leugner und Impfgegner scheinen zum allgemeinen Trend zu werden. Auch in anderen Teilen des Landes verbreiteten Impf-Gegner auf diese Art und Weise die gefährliche Verharmlosung der Corona-Pandemie“, so der Herberner weiter.

Peek macht sich vor allem Sorgen um ältere Herberner, die keinen Zugang zum Internet haben und nur diese Flyer im Briefkasten sehen. „Die Suche nach einem Faktencheck Corona-Impfung bringt oftmals das nötige Wissen. Hier werden nicht nur Behauptungen aufgestellt, sie werden in der Regel auch belegt.“

Peek zufolge sei die Polizei bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag vor Ort gewesen, „konnte den Austräger der Flyer jedoch nicht stellen“. Das bestätigt auch Sascha Kappel, Polizeisprecher der zuständigen Polizei in Coesfeld. Gegen 3.49 Uhr waren Beamte vor Ort. Britta Venker, Sprecherin der Kreispolizei in Coesfeld erklärte, dass die Polizei ein waches Auge auf Coronaleugner habe.

Doch in diesem Fall werden dem Impfgegner keine rechtlichen Konsequenzen drohen: Nachdem jemand den Vorfall angezeigt hatte, hatte die Polizei den Fall an den Staatsschutz in Münster weitergeleitet. Da dieser aber keinen strafrechtlichen Hintergrund gesehen hat (zum Beispiel staatsgefährdende Botschaften, Aufruf zur Verfolgung von Minderheiten, verfassungsfeindliche Symbole oder Zusammenhänge mit dem Dritten Reich), wurde das Verfahren eingestellt.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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