Der jüdische Friedhof in Herbern befindet sich dank der Arbeit von Josef Illerhues und seiner Schülergruppe in einem guten Zustand. © Budde/Heimatverein Herbern
Veranstaltung in Ascheberg

Festival in Ascheberg: „Unsichtbar gemachtes jüdisches Leben wieder sichtbar machen”

Am Sonntag (22. August) findet das Festival „Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen" in Ascheberg statt. In diesem Rahmen begibt man sich auch auf die Spuren der Juden in Herbern.

In diesem Jahr finden in ganz Deutschland Veranstaltungen zu „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland” statt. In diesem Rahmen findet in Ascheberg am kommenden Sonntag (22. August) das Festival „Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen” statt.

Das Festival in Ascheberg habe drei Programmbestandteile, so Festivalleiter Manfred Keller. Einer der Programmpunkte sei eine Ortsbegehung auf jüdischen Spuren. Und dafür werden die Teilnehmer um 15.15 Uhr mit dem Bus am Rathaus in Ascheberg in Richtung Herbern startet.

Ortsbegehung auf jüdischen Spuren in Herbern

„Wir steuern drei Stationen an. Eine wird der Standort der ehemaligen Synagoge in Herbern sein”, so Keller. Das Haus existiere zwar noch, aber sei vollkommen überbaut. „Das existiert deswegen noch, weil sich die jüdische Gemeinde in Herbern aufgelöst hatte. Dabei wurde auch die kleine Synagoge aufgegeben und gehörte dann einem christlichen Besitzer. Deswegen wurde sie verschont.”

Es sei wichtig, auch solche Orte zu besuchen. „Es ist sehr wichtig, dass die Menschen sehen, dass wir hier noch Orte haben, die jüdisches Kulturerbe sind, aber als solche gar nicht mehr wahrgenommen werden. Wir möchten das unsichtbar gemachte jüdische Leben wieder sichtbar machen.”

Führung über den jüdischen Friedhof in Herbern

Eine weitere Station sei der jüdische Friedhof. Hier werde es eine Führung durch den Heimatverein Herbern geben. „Unter anderem wird Josef Illerhues uns über den Friedhof führen. Er hat in seiner Zeit als Lehrer eine Schülergruppe gegründet, die den Friedhof in Ordnung gebracht hat.” Illerhues werde auch noch Lebensläufe von ehemaligen jüdischen Herberanern vorstellen.

Und auch der Hof Aschoff stehe auf dem Programm, so der Festivalleiter. „Hier wurden Marga Spiegel und ihre Tochter Karin in den Jahren 1943 bis 1945 27 Monate lang versteckt”, erklärt Keller. Ihr Mann sei auf einem Hof in der Nähe von Ahlen versteckt worden. „Das war ein Netz von Bauernfamilien, die dichtgehalten und die Juden versteckt haben.”

Weitere Programmpunkte im Bürgerforum in Ascheberg

Als weitere Programmpunkte wird es in dem Bürgerforum des Rathauses in Ascheberg zwischen 14 und 18 Uhr unter anderem ein Konzert und eine literarische Veranstaltung sowie eine kleine Bewirtung aus der jüdischen Küche geben, so die Pressemitteilung zu dem Festival.

Es werde das Leben der Susi Schmerler, eines jüdischen Mädchens aus Bochum, dokumentarisch inszeniert – visuell und akustisch umgesetzt durch Studierende der Ruhr-Universität Bochum. Den musikalischen Abschluss bilden Schlager und Chansons jüdischer Komponisten, die in den 1920er Jahren große Popularität erlangten. Das Ensemble „Syndikat Gold” widmet sich bekannten Liedern wie etwa „Ein Freund, ein guter Freund”, „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder” oder „In der Bar zum Krokodil”.

„Nur wenn man sich kennt, vermeidet man Vorurteile”

„Wir möchten bei der Musik die ganze Bandbreite jüdischer Musik zeigen und den Reichtum jüdischer Kultur”, so Keller. Ein weiteres Ziel des Festivals: jüdische und nicht jüdische Menschen zusammenbringen, „denn nur wenn man sich kennt, vermeidet man Vorurteile“.

Anmelden kann sich jeder Interessierte beim Ascheberg Marketing (Katharinenplatz 1, Ascheberg; Tel.: 02593 / 609 1300; E-Mail: busskamp@ascheberg.de). Der Eintritt zu den Veranstaltungen beträgt 15 Euro, ermäßigt 7.50 Euro (für Schüler und Studierende mit Ausweis). Im Preis eingeschlossen ist das gesamte Programm des Nachmittags. Allerdings sei die Teilnehmerzahl wegen der Corona-Pandemie auf 50 begrenzt, so Keller.

Ursprünglich sollte das Festival in Drensteinfurt stattfinden. Dort stehe der ursprüngliche Veranstaltungsort allerdings nicht mehr zur Verfügung, so die Veranstalter.

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