Fliegender Wechsel: Spielmannszug der Kolpingsfamilie löst den SV Herbern am 1. September ab

70 Jahre Spielmannszug

Der Spielmannszug der Kolpingsfamilie Herbern feiert am 1. September sein 70-jähriges Bestehen. Mit einem Sternmarsch durchs Dorf und einem musikalischen Nachmittag im Festzelt am Siepen.

Herbern

, 20.08.2019, 18:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fliegender Wechsel: Spielmannszug der Kolpingsfamilie löst den SV Herbern am 1. September ab

Darf auf keinem Herberner Dorffest fehlen – der Spielmannszug der Kolpingsfamilie. Er feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen. © Lenneke Lenfers-Lücker (Archiv)

Aus dem ehemaligen Gesellenverein der Kolpingsfamilie Herbern gründete sich am 28. August 1949 der Spielmannszug – dieser bestand aus 12 aktiven Kolpingbrüdern. Der erste Auftritt erfolgte bereits im gleichen Jahr zur Weihnachtszeit.

Die ersten Uniformen, an denen sich bis heute nur die Farbe der Krawatte (inzwischen rot) geändert hat, gab es dann im Jahr 1950: weiße Hosen, dunkelblaue Jacken mit rot-weißen „Schwalbennestern“, schwarzer Krawatte und weißer Schirmmütze.

Das jüngste Mitglied ist erst 11 Jahre alt

Am 1. September 2019 feiert der Spielmannszug der Kolpingsfamilie sein 70-jähriges Bestehen mit einem großen Fest, das am Nachmittag mit einem Sternmarsch, an dem neun weitere Spielmannszüge teilnehmen, startet. Der SV Herbern hat sein Jubiläumsfest zum 100. Geburtstag da bereits hinter sich.

So feiert der Spielmannszug am 1. September:
  • 10.30 Uhr Heilige Messe in der Kirche St. Benedikt mit der Blaskapelle Schwartländer
  • 14 Uhr Sternmarsch durch das Dorf
  • 14.30 Uhr Begrüßung und gemeinsames Spiel auf dem Schulhof der Mariengrundschule
  • 15.30 Uhr musikalischer Nachmittag im Festzelt auf dem Gelände des SV Herbern am Siepen bei Kaffee, Kuchen, Imbiss und Kaltgetränken; die Bewirtung übernimmt der SVH
  • 18 Uhr Ausklang

Aus den vergangenen 70 Jahren gibt es viel zu erzählen, „aber nicht alles gehört in die Zeitung“, sagt Schriftführer Jörg Hänel schmunzelnd. Zurzeit besteht der Verein aus 35 aktiven und 14 passiven Mitgliedern; diese springen selbstverständlich ein, wenn einmal Not am Mann ist. Ältestes Mitglied ist Bernhard Grauthoff (59), das jüngste Til Heitbaum (11).

Die musikalische Leitung des Traditionsvereins liegt seit 1991 in den Händen von Tambourmajor Detlef Eckey. Nachwuchssorgen plagen den Verein nicht, neue Mitglieder sind aber jederzeit willkommen.

„Spaß an der Musik ist die beste Voraussetzung“, so Hänel. „Jungen ab 9 Jahren können sich gerne bei uns melden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.“ Das Repertoire, das immer aus rund 60 Liedern besteht, wird nicht nach Noten, sondern nach Grifftabellen eingeübt. „Es kommen immer wieder mal neue Lieder dazu und es fallen auch mal welche weg.“ Ein Lied gehört immer und auch eigentlich überall dazu: Tippelbrüder.

Unterwegs mit der Aida von Hamburg nach Amsterdam

Zu den wiederkehrenden Spielverpflichtungen gehören Auftritte bei Schützenfesten in Herbern und Nordick, beim Kartoffel- und Frühlingsfest und beim Karnevalsumzug in Ottmarsbocholt. Auch das gesellige Vereinsleben kommt nicht zu kurz. Neben einem internen Schützen-/Familienfest gehen die „Jungs“ gerne mal aufs Schiff.

„Irgendwie sind wir tatsächlich schon oft mit den verschiedensten Schiffen unterwegs gewesen“, sagt der Schriftführer des Spielmannszuges. „Zuletzt waren wir mit der Aida unterwegs von Hamburg über London nach Amsterdam. Am legendärsten war allerdings eine Floßfahrt vor rund 20 Jahren auf der Isar, da passte alles.“

Auf einem Esel zum Kirchplatz

Es passte auch mit den Mitgliedern der Blaskapelle Dietramszell. Seit fast 40 Jahren verbindet die Musiker eine Freundschaft, die mit gegenseitigen Besuchen aufrechterhalten wird. Entstanden ist sie durch ein Fußballturnier von Kolpingsfamilien aus ganz Deutschland, das in Herbern stattgefunden hat.

Fliegender Wechsel: Spielmannszug der Kolpingsfamilie löst den SV Herbern am 1. September ab

Das historische Foto zeigt die Gründungsmitglieder des Spielmannszuges. © Spielmannszug

An viele Begebenheiten denken die Mitglieder des Spielmannszuges zurück. Da war zum Beispiel der 30. Geburtstag von Mitglied Michael Feldkemper, der auf einem Esel zu den Klängen des Spielmannszuges zum Kirchplatz reiten musste, um diesen – da war er noch Junggeselle – zu fegen. Oder als die Spielleute im Jahr 2000 „Karnevalsprinz“ Bernhard Grauthoff zur Feier anlässlich seines 40. Geburtstages begleiteten.

Fußballspiel gegen die Damenmannschaft des SVH

Im Jahr 2002 richtete der Spielmannszug einen Ü-20-Silvesterball im ehemaligen Vereinslokal Antica Fattoria aus. 2006 legten die Spielleute ihre Instrumente einmal an die Seite und traten in einem Fußballspiel gegen die Damenmannschaft des SV Herbern an und gewannen nach einem harten Kampf mit 7:5.

Seit Mitte des letzten Jahres bereiten der Vorsitzende Hendrik Wenner sowie acht weitere Mitglieder des Spielmannszuges das Jubiläumsfest vor. „Alleine die Genehmigungen für den Sternmarsch einzuholen, war ein ziemlicher Aufwand“, weiß Jörg Hänel. „Hier erhalten wir wie schon so oft die großartige Unterstützung der Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Herbern.“

Fliegender Wechsel: Spielmannszug der Kolpingsfamilie löst den SV Herbern am 1. September ab

Immer wieder ein gern gesehener Gast auf den Schützenfesten im Dorf – hier im Jahr 2016 in Nordick. © Bernd Warnecke (Archiv)

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