Henrichmann, Ostendorff, Schiewerling: Heimische Abgeordnete von Datenklau betroffen

mlzDatenleck

Durch einen Hacker-Angriff auf Bundestagsabgeordnete landeten Telefonnummern und Passwörter im Netz. Auch bei drei Politikern aus dem Kreis Coesfeld. Einer kümmert sich in Berlin um Datenschutz.

Ascheberg, Nordkirchen, Olfen

, 04.01.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er kümmert sich im Bundestag um das Thema Datenschutz, doch jetzt ist der Abgeordnete Marc Henrichmann (CDU) selbst zum Opfer geworden. Er ist einer von Hunderten Bundestagsabgeordneten, deren Daten von Hackern im Internet veröffentlicht worden sind. Private Handynummer, Festnetznummer, E-Mail-Adresse und seine Privatadresse wurden ohne sein Wissen auf der sozialen Plattform Twitter veröffentlicht.

„Ich habe mich erschrocken“, sagt Henrichmann im Gespräch mit dieser Redaktion. Am Freitagmorgen habe er davon erfahren, als er in seinem Berliner Büro saß. „Man weiß einfach noch nicht, welche Daten alle abgegriffen worden sind“, so der 42-Jährige. Tröpfchenweise habe er über den Tag verteilt Informationen darüber bekommen, wie der Stand der Dinge ist.

Marc Henrichmann (CDU)

Marc Henrichmann (CDU) © Allgemeine Zeitung Coesfeld

„Noch ist alles sehr spekulativ“, sagt Henrichmann. Das, was bislang von ihm geleakt wurde – also ohne seine Autorisierung veröffentlicht worden ist –, seien keine Dienstgeheimnisse. Vieles könne man im Impressum seiner Webseite und im Telefonbuch über ihn finden.

Henrichmann ist Berichterstatter für Datenschutz

Für Henrichmann, der bei der Bundestagswahl 2017 den Wahlkreis Coesfeld-Steinfurt II gewonnen hat, ändert sich durch den Leak nichts. Seine Telefonnummer und seine E-Mail-Adresse behalte er trotzdem. Für den Mann, der im Bundestag Berichterstatter für Datenschutz ist, ist der Leak trotzdem etwas Persönliches.

So hat er zuletzt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) mit vorangetrieben, die Unternehmen und Vereine vor eine große Herausforderung stellte, um personenbezogene Daten zu schützen: „Die DSGVO soll die Verbraucher vor Datenleaks schützen. Da muss offensichtlich genauer hingeschaut werden. Dies ist wichtiger als bürokratische Regeln für kleine Vereine.“

Für ihn zeige der Hacker-Angriff aber auch, dass Datenschutz im Internet ein wichtiges Thema ist, auf das man sich noch mehr fokussieren müsse. „Je vernetzter und digitaler alles wird, desto angreifbarer wird man und desto zuverlässiger müssen Datenschutz und Datensicherheit sein“, so Henrichmann. Gerade wenn man an elektronische Akten denke, müssten Datensicherheit und -verschlüsselung auf die Agenda.

Ostendorff: „Bin ein Laie auf diesem Gebiet“

Auch Friedrich Ostendorff (Bündnis 90/Die Grünen) ist von dem Datenleck betroffen. Nach Informationen, die dieser Redaktion vorliegen, wurden über den 65-Jährigen mehrere Telefonnummern und eine E-Mail-Adresse veröffentlicht. Dabei handelt es sich zum Großteil aber um dienstliche Kontaktinformationen, die auch auf legalem Wege zugänglich sind.

Friedrich Ostendorff (Bündnis 90/Die Grünen)

Friedrich Ostendorff (Bündnis 90/Die Grünen) © Deutscher Bundestag

Auf Anfrage unserer Redaktion war Ostendorff am Freitagmittag noch nicht bewusst, dass er auf der Liste auftaucht. „Das ist eine riesige Sauerei“, macht er seinem Ärger über den Leak Luft. Er frage sich, was es über einen Abgeordneten, der im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft im Bundestag sitzt, Brisantes zu erfahren gebe.

„Ich bin Laie auf diesem Gebiet“, sagt der gebürtige Dortmunder. Er setze jetzt darauf, dass die IT-Experten seiner Fraktion und des Bundestages Lösungen erarbeiten, wie sich Abgeordnete in Zukunft besser vor solchen Angriffen schützen können.

Schiewerling: Frage nach dem Motiv

Von einer „unerträglichen Sauerei“ spricht auch der ehemalige Abgeordnete Karl Schiewerling (CDU), der bis 2017 für den Wahlkreis Coesfeld-Steinfurt II im Bundestag saß. Er habe von dem Datenklau in den Nachrichten erfahren, genau wie Ostendorff aber bis Freitagmittag nicht gewusst, ebenfalls betroffen zu sein. Wobei, so Schiewerling, sowieso viele Menschen seine Handynummer hätten. „Ich habe meine privaten Nummern nie versteckt“, sagt Schiewerling, der mittlerweile in Rente ist.

Karl Schiewerling (CDU)

Karl Schiewerling (CDU) © Jan Hüttemann (A)

Am Telefon auf den Leak angesprochen, fragte er am Freitag nach den Motiven derer, die auch sensible Daten von in der Öffentlichkeit stehenden Personen publik gemacht haben: „Wollen die Hetze betreiben? Wollen die eine Neiddebatte führen?“ Schiewerling glaube, dass dahinter unter anderem auch Politikverdrossenheit stecke.

Dieser Weg, Verdrossenheit zum Ausruck zu bringen, sei allerdings nicht der richtige.

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