Herberner Radsportler überqueren die Tiroler Alpen

Bis auf 2750 Meter hinauf

Das Ziel: in 2750 Metern Höhe. Der Weg: teilweise 14 Prozent steil. Die Fortbewegungs-Art: auf dem Rad. Elf Sportler des SV Herbern haben es auf den Kaunertaler Gletscher geschafft. Und bezeichnen diese Überquerung der Tiroler Alpen als "Kracherwoche".

HERBERN

, 15.09.2014, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aber nicht in der Gruppe. Die elf Fahrer des SV Herbern ziehen sich mit, motivieren sich. Die Gruppendynamik bringt jeden den Berg hoch. Alles für diesen einen Augenblick: „Wenn man oben steht, ist jeder Schmerz vergessen“, sagt Kober. Früh morgens sind sie in Landeck aufgebrochen, um den Kaunertaler Gletscher - die zweithöchste Stelle in Österreich - mit ihren Rennrädern zu erklimmen. Eine Woche lang touren sie durch die Umgebung. Kober nennt es selbst die „Kracherwoche“.

Seit 2002 fahren die Radsportbegeisterten, die sich im Alter zwischen 40 und 64 befinden, für eine Woche weg. Mallorca, Sardinien, Südtirol und – wie in diesem Jahr – Tirol. Geschwindigkeit und Zeit sind dabei nebensächlich. Die Männer sind auf Höhenmeter aus. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein“, gibt Reinhard Kober zu, langjähriger Vorsitzender der Radtouristikabteilung des SVH. Und nur allzu oft habe er sich gefragt: „Wieso tust du dir das an?“ Aber er kann nicht anders. Der Sport auf den zwei Rädern: seine Leidenschaft. Deshalb gründete er 1987 die Herberner Radsportabteilung. Und Leidenschaft muss man haben, um diese „Kracherwoche“ zu überstehen. 600 Kilometer ist die Truppe Ende August gefahren, insgesamt 10 000 Höhenmeter haben sie in den Beinen. Da kommt jeder an seine Grenzen. „Die Woche danach ist man platt“, so Kober.

Es ist definitiv nichts für Hobbyradler. Denn es kommt nicht nur auf Kraft und Ausdauer an, sondern auch auf die Taktik. „Du kannst nicht einfach in den Berg hereinfahren“, betont Kober. Denn wenn die Luft dünner wird, schwinden auch die Kräfte. Jeder Fahrer hat daher seine eigene Taktik entwickelt. Und auch die Ausrüstung ist den Verhältnissen angepasst. Das Rad: „Ein vernünftiges Rennrad mit Bergübersetzung.“ Die Zahnradkassette weist dabei mindestens 28 Zähne auf, „damit ich möglichst viel im Sitzen fahren kann“, erklärt Kober. Dazu kommen noch wetterfeste Jacken, langes Trikot und Hose. „Das Wetter kann auf den Bergen schnell umschlagen.“

So ganz ohne Temporausch können die Fahrer dann doch nicht. Bergab zeigt der Tacho Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde. Sogar mehr wäre möglich, aber zu gefährlich. Denn ab 2000 Metern gibt es keine Zäune mehr, Kühe laufen auf der Fahrbahn herum, Autos kreuzen den Weg. Reinhard Kober: „Man wird zum Geschwindigkeitsjunkie.“

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