Herbernerin Lotta trat mit Akkordeon in Berlin auf

Zu jung für nächste Runde

Es war in Berlin. Beim Akkordeon-Musikfestival. Lotta Hoppe aus Herbern legte eine fantastische Leistung hin, qualifizierte sich für die nächste Runde. Eigentlich. Denn obwohl die Punkte reichten, ging es für die Neunjährige nicht weiter. Der Grund: Lotta ist noch zu jung. Wir haben sie besucht - und zeigen ihr Können im Video.

HERBERN

, 06.03.2015, 05:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lotta Hoppe spielt seit einem Jahr Akkordeon. Das passe zu ihrem Temperament, meinte ihre Flötenlehrerin.

Lotta Hoppe spielt seit einem Jahr Akkordeon. Das passe zu ihrem Temperament, meinte ihre Flötenlehrerin.

Lotta Hoppe (9) aus Herbern schnürt sich das Akkordeon um den Bauch, hält einen Moment inne, sucht mit ihren Fingern die Tasten ab und legt dann los. Die Mariengrundschülerin spielt Boogie Woogie. Ein jazziges Stück. Verschmitzt schaut sie aus ihren braunen Augen, wiegt sich im Takt der Musik nach links und rechts und spielt ganz ohne Noten. Wenn sie die Stücke zwei dreimal geprobt hat, kann sie sie auswendig, hat ihr Lehrer der Musikschule Ascheberg beobachtet.

Ruslan Maximorski (36) aus der Ukraine hat sich von ihrem Talent schon überzeugen können. Bei dem Akkordeon-Musikfestival (AMF) in Berlin legte sie eine sehr gute Leistung ab: Sie holte 35 Punkte und wäre mit diesem Ergebnis eigentlich in die nächste Runde gekommen. Doch dafür war sie zu jung. Erst mit 11 Jahren hätte sie am Bundeswettbewerb in Bruchsal teilgenommen.  

Sie spielt erst seit einem Jahr das Knopf-Akkordeon. „Meine Flötenlehrerin meinte, ich soll ein Musikinstrument spielen, das lauter ist als Flöte“, erzählt die temperamentvolle Lotta - die in diesem Jahr in die Bläserklasse des Gymnasiums St. Christophorus eingeschult wird. Die Quetschkommode, wie sie in Deutschland gerne genannt wird, hatte lange Zeit einen schlechten Ruf. Ruslan Maximorski erinnert an die alten Seemanns- und Volkslieder, wo das Akkordeon seinen Einsatz fand.

Akkordeon gerade bei Mädchen beliebt

Doch das war gestern: Heute sei es vor allem bei Mädchen beliebt. „Es ist schon längst ein Kammermusikinstrument geworden“, erklärt Maximorski. Auch Lottas M (Manual) III-Knopfakkordeon lässt sich auf einzelne Töne umschalten und ermöglicht so, klassische Klavierstücke von Haydn, Bach oder Mozart spielen zu können.

Eine halbe Stunde übt Lotta täglich und wenn Wettbewerbe bevorstehen, auch etwas mehr. Ihr Musiklehrer, er selbst spielt seit 30 Jahren Akkordeon, plant schon die nächste Fahrt mit seinen Akkordeon-Schülerinnen  für den 21. März. Es geht nach Mönchengladbach zum Workshop. Der nächste Wettbewerb steht im Januar 2016 an: „Jugend musiziert für Solo ist unser nächstes großes Ziel.“

Lotta wippt auf ihrem Sitzwürfel hin und her. Sie spielt ihr Lieblingsstück. Andante von Joseph Haydn aus der Paukenschlag-Symphonie und danach eine Polka aus Weißrussland.

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