Seit dem 15. Januar 2020 leiten Claudia und Thorsten Bleckmann das Hotel Wolfsjäger in Herbern. © Bleckmann
Feiertage

Hotelöffnungen für Familien über Weihnachtsfeiertage: Verhaltene Resonanz

In Nordrhein-Westfalen dürfen Hotels über die Weihnachtsfeiertage Familienangehörige aufnehmen. Dies sei keine touristische Reise. Wird das Angebot von den Menschen in Ascheberg und Herbern angenommen?

Nordrhein-Westfalen zählt zu den Bundesländern, die über die Feiertage erlauben, dass Familienangehörige in Hotels übernachten können. „Das wird nicht unter touristischer Reise verstanden“, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Damit wolle man die Familien entlasten, die ihren Verwandten keine ausreichenden Schlafplätze anbieten können. Aber wird diese Möglichkeit von den Menschen überhaupt wahrgenommen? Wir haben bei Hoteliers in Ascheberg und Herbern nachgefragt.

Im Wolfsjäger in Herbern ist kein Andrang spürbar

„Die Resonanz ist bisher verhalten“, sagt Thorsten Bleckmann vom Hotel Wolfsjäger in Herbern. „Wir hatten schon vorher einige Buchungen von Leuten, die angefragt hatten, falls etwas möglich wird. Es ist jetzt nicht so, dass wir seit zwei Tagen mehrere Anrufe erhalten hätten.“

Zum jetzigen Zeitpunkt könne Bleckmann noch nicht einschätzen, wie die Regelung von den Menschen angenommen werde. „Es ist ja jetzt nicht so, dass in unserer Gegend dieses Jahr Tausende Menschen über die Weihnachtstage kommen werden“, sagt der Hotelbetreiber.

Grundsätzlich begrüße er die Maßnahme: „Jede Erleichterung bringt uns ein bisschen weiter, das kann man schon sagen.“ Da pflichtet ihm auch seine Frau Claudia Bleckmann bei, mit der er das Hotel leitet. „Grundsätzlich finde ich es richtig, dass man nicht bei der Risikopatientin Mutter auf der Couch schläft, sondern im Hotel vernünftig Abstand halten kann.“ Allerdings stelle sie sich die Frage, wie sie den Nachweis führen sollen, dass die Gäste wirklich jemanden besuchen und nicht doch Touristen sind.

Dem Wolfsjäger bleibt das Standbein Berufstätige

Das Hotel Wolfsjäger kann aber im Lockdown-Light auf die Geschäftsreisenden zählen. Diese seien das Hauptstandbein für die meisten Hotels in der Region. „Keine Frage, durch die Touristen ist etwas weggefallen. Es ist aber nur ein gewisser Anteil an den Gesamtübernachtungen“, erklärt Thorsten Bleckmann.

Touristen kämen eher in den warmen Jahreszeiten in das Herberner Hotel. Normalerweise gehen im Winter die touristischen Anfragen zurück.

In den kalten Wintermonaten gehe die Nachfrage von Touristen im Hotel Wolfsjäger auch in „normalen“ Jahren zurück.
In den kalten Wintermonaten gehe die Nachfrage von Touristen im Hotel Wolfsjäger auch in „normalen“ Jahren zurück. © Bleckmann © Bleckmann

Die beiden Hotelbetreiber Thorsten und Claudia Bleckmann haben die Zeit aber genutzt, um einige der Hotelzimmer zu renovieren. „Wenn die Touristen hoffentlich nächstes Jahr wiederkommen, wollen wir ihnen super Zimmer und natürlich einen super Service bieten“, sagt Claudia Bleckmann.

Keine Nachfragen im Hotel und Gasthof Brüggemann Rother

Im Hotel und Gasthof Brüggemann Rother aus Ascheberg gebe es bisher keine Nachfragen, wie Betreiber Markus Rother auf Nachfrage erklärt. Er sieht die Regelung kritisch: „Wenn man jetzt wieder Gäste aufnimmt, wird das bei den anderen Beihilfen wieder abgezogen. Das habe ich gerade noch mit meinem Steuerberater besprochen“. Auch er gehe davon aus, dass dieses Weihnachten sowieso nicht die großen Weihnachtsfeste gefeiert werden. „Die Leute von weiter weg werden gar nicht anreisen. Wenn ein oder zwei Leute zu ihrer Familie reisen, können die im Gästezimmer untergebracht werden“, sagt Markus Rother.

Angela Merkel übt Kritik an der NRW-Regelung

Kritik an der Länderregelung bezüglich Hotelgästen über die Feiertage kommt sogar von ganz oben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe die Länderregelung laut der Deutschen Presse Agentur in einer virtuellen Sitzung des CDU-Präsidiums kritisiert. Die Bundeskanzlerin hatte scheinbar den gleichen Gedankengang wie Hotelbetreiberin Claudia Bleckmann. Es sei nicht kontrollierbar, ob nur Gäste in den Hotels übernachteten, die tatsächlich Verwandte in der Region besuchten, begründete Merkel ihre Kritik.

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