Die Gemeinde Ascheberg will das bestehende Gewerbegebiet Ondrup durch ein Gewerbe- und Industriegebiet erweitern. © Gemeinde Ascheberg
Bauvorhaben in Herbern

Industriegebiet in Herbern geplant: „Das wäre ein Fehler mit Ansage“

Die Gemeinde Ascheberg möchte am Donnerstag vom Bau- und Planungsausschuss grünes Licht für das Gewerbe- und Industriegebiet Ondrup bekommen. Aber Anwohner sehen große Probleme.

Am Donnerstag (25. Februar) kommt der Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde Ascheberg zusammen. Dann will die Verwaltung das „Ok“ der Politik für den Feststellungsbeschluss der 76. Flächennutzungsänderung für den Bereich „Gewerbegebiet Ondrup“ einholen. Zu Erweiterung des Gebietes sollen hier Landwirtschaftsflächen umgewandelt werden. Doch damit würde die Gemeinde nicht nur ein „Ok“ zu dem erweiterten Gewerbegebiet im Bereich der ehemaligen Gärtnerei, sondern auch zu einem Industriegebiet geben.

Das sei vielen Herbernern nicht bewusst, sagt Anwohnerin und Juristin Ina Harenbrock. Im vergangenen Sommer 2020 wollte die Gemeinde bereits den Feststellungsbeschluss fassen. Doch Harenbrock und andere Anwohner hatten gegen die Pläne der Gemeinde während der Zeit der Offenlage ihre Bedenken geäußert und bei der Gemeinde eingereicht.

Der Grund: „Wir sind da über extreme Sachen gestolpert, so schlecht kann man als Gemeinde gar nicht planen“, sagt die Herbernerin. Denn die Gemeinde habe beispielsweise weder ein Immissions- noch ein Verkehrsgutachten zur Erweiterung des Gewerbegebietes eingeholt.

Eine Begrenzung der Emissionen könnte im Bebauungsplan wegfallen

Die Gemeinde nahm daraufhin im vergangenen Sommer den Feststellungsbeschluss zurück – und will ihn nun am kommenden Donnerstag fassen. Noch immer sind in den Unterlagen beispielsweise keine konkreten Angaben zu dem Lärm, der durch das ergänzende Gewerbe- und Industriegebiet zu erwarten ist, zu finden. In der Begründung der Gemeinde heißt es unter anderem: „Da der Bebauungsplan als Angebotsplanung zu betrachten ist und derzeit die Betriebsarten, die sich ansiedeln, tlw. noch nicht bekannt sind, kann erst im anschließenden Genehmigungsverfahren über die Einhaltung der Störfallverordnung entschieden werden.“

Und: Laut Ina Harenbrock sei nun nicht mehr nur von einem Gewerbegebiet die Rede, sondern von einem uneingeschränkten Gewerbe- und Industriegebiet. „In dem Gebiet können sich theoretisch Müllverbrennungsanlagen, ein Krematorium, Tierverwertungsanlagen oder Schwerindustrie ansiedeln“, sagt die Herbernerin.

Hieß es in der Begründung für das Gewerbegebiet im vergangenen Sommer bezogen auf die Immissionen noch, derartige Emissionen „sollen im Bebauungsplan […] begrenzt werden“, heißt es im neuen Entwurf: „Die Emissionen können im Bebauungsplan […] begrenzt werden, […]. Es ist aber auch möglich, auf eine derartige Gliederung komplett zu verzichten und die i.d.R. von einzelnen Anlagen eines Betriebes ausgehenden Emissionen im Anlagengenehmigungsverfahren unter der Berücksichtigung von Vorbelastungen auf ihre Zulässigkeit zu prüfen.“ Und weiter: „Verkehrliche Immissionen sind für den Plangeltungsbereich nicht relevant.“

So sieht die Fläche, auf der das erweitere Gewerbe- und Industriegebiet entstehen soll, heute aus.
So sieht die Fläche, auf der das erweitere Gewerbe- und Industriegebiet entstehen soll, heute aus. © Harenbrock © Harenbrock

Laut Begründung lägen aktuell „konkrete Anfragen ortsteilansässiger Gewerbetreibender nach Entwicklungsmöglichkeiten vor, sodass die Planung vor allem dazu dienen soll, die ansässigen Gewerbebetriebe in Herbern halten zu können, indem ihnen die erforderlichen und gewünschten Entwicklungsmöglichkeiten gewährt werden.“

Doch Ina Harenbrock macht vor allem die langfristige Nutzung Sorge, denn die Gemeinde verkauft die Flächen und gebe sie somit aus der Hand: „Wenn auch nur eines der Unternehmen pleite geht, dann können die verkaufen.“ In Hamm etwa gebe es Industriezweige, für die der Standort Herbern interessant sein könne. „Es sind noch nicht alle Flächen verkauft, es kann also sehr wohl sein, dass da noch ein Investor kommt.“ Es gehe darum, dass hier Voraussetzungen für schwere Industrie geschaffen würden, so Harenbrock.

Anwohnern werde der schwarze Peter zugeschoben, so Harenbrock

Gleichzeitig würde den Anwohnern von der Gemeinde der schwarze Peter zugeschoben, die den Bau der neuen Feuerwache in dem Bereich aufhielten, sagt Harenbrock. „Aber die Gemeinde macht das selber, weil sie unbeirrbar an dem Industriegebiet festhält. Wenn die Gemeinde sich bewegen und Abstand nehmen würde, könnte die Feuerwehr schon drei Mal anfangen zu bauen.“

Ginge es um ein reines Gewerbegebiet, könne die Gemeinde sofort starten, so Harenbrock. „Das ist ein bisschen peinlich, weil da ein Entschluss gefällt wird, der wird der Gemeinde auf die Füße fallen. Die Bezirksregierung wird sowas nie zustimmen.“ Dann dauere es nach Einsprüchen von Kreis und Bezirksregierung „noch ein halbes Jahr“, so die Juristin.

„Die Herberner und Ascheberger, die wissen das gar nicht. Alle gehen von einem Gewerbegebiet mit Kleinbetrieben aus, die sich aus dem Ort erweitern wollen“, sagt Harenbrock. Vielmehr aber werde der Weg für Industrie geebnet. Weiche die Gemeinde nicht von ihren jetzigen Plänen ab, sagt Harenbrock: „Das wäre nicht nur ein Fehler, sondern ein Fehler mit Ansage.“

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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