Jagdhund tötet Mischlingsrüden: Die Brünings aus Davensberg trauern um ihren Basti

mlzHunde-Attacke

Ein Jagdhund hat am Wochenende in Davensberg einen Mischlingsrüden angegriffen und tödlich verletzt. Die trauernden Besitzer erstatteten Anzeige. Doch auch der Jagdhund ist mittlerweile tot.

Davensberg

, 05.02.2019, 17:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich war alles wie immer. Michael und Ursula Brüning kamen am vergangenen Samstag (2. Februar) gegen viertel nach zehn von ihren Nachbarn zurück. Sie hatten zusammen mit Freunden Karten gespielt. Ihr Mischlingsrüde Basti lief, wie immer auf der kurzen Strecke, bereits die wenigen Meter voraus nach Hause.

Jagdhund packte Basti und verletzte ihn schwer

Dann geschah etwas, dass das Ehepaar Brüning nicht so schnell vergessen wird. „Wir wollten gerade ins Haus gehen und unseren Basti reinlassen, als wir ihn schreien hörten“, erzählt der 62-jährige Davensberger. „Wir sind sofort zu ihm gerannt.“

Doch das Schlimmste war da bereits passiert. Der vier Jahre alte Maltesermischling war noch auf dem Rasen vor dem benachbarten Haus, als ein Jagdhund ihn packte und schwer verletzte. Der größere Hund war offensichtlich von zu Hause weggelaufen und hatte dann den Familienhund der Brünings attackiert.

Nachbarn halfen bei Suche nach ärztlicher Versorgung

Während ihr Mann zwischen die beiden Hunde ging, versuchte Ursula Brüning (68) ihren Basti zu schützen. „Er war sehr schwer verletzt“, schildert sie den Vorfall Tage später mit brüchiger Stimme. „Er hatte Kratzer auf dem Rücken und schwere Bisswunden am Bauch.“

Kurz nach dem Angriff soll der Besitzer des Jagdhundes in Unterwäsche über die Straße gerannt sein. Er hatte wohl das Fehlen seines Hundes bemerkt und war dem Tier nachgekommen. „Er hat seinen Hund wieder mit zu sich nach Hause genommen“, sagt Michael Brüning. „Sonst hat er nichts gemacht.“

Dafür seien Nachbarn zu Hilfe geeilt, die den Lärm auf der Straße mitbekommen hatten. Sie hätten dann gemeinsam mit dem Ehepaar Brüning versucht, einen Tierarzt zu erreichen. „Es hat lange gedauert, bis wir jemanden erreicht haben“, so Ursula Brüning. „Bei den Tierärzten ging überall nur der Anrufbeantworter dran. Man hatte uns nie darüber informiert, welchen Notdienst man abends oder am Wochenende anrufen kann.“

Not-Operation kam zu spät

Schließlich konnte ein Nachbar den Notdienst der Tierklinik in Ahlen erreichen. „Wir haben Basti dann sofort hingebracht.“ Die Verletzungen seien jedoch zu schwer gewesen, für den Mischling kam die tierärztliche Hilfe zu spät: „Sie haben ihn bis früh morgens notoperiert. Dann riefen sie uns an, dass er es nicht geschafft hat.“

Auf den Schock am Abend zuvor folgte die Trauer über den verstorbenen Hund. „Basti war für uns wie ein Familienmitglied“, erinnern sich die Brünings. „Wir haben ihn als zehn Wochen alten Welpen bekommen. Auch wenn das nicht jeder verstehen kann: Er war für uns wie ein Kind.“

Doch unter die Trauer soll sich allmählich auch die Wut gemischt haben. Wut auf den Besitzer des Jagdhundes. Der hätte sein Tier ohne Aufsicht oder Maulkorb herumlaufen lassen. „Ich bin nicht wütend auf den Hund“, erklärt Michael Brüning. „Es sind immer die Besitzer, die für die Erziehung der Tiere verantwortlich sind. Ich wäre am liebsten schreiend zu ihm gerannt.“

Jagdhund sei auch in der Vergangenheit negativ aufgefallen

Zusammen mit seiner Frau habe er sich dafür entschieden, den Jagdhund-Besitzer anzuzeigen. Nach einem Missverständnis bei der Lüdinghauser Polizei nahmen die Beamten in Coesfeld die Anzeige wegen Verstoßes gegen das Landeshundegesetz auf. Zusätzlich informierten die Brünings das zuständige Ordnungsamt über den Angriff.

Es sei schließlich nicht das erste Mal gewesen, dass der Jagdhund auffällig gewesen sei. „In der Nachbarschaft ist der Hund mehrmals negativ aufgefallen. Im Mai letzten Jahres hat er den Chihuahua einer Bekannten angegriffen und verletzt“, so Ursula Brüning. „Er hat es überlebt, aber meine Bekannte hat dann auch Anzeige erstattet.“

Warum erst jetzt etwas passieren sollte, könne sie nicht sagen. Dafür wollte das Ordnungsamt in dem aktuellen Fall handeln – mit einer Maulkorbpflicht für den Jagdhund. In Kraft treten wird die Auflage jedoch nicht. Denn auch der Jagdhund soll am vergangenen Wochenende verstorben sein.

Jagdhund wurde als verstorben gemeldet

„Wir haben mitbekommen, dass der Halter seinen Hund am Sonntag als tot gemeldet hat“, erzählt Brüning. Die zuständige Polizeibehörde in Coesfeld nahm dazu am Dienstag (5. Februar) keine Stellung. Das sei Sache des Ordnungsamtes, hieß es auf Anfrage unserer Redaktion.

Rolf Kehrenberg vom Ordnungsamt der Gemeinde Ascheberg bestätigte auf Anfrage das Ableben des Jagdhundes. „Der Halter hat uns über den Tod seines Hundes informiert“, so Kehrenberg. „Er hat uns glaubwürdig erklärt, dass er sein Haustier am Sonntag tot in seinem Körbchen gefunden und anschließend begraben hat.“ Weiter vorgehen würde man in solchen Fällen nicht. Wenn Hundehalter den Tod ihres Tieres melden, nehme man das als gegeben hin.

Anzeige gegen den Besitzer läuft

Das alles hilft den Brünings jedoch nicht: „Das bringt unseren Basti auch nicht wieder zurück.“ Den Fall auf sich beruhen lassen wollen sie aber auch nicht so ohne Weiteres. „Wir haben trotz des Todes des Jagdhundes Anzeige gegen den Besitzer erstattet.“ Wie der Fall auch ausgehen mag: Trauer, Schmerz und Wut über den Verlust werden so schnell nicht vergehen.

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