Lieblingsort von Waldmann ist der Burgturm in seinem Heimatort Davensberg. © Jörg Heckenkamp
Bundestagswahl 2021

Kandidaten-Porträt: Der jugendliche Johannes und der Wahlkämpfer Waldmann

Im Wahlkreis Coesfeld-Steinfurt II bewerben sich für die Bundestagswahl am 26. September acht Kandidaten für das Direktmandat. Wir porträtieren sie. Heute: Johannes Waldmann (SPD).

Treffpunkt Burgturm im Ascheberger Ortsteil Davensberg. Der Burgturm ist DIE Attraktion in Davensberg. Wenn man ehrlich ist, gibt es in dem 1800-Seelen-Ortsteil auch nicht viel anderes. Johannes Waldmann stammt von hier. Es ist nicht verkehrt zu behaupten, dass er hier jeden Baum und Strauch kennt. Jetzt will Waldmann nach Berlin. Warum, erzählt er im Schatten des Burgturms.

Der 32-Jährige ist mit einem Wahlmobil unterwegs, um für sich zu werben. „Das Auto haben mir Unterstützer und Sponsoren zur Verfügung gestellt“, sagt Waldmann. Wahlwerbung hat der Sozialdemokrat im tiefschwarzen münsterländischen Wahlbezirk Coesfeld-Steinfurt II bitter nötig. 2017 holte die CDU 44 Prozent der Stimmen, Waldmanns Partei, die SPD, knackte gerade eben die 20-Prozent-Marke. Der christdemokratische Direktkandidat Marc Henrichmann setzte sich mit 51,6 Prozent durch. Waldmanns Vorgänger als Direkt-Bewerber, Ulrich Hampel, schaffte 23,5.

Soweit die Zahlen, die eine eindeutige Sprache sprechen. Waldmann ist mit 32 Jahren noch vergleichsweise jung, aber schon versiert genug, um die miese Ausgangsposition blumig in ein offenes Rennen zu verwandeln. Es fallen Sätze wie „Es gibt doch immer riesige Unterschiede zwischen den Umfragen und den Ergebnissen“ oder „Wir verspüren Aufwind.“

Waldmann, der Davensberger, kam am 18. Dezember 1988 zur Welt. Er ging in Davensberg in die Kita, ging in Davensberg zur Grundschule und zum Gymnasium in Senden. Er wohnt in Davensberg, ist nicht verheiratet, lebt aber in fester Partnerschaft mit seinem Freund. Waldmann wirkt ruhig, seriös. Jugendlich und doch erfahren zugleich. Ein Plus für den Kandidaten?

Schau mir in die Augen, Kleiner. Waldmann vor seinem Konterfei auf dem Wahlkampf-Mobil.
Schau mir in die Augen, Kleiner. Waldmann vor seinem Konterfei auf dem Wahlkampf-Mobil. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Politik interessierte ihn schon früh. Seit 2009 setzt er sich fürs Allgemeinwohl ein. „Als Hauptschullehrer in Hamm liegen mir natürlich schulpolitische Themen besonders am Herzen“, sagt er in dem Gespräch, während wir über das Turmgelände schlendern. Der Sozialdemokrat plädiert dafür, die Bildungshoheit zumindest zum Teil von den Ländern auf den Bund zu übertragen. Klare Position.

Johannes Waldmann verbindet viele Erinnerungen mit dem Burgturm. Seine allererste? „Das muss im Kindergarten-Alter gewesen sein. Da fand hier ein Schützenfest statt.“ Wohnt er hier in der Nähe? „Ja“, sagt er und dreht den Kopf in die Richtung. Wir gehen die Stufen des Turmhügels hoch. Er blickt nach rechts ins dichte Gebüsch, lacht plötzlich laut auf: „Als Kinder haben wir nicht die Treppe benutzt, sondern sind den Hügel rauf und runter. Damals sah das ganz anders aus.“ Der jugendliche Waldmann blitzt auf.

Oben am Turm schafft es der Bundestagskandidat, aus dem Stehgreif die Geschichte des aus dem Jahre 1530 stammenden Turmes zu rekapitulieren. Er weiß natürlich, dass man oben im Turmzimmer heiraten kann und dass der untere Teil Verließ genannt wird. „Das war eine unrühmliche Vergangenheit für Davensberg, es gab noch spät Hexenprozesse.“

Über seine Biografie ist er schnell wieder bei seinem Lieblingsthema. Bildungspolitik, Jugendpolitik. „Ich setze mit dafür ein, die Chancen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern“, doziert er in bestem Politiker-Deutsch. „Deshalb mache ich das Ganze, klar.“ Er beklagt die „minimalen Fortschritte in Sachen Chancengleichheit“, ja, „wenn nicht sogar Rückschritte in der Corona-Zeit“. Er nimmt die Hände auf den Rücken, jetzt ganz nachdenklich, erfahrener Politiker.

Waldmanns Hobby: Trompete und die Musik

Waldmann hat ein Hobby, „das jetzt leider etwas zu kurz kommt“. Er spielt Trompete, auch Klavier. „In der zweiten oder dritten Klasse fing ich mit Trompete an“, sagt er lächelnd, „jedenfalls zu der Zeit, als die zweiten Zähne schon da waren“. Er hat bei diversen Veranstaltungen wie Schützenfesten gespielt, fasst sich ans Kinn und sagt: „Ein wunderbares Hobby.“

Als Jugendlicher hat er zusätzlich Klavier spielen gelernt. Seine Musikalität beeinflusste seine Berufswahl. Er studierte Musikpädagogik, Deutsch und Sozialwissenschaften im Lehramt. Entsprechend traurig ist er, „dass die Davensberger Turmbläser die Corona-Einschnitte nicht überstanden haben“. „Ihnen kann ich nur danken.“

Die berühmte Schlösserbrücke

Wir gehen hügelabwärts Richtung Emmerbach-Brücke. Waldmann schöpft wissensmäßig aus dem Vollen. Erzählt, dass es das Dorf Davensberg mal ins renommierte Zeit-Magazin geschafft habe. „Mit der Schlösserbrücke über den Emmerbach.“ Schlösserbrücke deshalb, weil dort Dutzende von Liebes-Schlössern hängen.

Er wird sichtlich verlegen, als ich ihn frage, ob von ihm dort eines hängt. Er zögert kurz. „Nein“, sagt er, „aber das ist ja auch für verheiratete Paare. Das bin ich ja nicht.“ Es hört sich so an, also wollte er „noch nicht“ sagen. Schnell fängt er sich, indem er Fakten zum Emmerbach vorträgt. Da sind sie innerhalb weniger Minuten zu sehen, die zwei Aggregat-Zustände des Johannes Waldmann aus Davensberg. Der jugendliche Johannes und der Wahlkämpfer Waldmann.

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Jörg Heckenkamp

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