Kein Klimanotstand: Ist Ascheberg eine Insel der Glückseligen?

Umweltschutz

Den Klimanotstand will die Gemeinde Ascheberg nicht ausrufen. „Wenn wir das nicht tun, ist Ascheberg eine Insel der Glückseligen und nicht von dieser Welt“, sagt Grünen-Ratsherr Hubertus Beckmann.

Ascheberg

, 16.07.2019, 17:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kein Klimanotstand: Ist Ascheberg eine Insel der Glückseligen?

Herbern von oben: Schön grün, aber nicht grün genug? „Natur braucht Zeit, die sät man nicht mal eben ein“, sagt das parteilose Ratsmitglied Frank Holtrup. © Oskar Neubauer (Archiv)

Den Klimanotstand wollen wir nicht“, machte CDU-Ratsherr Ludger Wobbe direkt einmal klar. Denn würde man den ausrufen, wäre dem alles andere unterzuordnen. Hieße auch: Alle Ratsbeschlüsse stünden unter dem Vorbehalt der Klimarelevanz. Es dürfe nur beschlossen werden, was sich nicht negativ aufs Klima auswirkt.

Kein Klimanotstand also, sondern das große Ganze in den Blick nehmen: Das will die CDU. Wie weit man gehen soll beim Thema Umweltschutz, darüber war man sich nicht hundertprozentig einig in der jüngsten Ratssitzung der Gemeinde Ascheberg. Wohl aber darüber, dass überhaupt etwas getan werden muss.

Auszüge aus der jüngsten Ratssitzung:

Christian Ley (SPD): Wir sollten den den Klimanotstand nicht sofort abbügeln. Was nützt uns der gerettete Arbeitsplatz, wenn wir durch die Klimafolgen nicht mehr leben können?

Bürgermeister Dr. Bert Risthaus: Es darf nicht in Symbolpolitik ausarten, konkrete Maßnahmen müssen her. Bei der Bauleitplanung mit konkreten CO2-Werten hantieren – das können wir gar nicht. Versuchen Sie mal, das in der Königsallee auszurechnen – das ist schlicht nicht möglich.

Hubertus Beckmann (Die Grünen): Wenn wir den Klimanotstand nicht ausrufen, sind wir im Münsterland wieder Outsider. Für Inseln in der Südsee ist bald der Ofen aus – das ist doch schon jetzt ein Notstand! Wenn wir den Klimanotstand nicht beschließen, ist Ascheberg eine Insel der Glückseligen und nicht von dieser Welt.

Volker Müller-Middendorf (UWG): Wir müssen überlegen, wie wir die Entwicklungen in Ascheberg vorantreiben – zum Beispiel bei den Verkehrsflächen. Die motorisierten Flächen verengen? Dem nicht motorisierten Verkehr mehr Fläche einräumen? Es helfen nur konkrete Beschlüsse.

Frank Holtrup, parteiloses Ratsmitglied: Wir haben die Veränderungen Jahr für Jahr. Wir sollten uns nicht beschränken auf ein Verbot von Steingärten und die paar Quadratmeter, die wir als Blühfläche aussäen – das ist alles etwas verzerrt. Wir müssen auf Dauer Potenziale schaffen – Baum- und Heckenanpflanzungen im Außenbereich anstreben. Denn Natur braucht Zeit, die sät man nicht mal eben ein.

Vertreter der Ökoregion Friesland einladen?

Letzten Endes rief der Rat der Gemeinde Ascheberg den Klimanotstand nicht aus. Künftig aber wolle man – fernab von „Symbolpolitik“ – konkrete Maßnahmen entwickeln und bei Entscheidungen klima- und umweltrelevante Aspekte mitdenken.

Frank Holtrup regte an, das Thema Umweltschutz regelmäßig im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss aufzugreifen. Hubertus Beckmann schlug vor, einen Vertreter der klimaneutral arbeitenden niederländischen Ökoregion Friesland nach Ascheberg einzuladen.

CO2-Emissionen reduzieren

Auch das Thema Windkraft ist noch nicht vom Tisch: Scheiterten die Ausbaupläne für einen Bürgerwindpark in Forsthövel an der Flugsicherung, sprach Klimaschutzmanager Martin Wolf in der Ratssitzung von einem veralteten System.

Nur mit der Windenergie könne die Reduzierung der CO2-Emissionen gelingen. Angestrebt ist eine Reduzierung um 35 Prozent bis 2025 (gegenüber 2013) und um 80 Prozent bis 2050. Um das Projekt zu realisieren, wolle man sogar persönlich im Bundesministerium in Berlin vorsprechen.

Dem Antrag der CDU zur „Klimaschutzoffensive“ stimmte der Rat einstimmig zu – mitsamt einzelner, im Rat diskutierter Beschlusspunkte.

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