Komet Neowise: Ascheberger gelingen spektakuläre Aufnahmen

mlzKomet Neowise

Der Komet Neowise ist nur noch wenige Tage mit dem bloßen Auge am Himmel zu sehen. Dem Ascheberger Peter Maasewerd sind dabei gleich mehrere beeindruckende Fotos gelungen.

Ascheberg, Herbern

, 22.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alle 5000 bis 7000 Jahre haben wir die Möglichkeit, den Kometen Neowise dabei zu beobachten, wie er die Erde passiert. Für die heutige Menschheit also ein einmaliges Erlebnis. Das, und der Umstand, dass die Existenz des Kometen erst im vergangenen März bekannt geworden ist, hat auch die Hobbyastronomen an ihre Spezialausrüstungen gerufen.

Peter Maasewerd aus Ascheberg ist einer von ihnen. „Für mich ist das eine ganz tolle Geschichte.“ Vor fünf Jahren ist er dem Hobby verfallen. Schon vorher hatte er sich mit der Fotografie beschäftigt. „90 Prozent meiner Fotos sind Astrofotos“, erklärt der Ascheberger. Ihn reizt an der Astrofotografie besonders das, was schwer zu fotografieren ist - Supernova-Überreste etwa, also das, was bleibt, nachdem ein Stern explodiert und gestorben ist.

Komet Neowise setzt sich auf Ascheberger Kirchturmspitze

Nun aber auch Neowise: „Ich habe schon vorher Kometen fotografiert, mit hohem technischen Aufwand, aber noch nie in der Landschaft.“ Genau das ist dem Ascheberger am 11. und 12. Juli gelungen. Am 11. Juli positionierte sich Maasewerd in der Nähe der Lambertuskirche in Ascheberg. „Es war eine kosmische Fügung“, erklärt Peter Maasewerd und lacht. Denn der Komet setzte sich auf seinem Foto genau auf den Wetterhahn, der sich auf der Spitze des Kirchturms befindet. Einen Tag später, am 12. Juli morgens, hat sich Peter Maasewerd dann am Schloss Westerwinkel zwischen Herbern und Ascheberg positioniert, wo ihm eine Aufnahme des Schlosses samt Neowise gelungen ist.

Neowise ist laut Maasewerd der dritte Komet, der den Astronomen für dieses Jahr versprochen wurde. Der erste - genannt „Altas“ - war noch, bevor er im Mai in die Nähe der Erde gekommen war, in Einzelteile zerfallen. Der zweite versprochene Koment „Swan“ hat in der Nähe der Erde nur noch so schwach geleuchtet, dass er kaum zu sehen war. Und dann kam Neowise.

Diese Aufnahme ist am Morgen des 13. Juli in der Nähe der Lambertus-Kirche in Ascheberg entstanden.

Diese Aufnahme ist am Morgen des 12. Juli in der Nähe der Lambertus-Kirche in Ascheberg entstanden. © Peter Maasewerd

Vier Milliarden Jahre ist der fünf Kilometer lange Komet schätzungsweise alt, der aus dem äußersten Rand des Sonnensystems stammt und aus gefrorenem Gas und Staub besteht. Weil er die Ebene der Sonne und der Planeten (Ekliptik) in einer sehr lang gestrecken elliptischen Bahn schräg zum Himmelsäquator umfliegt, ist er hier nur alle 5000 bis 7000 Jahre zu sehen.

Entdeckt hatte den Kometen im vergangenen März das Weltraumteleskop „Wise“ (Wide-Field Infrared Survey Explorer), dessen Aufgabe es ist, Gefahren für die Erde durch herannahende Himmelskörper wie etwa Asteroiden zu erkennen. Eigentlich war das Teleskop nach nur wenigen Jahren wieder abgeschaltet worden. 2013 hatte sich die Nasa aber dazu entschieden, es zur Entdeckung von Asteroiden unter der Bezeichnung „Neowise“ wieder in Betrieb zu nehmen. Daher auch der Name des kürzlich entdeckten Kometen „Neowise“.

Tipps zur Kometen-Beobachtung und zum Fotografieren

Peter Maasewerds Tipps für die Kometen-Beobachtung: sich eine Dreiviertelstunde nach Sonnenuntergang - spätestens gegen 23 bis 23.30 Uhr - in Position bringen. Zunächst sollte man sich einen erhöhten Standpunkt suchen, der einen freien Blick in Richtung Nord-Nordwest auf den Horizont bietet, wo Neowise erscheint - „direkt unterhalb des Sternenbildes Großer Wagen“, so Maasewerd. In der Nähe von Städten sollten sich Sternengucker an die Nordseite bewegen, um nicht am Horizont auf die nächstgelegene hell erleuchtete Stadt zu schauen. Auch ein Fernglas sollten man nicht vergessen.

Für Fotografen hat Maasewerd folgende Tipps: eine Belichtungszeit von etwa fünf Sekunden bei einer ISO-Zahl von 1600 und einer kleinen Blendenzahl zwischen 2,8 und 3,5, damit möglichst viel Licht ins Objektiv fällt. „Je nachdem, wie hell der Himmel ist“, so Maasewerd. Dabei sollte natürlich das Stativ nicht vergessen werden. „Ohne das geht es nicht“, so der Ascheberger.

Eine „kosmische Fügung“ nannte Peter Maasewerd den Umstand, dass sich der Koment auf den Wetterhahn der Lambertuskirche in Ascheberg setzte.

Eine „kosmische Fügung“ nannte Peter Maasewerd den Umstand, dass sich der Komet auf den Wetterhahn der Lambertuskirche in Ascheberg setzte. © Peter Maasewerd

Auch Peter Maasewerd hat mit einer normalen Spiegelreflexkamera angefangen. Mittlerweile hat der Ascheberger unter anderem zwei Teleskope, die er für seine Astrofotografie verwendet - mit Brennweiten von 480 und 910 Millimetern. Handelsübliche Durchschnittsobjektive erreichen in der Regel um die 140 Millimeter. Eine Montierung unter der Kamera sorgt dann dafür, dass sich die Kamera mit der Drehung der Erde mitbewegt, damit die Sterne auf dem Foto später klar zu erkennen sind und keine Schlieren ziehen.

Am hellsten hat der Komet bereits am vergangenen 3. Juli geleuchtet, als er der Sonne am nächsten war, so Maasewerd. Die harte Strahlung der Sonne hat das möglich gemacht. Dadurch sei Eis von der Oberfläche verdampft und es habe sich ein Staubschweif gebildet. Ebenso wie ein Gasschweif, der blau am Himmel zu erkennen war. Seither habe es nur wenige Tage gegeben, an denen die Wetterbedingungen einen uneingeschränkten Blick auf Neowise zugelassen haben. Das sei in Ascheberg in den vergangenen Wochen meist nicht der Fall gewesen - zwei Tage habe man den Kometen gut sehen können, dann eine Woche lang wieder gar nicht. „Man braucht einen wolkenlosen Himmel“, so Maasewerd.

Am Donnerstag (23. Juli) ist Neowise der Erde am nächsten. Auch Peter Maasewerd wird sich Neowise in den kommenden Tagen noch einmal anschauen, bevor der Koment voraussichtlich gegen Ende Juli nur noch schlecht mit dem menschlichen Auge zu sehen sein wird. Fotografieren wird er ihn aber nicht mehr.




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