Das Weltall fasziniert den Ascheberger Peter Maasewerd. Vor allem das, was schwer zu fotografieren ist. © Eva-Maria Spiller
Hobby-Astronomie

Milliarden Lichtjahre entfernt: Hobby-Astronom zeigt beeindruckende Bilder

Peter Maasewerd aus Ascheberg reizt vor allem das, was schwer zu fotografieren und möglichst weit von der Erde entfernt ist. Mit uns hat er beeindruckende Aufnahmen aus den Tiefen des Weltalls geteilt.

Angefangen hatte für Peter Maasewerd alles im Urlaub auf Sardinien 2014. Damals ist der Ascheberger über den glücklichen Umstand, dass seine damalige Spiegelreflexkamera eine Funktion zur Astrofotografie hatte, zu eben diesem Hobby gekommen. Bei einer guten Flasche Wein gemeinsam mit seiner Frau ist ein Bild vom Sternenhimmel und Porto Pollo mit Blick auf Korsika entstanden. „Das war gleich ein Volltreffer“, sagt Maasewerd.

Seither fotografiert Maasewerd Sternenhaufen, Galaxien wie Andromeda, die ein oder andere Supernova und verschiedene leuchtende Gasnebel. Am liebsten all die Objekte, die schwer zu fotografieren sind. „Ein irres Thema“, sagt Maasewerd, während er von Himmelsobjekten erzählt, die manchmal mehrere Milliarden Lichtjahre von unserer Erde entfernt sind. „Alles, was man an Sternen am Himmel sieht, ist in unserer eigenen Milchstraße“, sagt Maasewerd. Alles andere sei viel zu weit weg. Alles außerhalb unserer Milchstraße sei – mit Ausnahme unserer Nachbargalaxie Andromeda – für das bloße Auge zu weit weg. Schummerige Nebel und ferne Galaxien – genau das sind die Objekte, die den Ascheberger reizen.

294 Astrofotos sind in 994,2 Stunden Belichtung entstanden

Seit 2014 hat Maasewerd 294 Astrofotos aufgenommen. Dafür hat seine Kamera ganze 994,2 Stunden den Nachthimmel belichtet. Zuletzt hat Maasewerd auch eindrucksvolle Aufnahmen von dem Kometen Neowise, der im Juli über Deutschland hinweggezogen ist, gemacht.

Möglich ist ihm das vor allem, weil er auf seinem Balkon mittlerweile eine eigene kleine Sternenwarte gebaut hat. Für die Aufnahme des Sternenhimmels muss Maasewerd nachts die Kamera ausrichten und starten. Ab dann läuft fast alles automatisch. Eine zusätzliche Apparatur – eine sogenannte Montierung – sorgt dafür, dass die Erdumdrehung ausgeglichen wird. Ein weiteres Teleskop mit Kamera – ein sogenannter „Guider“ – beobachtet das zu fotografierende Objekt.

Fotostrecke

Astronomie-Fotos von Peter Maasewerd

Bewegt sich dieses, schickt der „Guider“ einen Korrekturimpuls, wodurch sich die Kamera neu ausrichtet. Maasewerds längste Belichtungszeit liegt bei 30 Stunden, in denen seine Kamera mehrere Einzelbilder aufgenommen hat, aus denen am Ende ein störungsfreies Bild errechnet wird. Aus den Hunderten von gestapelten Einzelaufnahmen könnten so auch Satelliten und Flugzeuge herausgerechnet werden. Und auch die unzähligen Satelliten, die Elon Musk für ein flächendeckendes Internet ins All schieße, so Maasewerd.

Und was braucht es für ein gutes Astrofoto? „Bis vor zwei Jahren habe ich mit einer normalen Spiegelreflexkamera fotografiert“, sagt Maasewerd. Erst dann habe er sich eine sogenannte Astrokamera zugelegt. Diese sind lichtempfindlicher und können auch sehr schwach leuchtende Objekte aufnehmen, während normale Kameras ein stärkeres Lichtrauschen verursachen würden.

Die Basis: Eine Kamera, ein Teleskop und ein wenig Kontrolle

Nichtsdestotrotz könne man mit einer normalen Spiegelreflex gute Ergebnisse erzielen, so Maasewerd. Als Basis für die Astrofotografie empfiehlt der Ascheberger eine Kamera, ein Teleskop und eine Montierung zum Ausgleich der Erdumdrehung. Und einen dunklen Flecken Erde – oder besser gesagt Himmel.

„Der Trick für alles, was man fotografiert, ist eine lange Belichtungszeit“, sagt Maasewerd. Auch Hintergrundwissen zur Fotografie und Bildbearbeitung helfe sehr. Dabei gebe es auch sehr hochwertige Steuerungs- und Bildbearbeitungsprogramme, die die Idealisten unter den Astrofotografen kostenlos anbieten – wie etwa „N.I.N.A“ und „DeepSkyStacker“.

Online gebe es zudem viele Tutorials, mit deren Hilfe man schnell voran komme in der Astrofotografie, so Maasewerd. „Wenn einen das einmal gepackt hat und man sich darauf einlässt, dann kann man unglaublich schnell lernen. Vor 20 Jahren hätte man ein riesen Observatorium gebraucht und ein halbes Leben, um sich das Wissen anzueignen. Heute gibt es Communities [„Gemeinschaften“, Anm. d. Red.], die einem da weiterhelfen. Auch bei den ersten dummen Fragen.“

Als Wissenschaftler versteht sich Maasewerd in der Astrofotografie allerdings nicht. „Ich mache eher pretty pictures“, sagt der Ascheberger und lacht. „Ich hoffe, dass ich auch mal was entdecke, was noch keiner entdeckt hat“, sagt Maasewerd. Ein Beispiel: der sogenannte Squid-Nebel (zu Deutsch Tintenfisch), der 2012 vom französischen Hobby-Astronomen Nicolas Outters entdeckt worden war, nachdem ihn viele Astronomen wegen seiner geringen Strahlung zuvor offenbar übersehen hatten. „Auf sowas warte ich auch noch“, sagt der Ascheberger.

Maasewerd: „Ich habe schon einen ganzen Zoo aufgenommen“

Die Astronomen werden bei den Bezeichnungen der Himmelsphänomene zuweilen ziemlich kreativ und lehnen sich neben Gegenständen oft an die Formen von Tieren an, wie der sogenannte Fledermausnebel. „Ich habe schon einen ganzen Zoo von Astrotieren aufgenommen“, sagt Maasewerd und lacht.

Das Weltall fasziniert den Ascheberger Peter Maasewerd. Vor allem das, was schwer zu fotografieren ist.
Die Milchstraße erstrahlt über dem Vulkan Teide auf Teneriffa. Die Landschaft wird vom Vollmond beleuchtet. Ein Skyscape aus dem Jahre 2016, aufgenommen mit einer normalen Spiegelreflexkamera. © Peter Maasewerd © Peter Maasewerd

Künftig will der Ascheberger vor allem wieder mehr Aufnahmen bei Nacht im Gelände machen und sogenannte Nightscapes („Landschaften mit Sternenhimmel bei Nacht“) fotografieren. Neue Objekte interessieren Maasewerd dabei weniger: „Ich will nur besser werden. Ich will an die Grenze dessen kommen, was ich mit meinem Equipment noch hinbekomme.“ Erst dann werde er sich nach neuer Technik umschauen.

Während im Frühling vor allem „Galaxy-Season“ – die Saison der Galaxien – ist, stehen im Herbst vor allem die Nebel der eigenen Galaxie im Fokus der Astrofotografen. „Denn im Herbst und Winter schauen wir nachts auf unserer Umlaufbahn um die Sonne in Richtung unserer Milchstraße“, so Maasewerd.

Ein Thema, was unabhängig von der Jahreszeit ein Problem für die Astrofotografen ist, ist die sogenannte Lichtverschmutzung, die übermäßige Beleuchtung von Städten bei Nacht. Die kann Astroaufnahmen deutlich erschweren. Deshalb beeindruckt Maasewerd die Arbeit des Projektes „Paten der Nacht“, die bundesweit Gemeinden bei der Beleuchtung etwa von Wohngebieten beraten. www.astrobin.com/users/pete_xl

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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