Missbrauchs-Prozess von Ascheberg: Vater hat Tochter über Jahre missbraucht

mlzLandgericht Münster

Eine junge Frau zeigt ihren Vater an. Es geht um schweren sexuellen Missbrauch. Er bestreitet. Doch die Richter glauben ihm nicht. Nun ist das Urteil in dem wochenlangen Prozess gefallen.

Ascheberg, Drensteinfurt, Münster

, 20.10.2020, 14:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine falschen Anschuldigungen, keine erfundene Geschichte: Ein 58-jähriger Familienvater ist am Dienstag vom Landgericht Münster zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter sind überzeugt, dass der Angeklagte seine älteste Tochter sexuell missbraucht hat – erst in Ascheberg, später in Drensteinfurt und im Sauerland.

Das Mädchen war gerade acht Jahre alt geworden, als es vom Vater laut Urteil zum ersten Mal zu sexuellen Handlungen überredet wurde. Wie oft es danach zu weiteren Übergriffen kam, ist unklar. Im Urteil stehen 15 Fälle, doch das könnte längst nicht alles gewesen sein. „Die Kammer ist überzeugt, dass es zu zahlreichen weiteren Missbrauchstaten gekommen ist“, so Richter Matthias Pheiler. Eine genaue Konkretisierung sei aufgrund der Vielzahl aber nicht möglich.

Mutter des Mädchens war fassungslos: „Das darf nicht wahr sein“

Die Tochter war 2016 aus der Familie geflüchtet und hatte ihren Vater kurze Zeit später angezeigt. Als Mitarbeiter des Jugendamtes daraufhin in seiner Wohnung erschienen waren, hatte seine Ehefrau laut Urteil so reagiert: „Nein, nein. Das darf nicht wahr sein. Deshalb hat er mich nicht mehr angefasst.“

Der Angeklagte selbst hatte die Vorwürfe bis zuletzt bestritten und unter anderem behauptet, dass er praktisch nie mit seiner Tochter allein gewesen sei. Das nahmen ihm die Richter allerdings nicht ab. Dagegen spreche schon der gesunde Menschenverstand, hieß es am Dienstag.

Richter ist sicher: „So etwas kann man nicht erfinden“

Die Taten passierten laut Urteil im elterlichen Schlafzimmer, im Keller, in der Badewanne und später im Rahmen eines kurzen Urlaubs im Sauerland. Dass es sich nicht um ausgedachte Vorwürfe handele, zeige schon der große Detailreichtum. „So etwas kann man nicht erfinden“, so Richter Pheiler. Außerdem hätte die Tochter ihren Vater auch noch schwerer beschuldigen können. Das habe sie jedoch nicht getan.

Tochter leidet bis heute an den Folgen

Dass die heute 20-Jährige erst so spät von den sexuellen Übergriffen erzählt hat, könnte auch mit dem autoritären Klima in der Familie zu tun gehabt haben. „Für uns steht fest, dass der Umgang mit den Kindern von Dominanz und Strenge geprägt war“, so Pheiler. „Regelmäßig wurden die Kinder auch angeschrien.“

Die Tochter leide bis heute unter den Folgen. Sie habe Schlafprobleme und Panikattacken. Außerdem falle es ihr schwer, Beziehungen zu anderen Menschen aufzunehmen. Trotzdem gelinge es ihr, den Alltag gut zu bewältigen. Mit ihrem Urteil blieben die Richter ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die sechs Jahre Haft gefordert hatte. Der Angeklagte hatte auf einen Freispruch gehofft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt