Wie bei einem Wasserfall läuft das gestaute Wasser zurück in die Außengräfte. © Claudia Hurek
Schloss Westerwinkel

Mit Video: Herbern hat für kurze Zeit einen eigenen kleinen Wasserfall

Wasser marsch hieß es am Donnerstag am Schloss Westerwinkel. Ein Bagger öffnete zwei Dämme und schuf damit einen kleinen Wasserfall. Das Spektakel hatte aber auch einen ernsten Hintergrund.

Ein Spaziergang im Schlosspark von Westerwinkel ist zu jeder Jahreszeit lohnend. Aber im Herbst, wenn sich die Blätter färben und die tiefstehende Sonne alles in ein warmes Licht taucht, ist er besonders schön. In den vergangenen vier Wochen konnten die Spaziergänger zudem noch beobachten, wie die Gräfte auf der westlichen Seite des Schlosses entschlammt wurden, um die Wasserqualität zu verbessern. Am Donnerstag (5. November) öffnete nun ein Bagger die zwei Dämme, die zur Entschlammung der Außengräfte errichtet worden waren. Und das Wasser konnte nun an seinen ursprünglichen Platz zurückfließen.

„Ein ganz großer Dank geht hier von unserer Seite an das Lohnunternehmen Heinrich Krampe“, so Rentmeister Stefan Grünert: „Was die Jungs in der kurzen Zeit hier auf die Beine gestellt haben, ist aller Ehren wert. Teilweise mit drei Baggern und neun Mulden wurden hier riesige Schlammmassen bewegt.“ Insgesamt rund 30.000 Kubikmeter.

„Das sollte jetzt erstmal für zumindest die nächsten 100 Jahre ausreichend sein“, so Stefan Grünert, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Dienstjubiläum als Rentmeister feiern durfte. Eine geplante Feier konnte aufgrund von Corona nicht stattfinden. Nicht dem Coronavirus, sondern der Nervenkrankheit Botulismus fielen Hunderte Enten und Fische (Karpfen, Aale, Weißfische) im Schlosspark zum Opfer. „Aus diesem Grund war die durchgeführte Maßnahme unumgänglich“, weiß Grünert.

Dieses Virus ist auf ungünstige Wasserzustände zurückzuführen. Die Gräfte hatten auch in den vergangenen Jahren mit geringen Wasserständen, Algenbildung und wenig Sauerstoff zu kämpfen. Irgendwann „kippt“ dann die Wasserqualität und Bakterien werden produziert. Diese Bakterien produzieren ein Nervengift – mancher Mensch lässt es sich als Botox zur Glättung von Falten freiwillig spritzen -, das letzten Endes für das massive Tiersterben verantwortlich war.

Fotostrecke

So liefen die Arbeiten am Schloss Westerwinkel

Das Gift lähmt die Bewegungsmuskulatur, anschließend auch die Atmung und das Herz. Aus diesem Grunde sollte man ebenfalls vom Füttern der Tiere mit Brotresten absehen. Alle nicht gefressenen Reste sinken zu Boden und fördern so ebenfalls die Ausbreitung dieser Bakterien.

Nun aber, nach Abschluss der vierwöchigen Arbeiten, dürfen sich alle tierischen Bewohner der Gräfte über biologisch einwandfreies Wasser freuen. Die Uferränder sind mit sogenannten Wasserbausteinen zusätzlich verstärkt worden. Diese Steine sind unbearbeitete Bruchsteine für eine hochwertige und dauerhafte Uferbefestigung.

Reinigungsversuch in der 60er Jahren war wenig effektiv

Bereits in den 1960er Jahren hat man die Außengräfte mit Saugbaggern versucht zu reinigen. „Das war allerdings nicht wirklich effektiv“, sagt der Rentmeister. An einigen Stellen sind noch deutlich Steinmauern zu erkennen, die früher die Ufer befestigten.

Diese werden allerdings mit zunehmendem Wasserstand bald wieder unsichtbar sein. „Durch den sogenannten Wellenschlag haben sich die Gräfte im Laufe der Jahre rund drei Meter des Uferrandes „gestohlen“. Dies wird nun durch die Befestigung mit den Wasserbausteinen für die kommenden Jahrhunderte hoffentlich verhindert.“

Über die Autorin
Redaktion Werne
Seit fast 30 Jahren ist Herbern nun unser Zuhause und seit gut vier Jahren darf ich über meinen zweiten Herzensort berichten. Ich habe einen großartigen Job als freie Mitarbeiterin, der den eigenen Horizont um ein Vielfaches erweitert.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.