Mobile Pflegerin Alexandra Schlinge (44) tröstet traurige Senioren

mlzPflege in Corona-Zeiten

Alexandra Schlinge hat Ostern auf der Arbeit in der mobilen Pflege verbracht. Für die meisten Patienten war es ein eher trauriges Fest. Die Pflegerin tröstet, wo sie kann.

Herbern

, 16.04.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stimmung bei den Pflegebedürftigen war an Ostern eher gedrückt: „Selbst im Krieg sind wir zu Ostern in die Kirche gegangen“, klagte so mancher Patient. Alexandra Schlinge (44) war über die Feiertage als mobile Krankenpflegerin im Dienst. Seit Beginn der Corona-Krise versucht sie, ihren Patienten die Sorgen zu nehmen.

„Einige von ihnen sehen viel fern und hören Radio. Corona ist da allgegenwärtig und macht ihnen Angst“, berichtet die Pflegerin. Vielen Patienten fehlen ihre Angehörigen, der Gang zur Kirche und die Einkaufsbummel. Schlinge versucht in diesen Fällen, die Patienten an all die schönen Dinge zu erinnern, die jetzt noch möglich sind, so wie Gottesdienstübertragungen im Radio und Kommunikation mit den Liebsten über Telefon und Internet.

Happy Birthday gegen schmutzige Hände

Auch die Aufklärung über das Virus gehöre im Moment zu Schlinges Job: „Ich erkläre den Patienten, wie sie sich schützen können. Beim Händewaschen sollen sie beispielsweise zweimal Happy Birthday singen - so bekommt man ein Gefühl für die 30 Sekunden, die das Waschen dauern soll.“ Dadurch würden sich verunsicherte Patienten schnell besser fühlen.

Durch die Warnungen vor Trickbetrügern seien manche Patienten auch skeptisch gegenüber den Einkaufshelfern, die sich in der Gemeinde zusammengeschlossen haben. Auch hier kann die Pflegerin beruhigen.

Kein Klopapier-Notstand mehr in Herbern

Doch auch materielle Sorgen und Nöte nimmt Schlinge ernst: „Es kann nicht sein, dass jemand ohne Kaffee oder Klopapier dasteht. Da mache ich mich auch nach dem Dienst noch auf dem Weg“, erzählt sie. „Das ist doch selbstverständlich, dass man das tut. Wenn sich Ihre Nachbarin das Bein brechen würde und nicht mehr einkaufen könnte, würden Sie sich auch kümmern“, fügt sie hinzu.

Zu Beginn der Krise, als das Toilettenpapier allerorts ausverkauft war, hatte Schlinge sogar ein Zehnerpack im Kofferraum liegen. „Wer dann dringend Papier brauchte, hat zwei Rollen von mir bekommen. Alte Menschen sollten nicht durch drei Läden laufen müssen, um irgendwo Klopapier zu ergattern“, findet die Pflegerin. Inzwischen habe sich die Toilettenpapier-Situation in und um Herbern beruhigt. In den meisten Geschäften seien die weißen Rollen wieder zu bekommen.

Hamsterkäufer werden im Supermarkt kritisch beäugt

Wenn Schlinge für ihre Patienten einkauft, dann wird sie ab und zu von anderen Kunden schief angeschaut. „Wenn man mehrere Pakete Kaffee kauft, entsteht schnell der Eindruck, dass man hamstert“, berichtet die Pflegerin. „Wenn ich aber meine Arbeitsjacke anhabe oder erkläre, dass ich für meine Patienten einkaufe, bekomme ich viele liebe Worte von den anderen Kunden zurück.“

Mehrere Pakete Toilettenpapier unter den Arm zu klemmen sei ihr jedoch ein wenig unangenehm: „Das würde ich höchstens in meiner Heimat Herbern machen und nicht nebenan in Davensberg. Hier auf dem Dorf kennt man sich und da sind die Leute gleich doppelt skeptisch, wenn ein Fremder ungewöhnliche Mengen an bestimmten Dingen kauft.“

Füßeln statt Umarmungen

Zu Ostern haben sich viele Patienten österliche Süßigkeiten von Schlinge mitbringen lassen. Von denen bekam sie auch manche wieder zurück: „Ostern war sehr herzlich. Fast jeder hat mir eine kleine Aufmerksamkeit mitgegeben und es fiel zum Teil wirklich schwer, sich nicht zu umarmen“, berichtet die Pflegerin.

Auf körperliche Kontakte verzichtet die Herbernerin schon seit einigen Wochen so weit wie möglich. Unter ihren Patienten habe sich der „Fuß-Gruß“ etabliert. Dabei schüttelt man sich nicht die Hand, sondern berührt sich mit den Füßen.

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