Vier Monate nach Geschäftsaufgabe: Das passiert mit den Räumen vom Schuhgeschäft Schenking

mlzEinzelhandel in Herbern

Vor vier Monaten ging in Herbern eine Ära zu Ende. Rita Schenking (65) schloss ihr traditionsreiches Schuhgeschäft am Kirchplatz. Die Räume stehen noch leer, doch Interessenten gibt es.

Herbern

, 30.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit „zwei lachenden Augen“ hat Rita Schenking am 31. März 2019 ihr gleichnamiges Schuhgeschäft aufgegeben. Damit endete auch die Geschichte eines Familienunternehmens. Seit 1893 verkauften die Schenkings in dem kleinen Laden am Kirchplatz in Herbern Schuhe.

Rita Schenking führte das Geschäft in der dritten Generation. Vor vier Monaten machte die 65-Jährige Schluss. Der Druck der Online-Konkurrenz und anderer großer Firmen und das passende Rentenalter spielten bei der Entscheidung eine Rolle.

Schuhe gibt es hier noch

Seitdem steht das rund 100 Quadratmeter große Geschäft am Kirchplatz leer. Vor den Fenstern hängen Gardinen, im Innern hat sich nicht viel verändert. Sogar Schuhe gibt es hier noch. Etwa 250 Herbst- und Winterschuhe, die Schenking bei ihrem Räumungsverkauf im Frühjahr nicht verkaufen konnte, liegen noch in einem der Lagerräume. Die letzten Paare werde sie wohl in den kommenden Wochen bei speziellen Aufkäufern los, so Schenking.

Doch was passiert mit den Räumen? „Erst einmal bleibt es so, wie es ist“, sagt Rita Schenking. Denn bevor das Geschäft vermietet werden kann, muss ordentlich renoviert werden. „Man müsste mindestens 60.000 Euro investieren“, schätzt Schenking.

Viel Renovierungsarbeit nötig

Demnach müssten neue Abflüsse gelegt, die Decke erneuert, die Böden und die Eingangstür ausgetauscht werden, erklärt die Herbernerin weiter. Vor allem die Trennung der Wasserleitungen zu ihrem Privatbereich, der sich über dem Geschäft befindet, sei sehr aufwendig.

Es sind Investitionen, die Schenking nicht stemmen möchte. Dass die Räume vermietet werden, schließt sie dennoch nicht aus. Voraussetzung ist aber, dass der Nachfolger selbst in die Renovierung investiert. Man könne dann über eine vergünstigte Miete sprechen, so Rita Schenking weiter.

Absage an Hundesalon

Interessenten gab es für das Geschäft an exponierter Lage bereits. Ein Vertrag kam aber aus unterschiedlichen Gründen bislang nicht zustande. Ein Hundesalon etwa wird es hier nicht geben.

Dafür hätte man zu viel umbauen müssen. „Man muss die Hunde ja auch irgendwo unterbringen. Und ich wollte selber nie einen eigenen Hund haben und möchte jetzt auch nicht die Hunde anderer Leute hier haben“, sagt Schenking.

Einen Paket-Service hingegen könne sie sich schon eher in ihrem ehemaligen Schuhgeschäft vorstellen. „Da wäre der Aufwand der Renovierung nicht riesengroß“, sagt die 65-Jährige.

Schritt nicht bereut

Bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist, bleibt das Geschäft also weiter leer. Sie selbst braucht die Räume nicht, erklärt Schenking. Dass sie seit dem 31. März hier keine Schuhe mehr verkauft, bereut Rita Schenking nicht. Vor allem die vergangenen Jahre, als sie nach dem Tod ihres Mannes Willi im Jahr 2001 alles allein stemmte, waren nicht immer einfach. Seit den 70er-Jahren hatte das Ehepaar das Geschäft gemeinsam geführt.

Nun ist Rita Schenking in Rente gegangen. „Mir geht es wunderbar. Ich genieße die Zeit.“ Nun könne sie sich verstärkt um ihre 91-jährige Mutter kümmern. Darüber hinaus hat Rita Schenking nun mehr Zeit, um ihre Freundschaften zu pflegen.

„Am meisten vermisse ich die Kinder“

Ihre ehemaligen Stammkunden gönnen es ihr. „Sie waren traurig, dass es hier nicht mehr weitergeht. Junge Mütter haben gesagt, dass sie doch mit mir ihre Kinder groß kriegen wollten“, erzählt Rita Schenking und weiter: „Ach, die Kinder. Mit ihnen war das immer besonders schön. Das ist es, was ich am meisten vermisse.“

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