Plattdeutsche Gedichte von Theo Heimann bei Hugo im Dahl

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Wer die Gabe besitzt, Leuten eine Freude machen zu können, für den ist dieses Talent eine Verpflichtung. Dem kommt Theo Heimann gerne nach. Er las seine Gedichte im Fischlokal Hugo im Dahl.

Herbern, Capelle

, 08.02.2019, 10:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Capeller Landwirt Theo Heimann (87) hatte sich für Donnerstagabend zur plattdeutschen Lesung im Fischrestaurant „Hugo im Dahl“ angekündigt. Schon nach wenigen Tagen vermeldete Inhaberin Gabi Ledendecker: ausverkauft.

Plattdeutsche Gedichte von Theo Heimann bei Hugo im Dahl

Heimatdichter Theo Heimann unterhält die Gäste mit seinen ganz persönlichen Gedichten in plattdeutscher Mundart. © Helga Felgenträger

„Mit dieser Resonanz hatte ich nicht gerechnet“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Kann man denn heute noch jemanden mit einem plattdeutschen Abend begeistern? Sie wurde eines Besseren belehrt.

Theo Heimann liebt und lebt die plattdeutsche Sprache

Denn ein Abend mit Theo Heimann ist kein gewöhnlicher Abend. Heimann lebt die plattdeutsche Sprache. Seine Gedichte hat er selbst ersonnen: beim Traktor fahren, Kartoffeln rumbringen, auf der Gartenbank oder bei einem Ausflug nach Leipzig.

„Es sind Gedichte mit Tiefgang“, wie schon die Augustin-Wibbelt-Gesellschaft in ihrem Sonderdruck anlässlich seines 80. Geburtstages 2011 feststellte.

Heimann erhielt schon Dutzende Dankesbriefe

Zu Hause haben sich Dutzende Dankesbriefe aus Nah und Fern angesammelt. Wo der Capeller Landwirt mit seinen „schönen Worten, die Bilder malen“, wie einst eine Zuhörerin schrieb, auftritt, sind die Menschen begeistert.

Plattdeutsche Gedichte von Theo Heimann bei Hugo im Dahl

Zu einem plattdeutschen Abend mit Drei-Gänge-Menü hatte Wirtin Gabi Ledendecker in ihr bekanntes Fischlokal Hugo im Dahl eingeladen. © Helga Felgenträger

„Ich kann es selbst nicht fassen, dass meine Gedichte auf so viel Resonanz stoßen“, sagt er. „Ich habe doch gar keine Schulbildung. Von Unterricht konnte man doch in den Kriegsjahren gar nicht reden.“


Erst Stellmacher, später selbstständiger Landwirt

Heimann erlernte mit 14 Jahren den Beruf des Stellmachers, ging dann zu Westfalia Lünen und machte sich später noch als Landwirt selbstständig. Er begreife es bis heute nicht, dass er mit seinem Gedichtband „Gedanken kann´s liäsen“ ins Deutsche Literaturlexikon (2010) aufgenommen wurde.

Sein Buch (1993) ist inzwischen in der dritten Auflage erschienen. 8000 Exemplare wurden in Westfalen verkauft. Zu der Veröffentlichung hatte man ihn regelrecht gedrängt, wie er sich erinnert. Ein Kursteilnehmer eines Plattdeutsch-Kurses in Münster meinte, er müsse mit seinen Gedichten unbedingt ein Buch herausgeben.

„Moderspraok“: Plattdeutsches Gedicht an die Mutter

Auch im Fischrestaurant in Herbern sind die Gäste ganz Ohr. Bei seinem Gedicht an seine Mutter ist es ganz still. „An diene Moderspraok, dat was de erste Brügg“ – die Muttersprache, die dich ein Leben lang hält.

Von Klein auf hatte er einen Hang zum Dichten. Sein Schulaufsatz über die Taube reichten die Lehrer zur Nachahmung an andere Schulen weiter. Bis zur Veröffentlichung seines Gedichtbandes hatte er kein einziges Gedicht aufgeschrieben, mehr als 100 Gedichte kann er auswendig aufsagen.

Bruder Ludger erkannte Theos Talent

Sein Bruder Ludger, der das große Glück hatte, studieren zu können, wie Theo Heimann bewundernd feststellt, der habe das große Talent in ihm erkannt. Wer die Gabe besitzt, Leuten eine Freude machen zu können, für den ist es auch eine Verpflichtung, es zu tun.

Und das ist Theo Heimann auch am Donnerstagabend wieder gelungen. Die Gäste waren hocherfreut.

Es gibt noch einen Folge-Termin des Plattdeutschen Abends mit 3-Gang-Menü für 24,50 Euro bei Hugo im Dahl, Nordick-Dahlweg 7, 59387 Ascheberg-Herbern, am Donnerstag, 14. März 2019, ab 18.30 Uhr. Anmeldung unter Tel. (02599) 98903.
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