Angrenzend an das bereits bestehende Gewerbegebiet Ondrup entsteht ein uneingeschränktes Gewerbe- und Industriegebiet. © Gemeinde Ascheberg
Industriegebiet in Herbern

Sorge von Anwohnern nach „OK“ für uneingeschränktes Industriegebiet Ondrup

In Herbern entsteht in unmittelbarem Anschluss an das Gewerbegebiet Ondrup ein uneingeschränktes Industriegebiet. Dabei fehlen Anwohnern zufolge viele Gutachten und Voraussetzungen.

Das uneingeschränkte Industriegebiet Ondrup in Herbern kommt. Der Bau- und Planungsausschuss (BPA) der Gemeinde Ascheberg hat am Donnerstag (25. Februar) die 76. Änderung des Flächennutzungsplanes (FNP) für die Erweiterung des schon bestehenden Gewerbegebietes abgesegnet und den Entwurf und die Offenlage des Bebauungsplanes für das Gebiet H33 beschlossen.

Anwohnern macht das Bauchschmerzen. Denn in dem uneingeschränkten Industriegebiet sind rechtlich nun auch Tierverbrennungsanlagen, ein Krematorium oder Schwerindustrie denkbar. Auch wenn Klaus van Roje von der Gemeinde am Donnerstag erklärte, das nicht alles komme, was auch ginge.

Weder Immissions- noch Verkehrsgutachten liegen vor

Doch nicht nur das bereitetet den Anwohnern Sorge, auch das Drumherum: Denn es gibt weder ein Immissions- noch ein Verkehrsgutachten für das uneingeschränkte Industriegebiet, das der BPA nun abgesegnet hat. Andreas und Irene Prudons Grundstück grenzt direkt an das neu entstehende Industriegebiet. Sie können diesen Schritt der Gemeinde nicht verstehen.

Andreas Prudon, selbst Architekt mit dem Schwerpunkt für Industrie- und Gewerbebau, sagt: „Das ist schon eine Frechheit.“ Denn in dem neuen Flächennutzungsplan ist anstelle eines GI für Gewerbe- und Industriegebiet nur ein G für Gewerbegebiet angeführt. Sei er an Bauvorhaben beteiligt, müssten „sehr sehr viele Auflagen“ gemacht werden.

Doch schon jetzt reichten die Zufahrtsstraßen für das Gewerbegebiet nicht aus, wie solle das also aussehen, wenn das Gebiet erweitert wird? In der Begründung für den Bebauungsplan heißt es: „Erhebliche Veränderungen der Verkehrsmengen sind auf den umliegenden Straßen im Nahbereich voraussichtlich nicht zu erwarten, da durch unterschiedliche Fahrtmöglichkeiten eine direkte Aufteilung verkehrlicher Beziehungen erfolgt. Die benachbarten Verkehrsflächen weisen einen ausreichenden Ausbaustandard auf.“

Mit Verkehr wird über die Lindenstraße und die Straße An der Vogelrute gerechnet. Letztere soll verlängert werden und an deren Ende eine Wendeanlage von 10 Metern Breite gebaut werden. In einem Ausnahmefall würden Erschließungszufahrten von der Ondrup-Ondruper Straße ermöglicht.

In der Vergangenheit sei ihre Grundstückszufahrt regelmäßig von be- und entladenden Lkw oder Gabelstaplern zugeparkt gewesen, sodass Irene Prudon nicht mehr von ihrem Grundstück heruntergekommen sei. Mitarbeiter einer benachbartem Firma parkten vor dem Grundstück und Lkw konnten in dem Wendehammer gar nicht wenden. Und Fernfahrer hätten aus Mangel an Alternativen ihre Notdurft teils im Vorgarten der Prudons verrichtet, ergänzt Andreas Prudon.

Schon jetzt reichten die Kreisverkehre und Zufahrten nicht aus

Nun, so Andreas Prudon, wolle man Industrie an ein Wohn- und Gewerbegebiet ansiedeln, obwohl jetzt schon die Kreisverkehre des Dorfes nicht auf Lkw ausgelegt seien, nicht zu sprechen von den Zufahrtswegen aus Werne, Herbern oder Münster. „Ganz Herbern ist nicht dafür geeignet, große Lkw-Flächen aufzunehmen.“

Nicht nur missachte die Gemeinde die Trennung von Wohn- und Industriegebiet in Herbern „sehr sträflich“ – viele Gewerbetreibende haben ihre Wohnhäuser mit auf dem Gelände ihrer Firma – auch ein Konzept über Zuwege und eine Änderung der Verkehrsregeln fehle.

Auch die Themen Abstandsregeln und Entwässerung kommen Andreas Prudon zu kurz. Die Schächte an dem Wohnhaus seien 1 Meter breit. Siedele man Industrie an, brauche es unter Umständen eine eigene Pumpstation. Klar wolle man als Gemeinde flexibel gegenüber Gewerbetreibenden sein, sagt Andreas Prudon. „Das kann man auf freier Flur machen, aber für mich ist das Gewerbegebiet eingeschlossen von Wohnbebauung. Das kann nicht im Interesse der Anwohner sein.“ Das alles, so Andreas Prudon, sei noch nicht reif.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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