Streift tatsächlich ein solcher Wolf durch die Wälder ums Wasserschloss Westerwinkel? © picture alliance/dpa
Westerwinkel

Spaziergänger berichten von Sichtungen: Streift ein Wolf durch Herbern?

Ein Wolf, der durch die Wälder um Westerwinkel streift - kann das wirklich sein? Spaziergänger wollen ein solches Tier in Herbern gesichtet haben. Ganz ausgeschlossen ist das nicht, sagt ein Experte.

War es einer oder doch nicht? Mehrere Spaziergänger haben in den vergangenen Wochen in Herbern davon berichtet, einen Wolf gesehen zu haben. Und zwar in den Wäldern von Westerwinkel. Kann das sein? Hat es tatsächlich eines der Tiere nach Herbern verschlagen? Womöglich sogar ein ganzes Rudel? Und falls ja: Welche Folgen hat das für Mensch und Tier?

Das haben wir Joachim Westhues vom Hegering Herbern gefragt. Und der kann die aufgebrachten Gemüter zunächst einmal beruhigen: Selbst wenn es sich tatsächlich um einen Wolf gehandelt haben sollte, bestehe dadurch nicht gleich eine große Gefahr für den Menschen. „Wölfe sind scheue Tiere. Sie würden weglaufen, wenn sie einen Menschen sehen“, sagt Westhues. Spätestens wenn besagter Mensch laut in die Hände klatscht und sich groß macht, tritt im Normalfall selbst der tapferste Wolf den Rückzug an.

Davert könnte ein attraktives Gebiet für Wölfe sein

Die angeblichen Sichtungen in den vergangenen Wochen kann Westhues nicht bestätigen. Aber der Sprecher des Hegerings sagt auch: Der Wolf rückt näher – und das ist keineswegs unproblematisch: „Man muss das Thema ernst nehmen. Vor allem die Landwirte, die Schafe oder Rinder auf der Weide halten, sind zu recht besorgt. Wer möchte schon, dass die Tiere dort gehetzt und getötet werden?“

Vor allem große Wald- und Wildgebiete wie die Davert könnten attraktiv für Wölfe sein. Und es sei sogar wahrscheinlich, dass hier irgendwann einmal ein Wolf auftaucht – oder sogar bereits durchgestreift ist, ohne das Gebiet gleich dauerhaft zu seinem Lebensmittelpunkt auserkoren zu haben. Denn tatsächlich liegen einige bestätigte Wolfsichtungen der jüngeren Vergangenheit gar nicht so weit entfernt von Herbern. So listet das Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) Nordrhein-Westfalen unter anderem Sichtungen in Sendenhorst vom 25. Januar 2018 sowie Dülmen vom 18. und 29. Mai 2020 auf.

In zwei Fällen handelte es sich um Sichtnachweise in Form von Fotos, im dritten Fall um eine Analyse nach einem Wildtierriss. Auch in Haltern am See gab es am 19. und 24. Mai 2020 sowie am 19. Juli 2020 Nachweise in Form von Fotos sowie Kot- und Urinspuren. Teils konnte dabei sogar ermittelt werden, woher das Tier stammt. Hier handelte es sich um ein Weibchen aus dem Rudel Schneverdingen in Niedersachsen.

Gut möglich also, dass eines der Tiere schon mal durch Herbern gestreift ist. Denn eine Distanz von 25 oder 30 Kilometern ist für einen Wolf laut Westhues problemlos in einer Nacht zu bewältigen. Dass ein Spaziergänger einen Wolf mit einem Hund verwechselt haben könnte, sei sogar eher unwahrscheinlich. Dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an, dass sich manche Hunde-Rassen und Wölfe optisch ähneln.

Verwechslungen von Hund und Wolf sind unwahrscheinlich

„Damit es zu Verwechslungen kommt, müssten es ja wildernde Hunde sein. Und davon gibt es nicht viele“, sagt Westhues. Er habe in seinem Revier in Herbern zumindest noch nie ein solches Tier gesehen. Höchstens mal einen entlaufenen Hund, bei dem der Halter dann heilfroh war, als sein vierbeiniger Gefährte zurückkehrte.

In Sachen Wolfspolitik hat Westhues eine klare Meinung: Die Wolfspopulation darf nicht Überhand nehmen – genauso wenig wie die Population des Rehwilds. „Es wird der Tag kommen, wo man sich ernsthaft damit auseinandersetzen muss, welche Grenzen man den Wölfen noch lässt. Ihre Anzahl wird ansteigen und daraus ergeben sich dann Interessenskonflikte und Probleme“, sagt Westhues.

Da wären zum einen natürlich die Landwirte, die zunehmend den Verlust ihrer Weidetiere beklagen könnten – und zum anderen die steigende Gefahr von Verkehrsunfällen. Sei es durch den Wolf selbst oder durch ein von ihm aufgescheuchtes Tier, das auf der Flucht die Fahrbahn kreuzt. So oder so – ein Wolf bedeutet Unruhe.

Noch genießen die Tiere zwar den höchstmöglichen Schutz und dürfen daher nicht bejagt werden – doch das heißt nicht, dass es keine Ausnahmen gibt. Sofern es sich um Wölfe mit „auffälligem Verhalten“ handelt, dürfen die Tiere nämlich auch getötet werden. „Das Land NRW wird alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um verhaltensauffälligen Wölfen wirksam zu begegnen. Dazu zählt als letztes Mittel auch der Abschuss eines Wolfes“, heißt es dazu vom Lanuv. Letzteres könne etwa geschehen, um den Schutz der Bevölkerung oder Nutztiere zu gewährleisten. Ein Szenario, von dem man – nach jetzigem Stand – rund um Westerwinkel allerdings noch ziemlich weit entfernt ist.

Die Begegnung zwischen Mensch und Wolf

  • Die direkten Begegnungen zwischen Mensch und Wolf verlaufen in der Regel unproblematisch. Seitens des Lanuv NRW heißt es hierzu: „Aus den bisherigen bundesweiten Auswertungen geht hervor, dass der weit überwiegende Teil der Begegnungen eines Wolfs mit Menschen in Deutschland kein auffälliges Verhalten darstellt.“
  • Laufe etwa ein Wolf in Sichtweite von Ortschaften oder Einzelgehöften oder bei Nacht direkt an Ortschaften vorbei, bestehe kein Handlungsbedarf. Dies gelte auch für Wölfe, die nicht sofort beim Anblick von Menschen und Autos flüchten, sondern zunächst stehen bleiben und beobachten. „Jungwölfe können durch ihre Unerfahrenheit und Neugierde bisweilen eine geringere Fluchtdistanz zu Menschen aufweisen als erwachsene Wölfe. Insofern handelt es sich bei diesen Verhaltensweisen nicht um ein problematisches oder gar gefährliches Verhalten“, so das Lanuv weiter.
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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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