Zu groß und zu nah an den Nachbarn: Combi kommt doch nicht nach Ascheberg

Supermarkt im Ortskern

Combi kommt doch nicht nach Ascheberg. Der Bau des Supermarktes platzt, weil der Investor keinen genehmungsfähigen Entwurf vorlegen kann. Nun ruft die Gemeinde ein neues Bieterverfahren aus.

Ascheberg

, 22.02.2019, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Platz für einen neuen Supermarkt: Das Feuerwehrgerätehaus sowie die Rettungswache sollen weichen und an der Ecke Lüdinghauser Straße / Raiffeisenstraße einen neuen Standort finden. Die Pläne des Investors Bünting, hier einen Combi-Supermarkt zu bauen, können nicht genehmigt werden, teilte die Gemeinde Ascheberg nun mit.

Platz für einen neuen Supermarkt: Das Feuerwehrgerätehaus sowie die Rettungswache sollen weichen und an der Ecke Lüdinghauser Straße / Raiffeisenstraße einen neuen Standort finden. Die Pläne des Investors Bünting, hier einen Combi-Supermarkt zu bauen, können nicht genehmigt werden, teilte die Gemeinde Ascheberg nun mit. © Tina Nitsche (A)

Einkaufen, entspannen und vielleicht noch Lotto spielen. Hinter der Idee eines sogenannten Vollsortimenters steckt ein Angebot im sogenannten Vorkassen-Bereich. Nebem einem gut sortierten Supermarkt gibt es etwa einen Lottoladen, eine Bäckerei und ein Blumengeschäft zu finden. Genau solch ein Vollsortimenter soll auch auf der Fläche des Feuerwehrgerätehauses und der Rettungswache im Ortskern von Ascheberg entstehen.

Das Unternehmen Bünting hatte 2015 das Bieterverfahren der Gemeinde im Rennen mit zwei weiteren Investoren gewonnen. Die Verantwortlichen planten für das Gelände an der Lüdinghauser Straße einen großen Combi-Supermarkt. Zu groß - wie sich nun herausstellt. Deshalb ruft die Gemeinde Ascheberg ab sofort ein neues Bieterverfahren aus. Dies hat der Rat am Dienstag, 19. Februar, einstimmig beschlossen.

Markt zu groß geplant

Die Hintergründe erklärten Bürgermeister Dr. Bert Risthaus und Martin Wolf aus der Bauverwaltung der Gemeinde am Freitag, 22. Februar. Demnach ist der geplante Combi-Supermarkt zu groß geplant. Der Supermarkt sollte nach den Plänen des Investors eine Fläche von 2100 Quadratmeter ausmachen bei einer Höhe von neun Metern. Die sogenannte Abstandsfläche des Gebäudes würde nach diesem Entwurf allerdings auf das Grundstück des südlichen Nachbarns ragen.

Dabei geht es nicht um das Gebäude an sich, sondern vielmehr um die Belichtung. „Das Gebäude würde im wahrsten Sinne des Wortes einen Schatten werfen“, sagt Risthaus. Dabei geht es um etwa drei Meter, so der Bürgermeister weiter.

Kein genehmigungsfähiger Entwurf von Bünting

Auf diese Problematik hat die Gemeinde den Investor Bünting mehrfach hingewiesen. Dennoch hat er keinen genehmigungsfähigen Entwurf vorlegen können. Die bauordnungsrechtliche Problematik wurde der Gemeinde erst bekannt, als der Gebäudeentwurf in eine Computergrafik des Bebauungsplanes überführt wurde, erklärt Wolf.

Weil man dem Investor aber die Möglichkeit für Veränderungen seiner Pläne gab und diese zu gravierend wären, um eine Genehmigung zu bekommen, muss die Gemeinde diese Chance auch den einstigen Mitstreiterin aus dem Bieterverfahren anbieten.

Neue Größenordnung vorgegeben

Für den nun neu gestarteten Wettbewerb gilt allerdings eine neue Größenordnung: Der neue Supermarkt soll mindestens 1400 und maximal 1800 Quadratmeter Verkaufsfläche messen und höchstens acht Meter hoch sein. Denn einen „Klotz“ an dieser zentralen Stelle im Ortskern möchten nicht nur die Anlieger vermeiden.

Auch der Eindruck in der Bevölkerung bestätigt diese Annahme. Von einem „großen Klotz“ sei etwa die Rede gewesen. „Es ist nicht nur faktisch zu groß, sondern auch gefühlt zu groß“, erklärt Wolf.

Auf der Fläche des Feuerwehrgerätehauses und der Rettungswache soll ein Supermarkt mit einer Verkaufsfläche von maximal 1800 Quadratmetern entstehen. Die Fläche, die bebaut werden darf, ist blau eingezeichnet. Auch ein möglicher Straßenverlauf der Sandstraße am neuen Gebäude ist zu sehen (gelbe Markierung).

Auf der Fläche des Feuerwehrgerätehauses und der Rettungswache soll ein Supermarkt mit einer Verkaufsfläche von maximal 1800 Quadratmetern entstehen. Die Fläche, die bebaut werden darf, ist blau eingezeichnet. Auch ein möglicher Straßenverlauf der Sandstraße am neuen Gebäude ist zu sehen (gelbe Markierung). © Gemeinde Ascheberg

Kik-Gebäude soll abgerissen werden

Neben der Größe des Gebäudes wird sich auch das Areal als solches für das neue Bieterverfahren ändern. Denn dort hat sich die Gemeinde nun mit dem südlichen Anlieger, der auch gegen die Pläne des Investors Bünting war, auf neue Grundstücksgrenzen geeinigt. So entsteht ein gerader Grundstücksverlauf. Der Anlieger kann im Gegenzug Flächen der Gemeinde nutzen.

Darüber hinaus hat die Gemeinde im südöstlichen Bereich das Kik-Gelände gekauft. Dies soll laut Risthaus abgerissen werden. So ist eine Erweiterung des neuen Supermarktes auch in östlicher Richtung möglich.

Das Kik-Gebäude hat die Gemeinde nun gekauft. Dies soll weichen für einen Vollsortimenter.

Das Kik-Gebäude hat die Gemeinde nun gekauft. Dies soll weichen für einen Vollsortimenter. © Jörg Heckenkamp (A)

Durch diese Änderungen ist das Grundstück laut Wolf mehr wert als zuvor. Der Mindestkaufpreis wird deshalb erhöht. Durch das neue Bieterverfahren verzögert sich der Bau des neuen Supermarktes laut Martin Wolf nicht.

Baubeginn wohl im Frühjahr 2020

Denn dieser hängt weiterhin von dem Baubeginn der neuen Rettungswache und dem damit verbundenen Umzug aus der jetzigen Wache auf dem besagten Gelände zusammen. Mit einer Fertigstellung ist im Frühjahr 2020 zu rechnen. Erst dann kann der Bau des neuen Supermarktes beginnen.

Mögliche Schadensersatzansprüche der Firma Bünting durch das Wiederholen des Bieterverfahrens hat die Gemeinde laut eines Rechtsguthabens nicht zu befürchten. Das Unternehmen kann auch am neuen Bieterverfahren mit einem angepassten Entwurf teilnehmen.

  • Das rund 3300 Quadratmeter große Areal teilen sich drei Eigentümer. Neben den Gemeindeflächen und dem südlichen Anlieger gibt es noch den Kreis Coesfeld, dem die Rettungswache gehört. Diese hat die Gemeinde Ascheberg nun erworben.
  • Das Feuerwehr-Gerätehaus und die Rettungswache sollen an der Ecke Lüdinghauser- und Raiffeisenstraße im Frühling 2020 einen neuen Standort finden.
  • Wie im vergangenen Bieterverfahren 2015 werden die neuen Angebote nach den Kriterien Kaufpreis (zu 40 Prozent), städtebauliche, funktionale und gestalterische Entwurfsqualität (40 Prozent) sowie Nutzungskonzept (20 Prozent) bewertet.
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