Walter Feckler war auf allen Weltmeeren unterwegs

Weltreise

In Walter Fecklers Partykeller hängt die Weltkarte. An jedem Hafen, den er als junger Offiziersanwärter ansteuerte, steckt ein Fähnchen. Im Nahen Osten, Asien und Amerika wimmelt es vor bunten Flaggen.

HERBERN

von Von Helga Felgenträger

, 05.10.2011, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Die Reise liegt zwar schon 50 Jahre zurück, aber es ist, als wäre es gestern gewesen", sagt der Herberner, vielen vom SV Herbern und Gemeinderat bekannt. Während seiner Ausbildung im Schiffsturbinen-Bau bei Siemens bereiste der junge Herberner mit großen Motor- und Tanker-Schiffen die sieben Weltmeere.

Er holt sein altes Seefahrtbuch hervor: Der erste Eintrag stammt vom 12. August 1961. Feckler hatte bei "MS Gretchen Müller" angeheuert. Der Frachter holte Kohle von England nach Deutschland. "Keine spannende Fahrt, aber ich war auf See", sagt er, wollte unbedingt die große Welt kennen lernen. Im Seefahrerheim in Hamburg war er einquartiert. Taufe im Seewasser

Bei der ersten Fahrt über den Äquator ließen es sich seine Kameraden nicht nehmen, ihn in Seewasser zu taufen. Sie umrundeten Afrika, über den Atlantik ging es zum Kap der Guten Hoffnung in Südafrika, zurück über den Indischen Ozean nach Mozambik, Somalia, übers Rote Meer durch den Suez-Kanal ins Mittelmeer.

Die Weltreise unternahm er mit der MS Lübeck. 13 Monate war der Herberner, den zwischendurch immer wieder das Heimweh plagte ("ich musste den Kirchturm sehen") von Hamburg über den Atlantik durch Mittelamerika nach Japan unterwegs.

"Wir kamen durch den Panama-Kanal", schildert er die Durchfahrt durch die künstliche Wasserstraße, die den Pazifischen Ozean mit dem karibischen Meer verbindet. "Ein imposanter Anblick", erzählt er von den beleuchteten Felsen. Beim Bau des Kanals kamen 20 Menschen ums Leben. Für jeden Toten steht ein Kreuz im Pazifik.

Im Leben von Walter Feckler fehlt ein ganzer Tag. Auf der Tour nach Japan wurden die Uhren jeden Tag eine Stunde vorgestellt. Am Ende fehlte der 12. Oktober 1962 in seinem Tagebuch. Als Schiffsassistent arbeitete der gelernte Schlosser im Maschinenraum.

Harten Anforderungen waren die Männer ausgesetzt. "Über acht Monate fuhren wir durch den Golf von Oman in den Persischen Golf nach Mina al Ahmadi, dem seinerzeit größten Ölhafen", erzählt er von der grausamen Hitze.Rauchverbot im Ölhafen

Das Thermometer stieg auf 60 Grad. Kein Alkohol, keine Zigaretten. "Rauchen im Ölhafen war strengstens verboten", sagt Feckler. Wachpersonal begleitete die Crew an Land. Im Nachhinein war es seine letzte Fahrt.

Nach diesem Erlebnis steuerte der junge Mann ein neues Ziel an: "Melde mich bitte an der Uni in Stockach am Bodensee an", schrieb er seinem Vater nach Deutschland. Von seinem Berufswunsch Schiffsingenieur war er nach vier Jahren Seefahrt geheilt. Eine richtige Entscheidung, wie der Maschinenbauer im Ruhestand heute sagt. "An meinem Studienort lernte ich meine Frau kennen."

Doch es treibt ihn wieder um: "Ein Erdteil habe ich noch nicht gesehen", sagt er und plant, mit einem Containerschiff nach Australien zu fahren. Sobald ein Passagierplatz frei ist, sei er weg. "Ich warte auf ein Frachtschiff, das mich mitnimmt". Bei der Hamburger Frachttouristik hat er sich um einen Platz beworben.

 

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