Von Zivilcourage bis Kinderprostitution: Mutmachkonzertlesung liefert bewegende Geschichten

mlzKonzertlesung der KFD

In Corona-Zeiten braucht man Menschen, die Mut machen. Norbert Nientiedt tat das zusammen mit Sebastian Rümmelein im Zuge einer Mutmachkonzertlesung der KfD Herbern in der Kirche St. Benedikt.

Herbern

, 25.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christen und Christinnen sind Menschen, die Hoffnung haben und die Mut machen“, schickte der katholische Theologe Nientiedt voraus. Deshalb tragen seine drei Bücher auch Titel, die darauf hinweisen. „Komm steh auf“, hieß sein erstes Buch, „Tu doch was“ das zweite und „Bleibe standhaft“ das dritte Buch. Aus allen drei Publikationen stellte er jeweils drei Geschichten vor.

Die Songs von John Lennon über Leonard Cohen, Simon & Garfunkel, Stan Smith und Marlene Dietrich hatten Nientiedt und Sebastian Rümmelein (Gesang/Gitarre) thematisch passend zu den Geschichten ausgewählt. Die Musik, die Rümmelein einfühlsam und versiert interpretierte, boten den 50 Frauen die Möglichkeit, sich auf eine neue Geschichte mental vorzubereiten.

Sebastian Rümmelein (Gesang/Gitarre) begleitete die Lesung musikalisch.

Sebastian Rümmelein (Gesang/Gitarre) begleitete die Lesung musikalisch. © Elvira Meisel-Kemper

Es waren in jedem Fall Geschichten über Begegnungen mit Menschen und Ereignisse, die jeder erleben könnte. „Ich hoffe, dass es bei Ihnen heute Klick macht und sie etwas für sich mit nach Hause nehmen“, wünschte sich Nientiedt vom Ambo der Kirche. Nientiedt, der in Münster lebt und dort 1948 geboren wurde, war bis 2015 am Bischöflichen Berufskolleg in Münster als Oberstudienrat und Schulseelsorger tätig. Auch diese Erfahrungen flossen in seine Bücher ein. In Münster sind auch alle Geschichten verortet.

Einsatz gegen Kinderprostitution in Thailand

Am Aasee traf er in einem Lokal Alex, der nach Thailand reisen wollte, um gegen die Kinderprostitution anzugehen. Als ein Rollstuhlfahrer als Gast hereinkam und zwei Plätze am Tisch blockierte, regte sich lautstark ein anderer Gast auf. Alex brachte ihn zum Schweigen mit der Frage, ob er sich vorstellen könne, im Rollstuhl zu sitzen.

Viele Geschichten bezogen sich auf starke Frauen. Den Schwenk dazu schaffte Nientiedt über die Frauenbewegung Maria 2.0 in der katholischen Kirche, die er positiv begrüßte. „Eine Morgendämmerung in der Kirche täte uns allen gut“, so Nientiedt. Eine junge Frau setzte sich im Bus gegen neun junge Männer durch, die ihre Musik extrem laut abspielten.

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Eine alte Dame bat sie höflich, doch die Musik leiser zu stellen, woraufhin einer der Männer sie bedrohte. Die junge Frau mischte sich ein auf Seiten der alten Dame. „Gewalt lag in der Luft. Als einer der Fahrgäste aufstand, standen alle auf, ich auch. Ich fragte mich nachher, warum ich so lange gebraucht habe, um dem inneren Ruf, tu doch was, zu folgen“, so Nientiedt. „Stay with me“ von Stan Smith war der passende Songtitel dazu.

Als Lehrer traf Nientiedt die Aussenseiterin Larissa, die sich mit der gemobbten Alexandra zusammen tat. Später traf Nientiedt sie wieder, als sie sich erfolgreich um das Drogenproblem junger Menschen kümmerte. Im Zug nach München traf Nientiedt Andrea aus Köln, die einen Gehirntumor hatte und sich Rat bei einem Spezialisten in München holen wollte. Über Leonard Cohen kamen sie ins Gespräch. Der Professor konnte ihr helfen und sie konnte ihren Traum von einem zweiten Kind weiter träumen. Cohens berühmtes „Halleluja“ berührte die KfD-Frauen zusätzlich.

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