Zweirad Hölscher in Herbern: Fahrradboom hält trotz Krise weiter an

mlzWirtschaft

Viele Menschen in Deutschland haben die Lust aufs Radfahren wiederentdeckt. Das spiegelt sich ganz deutlich in den Umsatzzahlen wieder. Trotz Corona-Krise klingeln auch die Kassen der lokalen Händler.

Herbern

, 12.07.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fahrrad-Boom hält weiter an - trotz und teils sogar wegen der Corona-Krise. Laut Angaben des Marktforschungsunternehmens Statista ist der Umsatz durch Fahrradverkäufe in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Lag dieser etwa im Jahr 2017 noch bei rund 2,69 Milliarden Euro, waren es 2018 bereits 3,16 Milliarden. Das ist beinahe doppelt so hoch wie noch im Jahr 2008.

Die Fahrradbranche scheint krisenfest. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Erst die Klimakrise und das damit einhergehende gestiegene Umweltbewusstsein und nun die Corona-Krise haben in Deutschland scheinbar die Lust aufs Radfahren neu geweckt. Das bekommen natürlich auch die lokalen Fahrradgeschäfte zu spüren.

Verkaufte Räder bei Hölscher 90 Prozent sind E-Bikes

„Ja, diesen Boom gibt es schon seit einigen Jahren. Vor allem bei den E-Bikes. Die machen ungefähr 90 Prozent der verkauften Räder aus“, sagt Stefan Hölscher vom Fahrradgeschäft Zweirad Hölscher in Herbern. Auch bei ihm steigen die Umsätze - wenn auch die mehrwöchige Geschäftsschließung während des Shutdowns für einen Knick gesorgt hat. Inzwischen laufe der Laden wieder gut. Genauso wie bei anderen Branchen eben, die Produkte anbieten, die in irgendeiner Form etwas mit Freizeitgestaltung zu tun hätten.

Das höre er schließlich auch von anderen Händlern - etwa solchen, die Pools oder Markisen für den Garten verkaufen: „Die Leute fahren in diesem Jahr nicht in den Urlaub, sondern bleiben eher zuhause - und sie fahren Rad.“ Und wählen damit immer häufiger nicht nur eine gesündere Alternative der Fortbewegung im Vergleich zum Auto, sondern auch eine ohne Maskenpflicht - im Gegensatz zum ÖPNV. In Bus und Bahn ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bekanntlich Pflicht.

„Die Auswahl ist im Moment tatsächlich etwas begrenzter als sonst.“
Stefan Hölscher

Von Kurzarbeit oder Langeweile ist bei Hölscher und seinen sechs Mitarbeitern derzeit keine Spur. Ganz im Gegenteil. Wer sein Rad zur Reparatur in dem Herberner Geschäft abgibt, wartet durchaus schon mal ein bis zwei Wochen, bis er es zurückbekommt. Länger als im Normalfall. Die Nachfrage ist nun mal groß. So groß, dass es zwischenzeitlich sogar zu Lieferengpässen auf Seiten der Hersteller bei einigen Modellen kommen kann.

„Die Auswahl ist im Moment tatsächlich etwas begrenzter als sonst“, gibt Hölscher zu. Das sei aber kein absolutes Novum, sondern in den vergangenen Jahren, als teils bis in den November hinein relativ milde Temperaturen herrschten und dementsprechend mehr Rad gefahren wurde, durchaus schon vorgekommen. Letztlich komme allerdings in der Regel wöchentlich Nachschub.

Onlinekauf bietet Zweirad Hölscher nicht an

Grundsätzlich gilt also: Wer ein Rad möchte, der bekommt es - wenn auch teils mit Wartezeit. „Wir haben sogar schon einige Modelle für 2021 hier“, sagt der Herberner Händler. Online könne man die allerdings nicht kaufen. Genauso wenig wie die anderen Räder, die in dem Geschäft an der Bernhardstraße stehen und zudem auf der Homepage des Unternehmens zu bestaunen sind.

Das galt auch für die Zeit, als das Geschäft für mehrere Wochen coronabedingt geschlossen war, wie Hölscher betont: „Ich möchte, dass die Kunden ihr Rad hier bei uns erst einmal ausprobieren und sich persönlich beraten lassen können. Und das wollen die Kunden auch.“ Trotz Krise - oder eben genau deswegen.

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