Im kleinen Rahmen mit den Gesellschafterfamilien Hüpler und Kreutzberg sowie Vertretern der Porsche Deutschland AG durfte Autohaus-Geschäftsführer Christoph Kösters (Mitte) am Mittwochabend den neuen Arbeitsplatz von 82-Hülpert-Mitarbeitern offiziell in Betrieb nehmen. © Udo Hennes
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Unikat auf Zeit: Neues Porsche-Zentrum zieht Sportwagenfans ins Ruhrgebiet

Das neue Porsche-Zentrum der Hülpert-Gruppe am Dortmunder Airport erstaunt selbst den Vorstand des schwäbischen Autobauers. Zumindest vorerst bleibt das Autohaus exklusiver Anziehungspunkt für Sportwagen-Fans.

Der Duden versteht unter dem Begriff „loungig“ eine auf moderne Weise gemütliche Atmosphäre. Rund 19 Millionen Euro hat die Dortmunder Hülpert-Gruppe als einer der größten Mehrmarken-Automobilanbieter in Deutschland in die Hand genommen, um für Porsche als Premium-Marke im Portfolio eine loungige Verkaufsatmosphäre zu schaffen.

Herausgekommen ist der weltweit erste Autohaus-Neubau nach aktuellen Designvorgaben des schwäbischen Autobauers. Ein Unikat auf Zeit: Erst im Laufe des Jahres 2022 zieht die Porsche-Heimat nach, soll ein entsprechender Neubau in Stuttgart eröffnen. „Wir werden dieses Design in den kommenden zehn Jahren weltweit ausrollen“, kündigte Detlev von Platen, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei der Porsche AG, zur offiziellen Eröffnung am Dienstagabend an.

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Rundgang im neuen Porsche-Zentrum Dortmund

Die fand unter strengen Hygienebedingungen lediglich im Beisein der Inhaberfamilie, weniger Geschäftspartner und einer Handvoll Medienvertreter statt. Dem Coronavirus geschuldet, war bereits ein leiser Betriebsstart an der kürzlich extra durch die Gemeinde Holzwickede umbenannten Carrera-Straße in der Vorwoche vorausgegangen. Schon in diesen wenigen Tagen bis zur offiziellen Eröffnung hat der exklusive Auto-Tempel bereits so viele Sportwagenfans angezogen, dass der Einlass zwischenzeitlich reglementiert werden musste.

Porsche will „sympathisch und zugänglich“ sein

Der Zulauf ist ganz im Sinne der Porsche-Manager aus Zuffenhausen. Nach ihren Vorstellungen steht am Dortmunder Flughafen nicht nur ein Autohaus. „Uns ist bewusst, dass die Porsche-Welt beängstigend sein kann. Mancher geht vorbei und denkt: Uff, kann ich da rein gehen? Wir wollen hier sympathisch und zugänglich sein“, so von Platen. Ob die schiere Größe des rund 25.000 Quadratmeter großen Areals oder Anglizismen wie „Fitting Lounge“ oder „Classic Lounge“ einladend oder beängstigend wirken, entscheidet letztlich die Kundschaft.

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So sieht es im neuen Porsche Zentrum Dortmund aus

Klar ist aber: Die Porsche-Welt bleibt exklusiv, denn selbst wer neue Miet-Angebote nutzen oder im „Werk 1“ genannten Konferenzraum mit Bar und Blick über die ausgestellten Boliden seinen Geburtstag feiern will, wird entsprechend flüssig sein müssen. Diese Angebote neben dem reinen Verkauf sind Porsches Versuch, die Kundschaft zu verjüngen und auch weiblicher zu machen. Acht von zehn Porsche-Kunden sind nach firmeneigenen Aussagen männlich und Anfang 50 – Tendenz steigend.

Porsche will Vertragspartner in Zeiten des Online-Vertriebs stützen

In Zeiten, in denen in Elon Musk ein exzentrischer Unternehmer aber per Online-Direktvertrieb schon Geld bei Kunden für Tesla-Modelle eintreibt, die es noch gar nicht gibt, darf der exklusive Bau im Ruhrgebiet auch als Zeichen des Autoherstellers gewertet werden: „Wir sehen in unserer Strategie ein klares Bekenntnis zu unseren Partnern. Nicht weil wir müssen, sondern weil wir wollen“, so Porsche-Vorstand von Platen. Die Eröffnung passt zur Historie der Hülpert-Gruppe: Vor 70 Jahren wurde man erster Porsche-Vertragspartner in Westfalen.

In Alexander Pollich (l.) und Detlev von Platen (r.) beglückwünschten der Vorsitzende der Geschäftsführung von Porsche Deutschland und ein Vorstandsmitglied der Porsche AG den Geschäftsführer des Porsche Zentrums, Christoph Kösters, zum Neubau an der Carerra-Straße. © Udo Hennes © Udo Hennes

Das Team um Autohaus-Geschäftsführer Christoph Kösters umfasst 82 Mitarbeiter. Rund 600 Neuwagen sowie an die 900 Gebrauchtwagen will man mittelfristig am neuen Standort im Jahr absetzen. So viel, wie die weiteren Porsche-Zentren der Hülpert-Gruppe in Soest und Recklinghausen zusammen. Die auf Sicht ebenfalls auf die neue Porsche-Verkaufsstrategie angepasst werden sollen.

Wer es sich leisten kann, wird an der Carrera-Straße mit Sicherheit vom Kunden zum König. Dazu gehört etwa eine Einführung in die Feinheiten von Elektro-Modellen durch dafür geschulte Mitarbeiter. Und wenn es mit dem Stromer schnell gehen muss, warten vor den Tore vier ultraschnelle Ladesäulen, die leere Akkus in 20 Minuten auf 80 Prozent bringen. Die Wartezeit lässt sich an der Kaffeebar mit Blick in die gläserne Werkstatt vertreiben.

Hülpert Gruppe

900 Mitarbeiter an 14 Standorten

  • Die Hülpert-Gruppe zählt zu den fünf größten Autohändlern im Ruhrgebiet und verkauft jährlich mehr als 17.000 Fahrzeuge aus dem Markenspektrum des Volkswagen-Konzerns.
  • Der Jahresumsatz lag in den vergangenen Jahren zwischen 450 und 500 Millionen Euro.
  • Zum 1914 gegründeten Unternehmen gehören heute 14 Betriebsstätten, an denen rund 900 Mitarbeiter beschäftigt sind.
  • Hülpert-Gesellschafter sind die Familien Hüpler und Kreutzberg, Nachfahren in dritter Generation des Firmengründers Wilhelm Hülpert Senior.
Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis

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